Ein halbes Jahr in London? Eine tolle Sache, oder?

Eine schicke Erfahrungsbereicherung, macht sich toll im Lebenslauf eines Biologen und viele Menschen lieben diese Stadt. Da muss doch was dran sein...
Ich hatte die Chance hier für wenigstens sechs Monate zu arbeiten und London kennen- und vielleicht liebenzulernen - zwar ohne meine Frau, aber es ist ja nicht allzu weit bis Düsseldorf.
Eigentlich mag ich keine Großstädte...

 

Die Eindrücke und Erfahrungen waren hier so zahlreich, dass ich lieber anfing sie aufzuschreiben. Wär ja schad um die ganzen Erinnerungen... Und da mich eine Menge Leute gefragt haben, ob ich nicht einen weblog schreiben möchte, stellte ich meine Notizen einfach mal hier online. Ganz im Stil eines weblogs ebenfalls umgekehrt chronologisch und klar freue ich mich über Kommentare, Kommakorrekturen, Liebesgrüße und nette Post.   

Meine Links und Maps

Babel. Unzulänglichkeiten whilst being abroad

Zum Beginn geht es hier nach unten 

 

    4.7. Endgame

Hier meine Schlussstriche

 

Der letzte Donnerstag Der letzte Donnerstag Ach, wat geht et mir gut… Ich hab heute meinen final talk gegeben, also meinen abschließenden Vortrag gehalten - abgehakt. Die Vorbereitung war übrigens recht lässig, denn Andy ist ja auch einer der Menschen die sich lieber nach Hause verpissen um dort in Ruhe schreiben zu können, so wie ich. Ich zumindest bin zu Haus wirklich um einiges effizienter: weil man dort nicht gestört wird, in seiner gemütlichen Umgebung ist und einfach mal zwischendurch was essen kann, aber vor allem weil man nicht an die Arbeitszeiten gebunden ist. Jedes Mal, wenn ich zu Hause arbeite, arbeite ich deutlich länger als ich im Büro würde… Andy fand’s sogar richtig gut, dass ich mich zu Hause darauf konzentrieren wollte (fand ich klasse - sehr entspannend ) und so hab ich gestern auf meinem Bett gearbeitet (ich wohne - ne, ich schreib jetzt einfach mal "wohnte" - hier in London ja auf und in meinem Bett, so wie früher als Schüler, man hat’s nicht leicht...). Jedenfalls hab ich heute meinen talk gehalten, vorher meine letzte praktische Arbeit erledigt, fast alle Hinterlassenschaften für’s Labor für Andy geordnet und dokumentiert, ein Bisschen Verwaltungskram in die Wege geleitet (ich muss ja hier, wenn ich das Formular P45 mit meiner letzten Lohnbescheinigung bekomme, mit dem Formular CA3916 das Formular E301 für die deutschen Behörden beantragen – habt Ihr den Asterix-Film gesehen, mit dem Haus das Verrückte macht? Nehmt Euch die Zeit;-) und ich hab sogar eine Nachricht von der liebenswürdigen TV-Licensing Institution bekommen, dass ich tatsächlich schon ab Juli meine Rückerstattung der im Voraus gezahlten Gebühren bekomme. Großartig. Nach meinem Vortrag hab ich mich mit einer Dame von der Wohnungsverwaltung getroffen, sie hat alles für gut befunden und so bekomm ich wohl morgen meine Kaution überwiesen und alles wird hoffentlich gut.

Dusk Und zu guter Letzt hab ich selbstverständlich meinen standesgemäßen Ausstand mit mir selber im Sun in Splendour gefeiert. Die scheinen doch tatsächlich das ganze Personal ausgetauscht zu haben –vielleicht sind auch nur alle im Urlaub. Zumindest haben die Neuen annehmbare Musik mitgebracht. Aber, das war’s für mich erstmal mit dem Sun …

Und passend hab ich im Sun, bei meinem letzen Pint of London Pride, ein Buch zum End gelesen: Dan Simmons "Hyperion Gesänge" (jedenfalls den zweiten von vier Teilen) – just großartig, kann ich jedem SciFi Leser empfehlen (Geschichten aus der "normale" Welt sind mir wirklich viel zu laaangweilig). Ich zitiere den letzten Satz, möchte jedoch, aus Gründen der Deutung, darauf hinweisen, dass es nicht um Brawn geht, nicht um den Konsul, nicht um echte Freunde but Gesichter, nicht um ein Schiff: "Brawne weinte und winkte, winkte unablässig, dem entschwindenden Konsul, dem Himmel, Freunden, die sie nie wiedersehen würde, einem Teil ihrer Vergangenheit und dem Schiff, das emporstieg wie ein makelloser Pfeil aus Ebenholz, der vom Bogen eines Gottes abgeschossen worden war. Weiter zog er..."   weiter

Der letzte Freitag Der letzte Tag... Nett war's . Wirklich. Wir haben ein kleines farewell meeting in einem Pub gehabt. Andy zeigte wirklich großes Bedauern darüber, dass ich nicht bleiben kann – schweren Herzens... Ich hab mich wirklich sehr willkommen und gebraucht gefühlt, bei Andy, in seinem Lab. Und gerade heute hat er erfahren, dass er noch ein weiteres Jahr Geld für einen Postdoc hat... Na, so ist das... das Leben... Ich freu mich auf zu Haus.

Hab ich was verpasst, was vergessen...? Cricket. Als ich Andy mal erzählt habe, dass ich ein Cricket Spiel sehen möchte, hat er mich ausgelacht...: "So was schaut man sich nicht an", sagte er. Ein Spiel dauert manchmal Tage. Wenn, dann müsste man ein Amateurspiel irgendwo auf dem Land sehen, bzw. eigentlich nicht sehen, denn man ginge nur zu einem Cricketspiel um Bier zu trinken, mit Leuten zu quatschen oder ein Buch zu lesen. Und wenn es irgendwo auf dem Spielfeld laut wird, schaut man mal hin und hat eh alles Interessante verpasst. Cricket sei extrem langweilig. Immer, wenn er sich zwei Deutsche bei einem Cricketspiel vorstellt, muss er ganz furchtbar lachen und hat Angst um den Ruf seines Landes;-)

Das lass ich jetzt so stehen. Das war's für mich hier. Meine Schlussstriche hab ich gezogen, meine letzten Pints of Pride getrunken.

Seltsam, ein zweites zu Haus gefunden zu haben. Vor allem, weil man so herrlich unzulänglich darüber meckern kann.

Ich bin raus.

Take Care



Die Welt ist schön wie sie ist. Man muss sich nur darauf einlassen es zu begreifen.

                      

 

    30.6. Schlussstriche

Sechs Monate allein in einem anderen Land, sechs Monate in London. Was für ein Erlebnis. Sehr viele Erfahrungen habe ich hier gesammelt. Allein deswegen möchte ich die Zeit hier nicht missen - wegen der Bedeutung für mein Leben, für mich.

Mal sehen, ob ich einige dieser Eindrücke, Erlebnisse, Erfahrungen zu fassen bekomme... Und es bleibt schließlich noch die Frage zu klären: "Wieso wird diese Stadt von so vielen Menschen geliebt?"

 

Augenbrauentraining Hier angekommen habe ich ja einen echten Kulturschock erlitten. Überall Dreck, die Straßen voller Müll, in der Tube wird man nur zugerußt, die Busse voller ekelhafter Zumutungen. Das hatte ich bei weitem nicht erwartet. Ich kann es nicht anders sagen: es war echt erschreckend, was ich hier vorgefunden habe und es ist immer noch erschreckend, was ich hier vorfinde. Dieser unorganisierte Saustall im Labor... Der Kühlraum ist immer noch voller Schimmel, obwohl nicht nur Andy, sondern auch unsere Sicherheitsverantwortliche (die Dame, die hier für die Einhaltung der Bestimmungen sorgt) Bescheid wissen; das wird auch so bleiben. "Man müsste jemanden finden der hier sauber macht", war die Antwort (die letzten Impressionen gibt’s versteckt). Der Lagerraum, Sauberkeit und Ordnung im Labor, das Bestellsystem... Alles unzumutbar.
Die scheren sich einfach einen Dreck darum. Und genau das ist eine der Kernaussagen meiner Erlebnisse hier: "Es funktioniert ja auch so", ist eine immer wieder auftretende Aussage. Von Effizienz und Perfektionismus keine Spur... Nicht nur im Labor.

Architektur Wieso arbeite ich in einem Krankenhaus mit angeschlossenem Forschungsinstitut, in dem es auf dem Gelände aussieht, als wäre es eine Fabrik? Wurden zusätzliche Gebäude auf das Gelände gebaut, wurden sie nicht angebaut,geschweige denn integriert, sondern in einem völlig anderem Stil irgendwo daneben gepflanzt. Rohre und sonstige Leitungen sind nicht versteckt; überall steht irgendetwas rum (der Stuhl steht immer noch direkt vor dem Institutseingang). Warum sollte man ein einheitliches Design verwenden? Rohre verstecken? Ästhetik scheint irrelevant.

Handwerker Bei mir im Haus, von außen ja ein sehr schönes altes Haus, wurden vor einigen Monaten einige Risse im Putz des Hausflures ausgebessert - der Flur ist weiß gestrichen und voller Stuck. Zunächst haben die grobkörnigen, roten Sand in und um die Risse geschmiert und dann nach einigen Tagen mit feinerem, grauem Material verspachtelt. Überall sind noch rote Flecken; das sieht jetzt einfach total scheiße aus und keiner korrigiert's mal mit ein bisschen Farbe. Warum? Ja, wieso denn?

Straßenarbeiten scheinen hier nicht oder nicht immer von irgendwelchen Stadtangestellten durchgeführt zu werden. Man sieht hier Fahrzeuge von irgendwelchen Privatfirmen an Baustellen stehen, mit Bauarbeitern ohne Arbeitskleidung und das Beste ist eigentlich, dass die manchmal mit den abenteuerlichsten Gerätschaften anrücken. Irgendwelches altes Zeug, was ich bei uns teilweise noch nie gesehen habe - und ich wohne ja nun auch schon ein paar Jährchen in Deutschland. Und so sehen die Baustellen dann auch aus: irgendwie unprofessionell. Beim Betrachten stelle man stelle sich eine hochgezogene Augenbraue vor.

Kaufhaus mit Namen Das weltberühmte Selfridges auf der Oxford Street... eieiei. Ein Laden, in dem es vom unbezahlbaren Klunker, über überteuerte Designerklamotten bis zum low quality Wühltisch alles gibt. Furchtbar. Keine Ordnung in dem Laden. Da hängen teilweise alle möglichen Sachen quer durcheinander: Hemden, T-Shirts, Jacken, Hosen, alles an derselben Stange. In jeder Ecke wird ne andere Musik gespielt. Neonlicht über und weiße Kacheln unter Designersachen, wo nen oller Pullover £1300 kostet. Zehn Meter weiter eine bezahlbare Jacke, bei der Fäden überall raushängen und die Knöpfe schon vom Angucken abfallen. Kann man das unprofessionell nennen? Ungeordnet und stilbehindert... Ja.

Die Bahn Warum gibt es hier keinen vollständigen Zugfahrplan? Wieso können die sich nicht etwas früher als zehn Minuten vor der Abfahrt eines Zuges für ein Gleis entscheiden? Stattdessen wartet man vor der Abfahrt mit hundert anderen Reisenden vor den Anzeigetafeln, um sich bei Bekanntgabe des Gleises wie die Lemminge in den Geduldsselbstmord Zugfahrt zu begeben, denn bei der Einfahrt muss der Zug ja auch wieder langsamer werden, um auf die Gleisentscheidung zu warten. Warum? Na, es funktioniert doch so.

TfL Transport for London - der Londoner ÖPNV. Der ist streckenweise recht überzeugend. Man kommt ziemlich schnell an sehr viele verschiedene Orte in London, weil die U-Bahn- und Busnetze unglaublich gut ausgebaut sind. Es ist wirklich krass, wie viele verschiedene Busse hier oft an den unmöglichsten Haltestellen halten - fast schon unnötig, aber dadurch natürlich bequem. Die Website des TfL ist einfach große Klasse! Man kann sich sehr einfach eine Route berechnen und anzeigen lassen und zwar nicht nur bis zu einer Haltestelle, sondern inklusive dem ausdruckbaren Fußweg bis zu einer Haustür. Das Oyster-Kartensystem ist ebenfalls großartig: eine aufladbare Magnetkarte, von der automatisch der korrekte Fahrscheinbetrag abgebucht wird, wenn man einen Bus besteigt oder eine Tubestation verlässt - und das ist immer die billigste Variante. Aber, dafür sieht es in den Bussen aus wie Sau, viele Busfahrer sind Arschlöcher, die Haltestellen für verschiedene Busse sind meist unnötig weit voneinander entfernt und das Dümmste ist, dass die U-Bahn nicht nachts gewartet wird, wenn sie eh nicht fährt, sondern immer am Wochenende, so dass man in seiner Freizeit manchmal echten Stress hat nach Haus zu kommen - Yvonne kann da ein richtig bösartiges Lied von singen. Und wieso wird sie nicht nachts gewartet? An der Dunkelheit kann's unter der Erde nicht liegen. Ich hab keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil die Londoner sich ja eh ohne weiteres damit abfinden. Hier nimmt man sowas nämlich meist sehr gelassen hin. Was soll man auch dran ändern? Und wieso sollte man das auch tun? Man interessiert sich ja nicht dafür... (OK, das wird ne Schleife...;-)

Gesundheit heißt hier bless you Eieiei, das Gesundheitssystem hier... Wenn ich an den GP denke, also sowas wie mein Hausarzt, der mir nicht im Geringsten helfen konnte... Und diese furchtbar inkompetenten Apotheker... Oder, wenn ich an die Zähne so vieler Menschen hier denke... So oft krumm und schief. Vermutlich wegen des bescheuerten Gesundheitssystems und der teuren Behandlungen. Vielleicht scheren sie sich auch mal wieder nicht drum.

Nahrung Das Essen hier... Gut, ich hatte ja auch keine Feinschmeckerküche erwartet... Ich finde Pubessen ja eine wunderbare Sache. Oft kriegt man was mehr oder weniger ordentlich Zubereitetes für einen annehmbaren Preis. Aber, ob in Pubs oder in Restaurants, ganz selten ist alles perfekt und der Geschmack vorzüglich. Und wenn es mal anständig zubereitet ist, dann ist es meistens extrem langweilig. Boooring sozusagen. Würzen scheint hier nicht so großgeschrieben zu werden. Man hat im Supermarkt auch gar nicht diese große Auswahl an Gewürzen die wir von zu Hause kennen. Ich habe hier so einfach z. B keine Currygewürzmischung und keine Paprika gefunden - hier scheint es eher Pasten und Saucen zu geben. Wenn sie aber mal versuchen zu würzen, dann stellt sich schnell heraus, dass sie es nicht können. Kombinationen der unmöglichsten Geschmacksrichtungen finden sie dann aber unheimlich geil und fancy (Hähnchen und irgendwelche Beeren?). Aber das Schlimmste ist hier, dass man sich nicht auf die Qualität des Essens und auf eine immer gleiche Zubereitung in einem Laden verlassen kann: Einmal ist der Reis lecker mit Gewürzen zubereitet, mal angebraten, mal mit Gemüse versetzt und wenn's ganz schlimm kommt just plain und pappig - aber immerhin verlässlich pappig. Mal ist das Steak, wie bestellt, medium-rare, mal durch, mal zart, mal komplett durchwachsen. Und warum? Weil die Leute trotzdem hingehen und dort essen. Meistens wird man hier ja nicht mal gefragt wie es einem geschmeckt hat (die wissen vielleicht warum).

 

Verlässlichkeiten Das ist auch so eine Kernaussage meiner Erlebnisse hier: Man kann sich auf vieles einfach nicht verlassen.
Im Pub ist nicht immer sein Lieblingsbier vorrätig. Es wird nicht immer der gleiche Musikstil gespielt (manchmal wird furchtbarerweise überhaupt keine Musik gespielt, in ner Kneipe!). Wie schon erwähnt werden Gerichte nicht immer gleich zubereitet (kleine Variationen sind ja normal und erwünscht, aber hier geht es ja um Qualität) und Wochenends kann man sich nicht auf die Tube verlassen. Im Labor kann man sich nicht darauf verlassen, dass immer die gleichen verlässlichen Arbeitsmaterialien bestellt werden, oft musste ich meine Zeit mit minderwertigem, unzuverlässigem Kram verschwenden und man konnte sich nicht darauf verlassen, dass Verbrauchsmaterialien und Chemikalien überhaupt nachbestellt wurden. Im Supermarkt kann man sich nicht darauf verlassen, dass seine bevorzugten Produkte nachgefüllt wurden oder vorhanden sind. Ach, das hätt ich ja fast vergessen: man traut Wettervorhersagen ja eh nicht so sehr, obwohl ich schon den Eindruck habe, dass die deutschen Prognosen in den letzten 25 Jahren etwas zuverlässiger geworden sind, aber hier... Das kann man völlig vergessen! Morgens informiert man sich über das Wetter des Tages und schleppt dann unnötig nen Regenschirm und ne dicke Jacke mit sich rum. Ich hab schon erlebt, wie die "Vorhersagen" innerhalb von zwei Stunden von kompletter Bewölkung mit Regen zu klarem Sonnenschein geschwenkt sind – für den aktuellen Tag! Nu, das liegt sicher daran, dass es hier ne Insel mit viel Wind und Unprofessionalität ist... Oder es liegt einfach am Wetter;-)

 

Warteschlangen Aber eines darf ich in diesem Sermon natürlich nicht unerwähnt lassen: die britische Warteschlangenerfindung ist wirklich großartig und tatsächlich hochgradig effizient;-) Im Postamt, am Ticketschalter oder in einigen Supermärkten... alle Wartenden stellen sich in einer Schlange vor allen Schaltern/Kassen an; der erste geht zum nächsten freien Mitarbeiter. Diese Erfindung ist so toll (wenn sie denn wirklich britisch ist - vielleicht ist sie ja auch irgendeiner britischen Kolonie entsprungen "Warten am Wasserloch"), dass sie sich eigentlich gehörig darauf ausruhen können. Und beim Ausruhen kann man ja auch mal die Füße hochlegen und Fünfe grade sein lassen...

 

Unzulänglichkeiten Wenn man ein Land in solch einer Performance erlebt, dann weiß man plötzlich was man zu Hause hat. Ich habe Deutschland tatsächlich sehr zu schätzen gelernt... Eine seltsame Erfahrung ... für mich, einen der unpatriotischsten Menschen überhaupt.
Aber, wenn man hier leben muss, dann kann man ja nicht anders, als sich damit abzufinden. Wie sagte David Bowie? "... Here am I floating round my tin can. Far above the moon. Planet earth is blue. And there's nothing I can do. ..."

Auch wenn ich von diesen, meiner Meinung nach, Unzulänglichkeiten Londons umgeben war, wurde ich viel zu oft mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert. Toleranz... Auch Geduld...

Die Londoner jedenfalls nehmen das alles eher gelassen. Entweder, weil sie ja eh nichts daran ändern können, oder, wenn man es mal konsequent böswillig betrachtet, weil sie das ja eh nicht interessiert oder sie keinen Blick dafür haben. Was auch immer der Grund ist, diese "I don't care" Gelassenheit, hat auch was Nettes...

 

Menschen. Kind Wenn ich an die Menschen in London denke fällt mir auf, dass ich hier nie unfreundlich behandelt wurde. Doch! Einmal, von einem miesgelaunten Zugticketverkäufer. Aber ansonsten... Postbeamte, Supermarktkassierer, Bankangestellte, Verwaltungsangestellte, Arbeitskollegen (ausgenommen deutsche und russische), Barkeeper. Die Menschen scheinen ihren Beruf hier alle sehr freundlich und sogar zuvorkommend auszuführen (das ist selbstverständlich nicht mit Kompetenz zu verwechseln und ebenso selbstverständlich sind Busfahrer davon ausgenommen).

Diese häufig mangelnde Kompetenz ist wohl einfach wieder auf den fehlenden Anspruch an Perfektionismus zurückzuführen. Es ist schon manchmal sehr überraschend wie wenig sich einige Leute in ihren Jobs auskennen – furchtbar. Als ob sie teilweise gar nicht ausgebildet wurden. Nicht nur im Schreibwarenladen sondern leider auch im Labor (ich wollte statt Schreibwarenladen ja erst die Wursttheke wählen, hab in den Supermärkten hier aber noch keine Wursttheken gesehen ...komisch).

Polite Freundlich sind sie, aber auch meist höflich. Schwer gut finde ich, dass Leute sich dafür entschuldigen, wenn sie von anderen angerempelt werden. Alle Beteiligten und auch Unbeteiligten sagen "Sorry". Vorhin hat sich eine Dame bei mir entschuldigt, weil sie den Gang entlang gelaufen ist, während ich gerade aus der Herrentoilette gekommen bin;-) So ist das hier.

Grim Tja, und dann sieht man diese vermeintlich grimmigen Gesichter auf den Straßen. Ich scheine mir das ja auch schon angewöhnt zu haben, denn als Yvonne das letzte Mal hier war, hat sie mich beim rausgehen mindestens zweimal gefragt, was ich denn habe. Dabei hatte ich nur mein Londongesicht aufgezogen;-) Und das von meiner Frau... Gut, Frauen sind für diese Frage ja bekannt: "Hast Du was?" Aber, dies war anders. Ernsthaft besorgt. ... Geht schon wieder weg... Vermeintlich grimmige Gesichter, weil ich glaube, dass sie gar nicht grimmig sind. Ich bin ja auch nicht wirklich grimmig, schaue aber so bescheuert aus der Wäsche. Die bleiben hier, denk ich und dachte auch Gerald, einfach lieber in ihrem eigenen Kopf und schauen andere Menschen ungern an. Hmmm, das trifft auf mich ja nicht zu; es muss also noch was anderes sein. Wahrscheinlich sind grimmige Gesichter ansteckend... Worin auch immer der Grund liegt, diese versteinerten Gesichter sind jedenfalls ein echtes Phänomen. Vielleicht ist ja hier wirklich was im Themsewasser. Ich bin jedenfalls froh bald wieder Deutsches Wasser zu trinken.   weiter

Cheerful In ihren Pubs jedoch gehen sie auf; da gibt es die Gesichter nicht mehr. Da wird fröhlich gechattet und gelacht. Und laut vor allem. Das ist ja hier übrigens jedem aufgefallen, dass die Londoner in Pubs eine wirklich extreme Geräuschkulisse produzieren. Diese Pubs sind schon eine nette Institution: völlig gemischte Folks treffen sich nach der Arbeit wenigstens auf ein schnelles Pint und feiern so ihren Feierabend, auch wenn es dafür kein adäquates Wort gibt, was ich sehr schade finde. "Feierabend" ist doch ein tolles Wort, oder? Ach übrigens, man findet hier nicht die gleichen Engländer, die man im Urlaub in Spanien oder Portugal findet; hier geht's doch etwas zivilisierter zu;-)

Nicht zu vergessen diese tolle, fröhliche Atmosphäre im Electric Dreams Club. Wie die sich alle über die schöne Musik gefreut haben und sich völlig ausgelassen singend zur Musik bewegt haben. Auch wenn es vermeintlich weniger stilvoll war als das was ich so kannte, konnte man vielen ansehen, dass sie einfach das Leben genießen - who cares about Tanzstile...?

Style Vor meiner Ankunft hier hatte ich London ja eigentlich in die große Style-Schublade gesteckt - Haute Couture und Fancy Streetwear. Das war scheinbar falsch. Hier zieht man, so hab ich den Eindruck, einfach nur das an worauf man so lustig ist - ob es zusammen passt oder nicht (klar werden so auch mal Trends kreiert). Viel mehr Menschen als bei uns scheinen sich nicht mal dafür zu interessieren was sie anziehen und tragen einfach irgendeine Kleidung. Frauen oft auch Säcke. Das gleiche mit Frisuren... Hier muss man nicht durchgestylt daher kommen. Es reicht völlig die Bettfrisur zur Nichtganzsobettfrisur zu machen und raus auf die Straßen Londons. Das ist also alles ne ganze Ecke entspannter hier. Sehr lässig. Gefällt mir.

Hier scheint man sich auch nicht so für seinen Körper zu schämen... Vermeintlich hässliche, stark übergewichtige oder sonstwie aus der "Norm" fallende Menschen verhüllen viel weniger von ihren Irregularitäten als bei uns. Die stehen einfach zu sich selbst; scheinen sich selbst treuer zu sein. Also, ihr Hässlichen Entlein, auf nach England! Wie schrieb Achim letztens...? "Das Land, in dem die Pferde besser aussehen als die Reiterinnen." Find ich ganz Großartig! ;-) Woher kommt das eigentlich?

Na, jedenfalls findet man hier deutlich weniger Stilbewusstsein an als erwartet. Und die Tatsache, dass hier überall irgendwo jemand einen oder mehrere Fingernägel im Mund hat, auch mehrere Personen bei Unterhaltungen, und sich fast überall jemand den Rotz ins Hirn zieht (beides gibt es teilweise ja auch bei uns, aber wirklich nicht in der Frequenz) hat nun nicht mehr nur mit mangelndem Stilbewusstsein zu tun, sondern wohl eher auf mangelndes Bewusstsein. Ich muss mich wiederholen - ein letztes Mal: Alte Pottsäue!

Punkte Sehr lässig finde ich übrigens auch, dass sich völlig Fremde hier beim Vornamen ansprechen. Ich war hier nur selten Mr Linka oder gar Dr Linka (natürlich alles ohne Punkt). Das finde ich gut. Ich bin ja auch einer der wenigen Verfechter vom gleichzeitigen Siezen und beim Vornamen nennen: "René, Sie haben doch..." find ich klasse. Wo wir grad dabei waren, die Schrift und Sprache nimmt hier keiner so ernst wie wir Deutschen das Deutsch. "Wie sprecht Ihr denn blabla aus?" "Ach, das bleibt Dir überlassen." Da scheren die sich hier genau so wenig drum, wie um ihre Interpunktion.

 

London Mal vom Horn und dem Rotz abgesehen, habe ich hier den Eindruck gewonnen, dass diese freundlichen Menschen viel ehrlicher zu sein scheinen. "Wat you get is wohl meistens what you see". Sie sind ein sehr gelassenes, oft sehr geduldiges Völkchen.

 

Und diese Lässigkeit, die spürt man. Man spürt sie auf den Straßen Londons, in den vielen Parks, in den Pubs. Und vielleicht ist das der Grund, wieso so viele Menschen diese Stadt lieben. Wegen ihrer Menschen. Ich zumindest mag die Menschen hier.

 

Und London, die Stadt, nun, ich bin immer noch kein Stadtmensch. Aber, ich sehe doch, dass es für eine Stadt eine recht schöne Stadt ist (wenn man den Müll und die Steingesichter ignoriert). Überall schicke alte Häuser, immer mal wieder eine Sehenswürdigkeit, viele Parks, viel zu erleben mit Abwechslung ohne Ende, man kommt tatsächlich ohne Auto aus, diese breite Pubkultur...

Ich würde wieder nach Notting Hill ziehen, wenn ich erneut vor einem Kurzaufenthalt hier stünde. Die paar Pfund mehr waren es definitiv wert. Hier ist eine tolle, lässige, sauberere zentrale Gegend, nah an der City, direkt neben dem Kensington-/Hyde-Park, man kann hier alles Nötige zu Fuß erledigen und man wohnt nicht mit hässlichen Menschen zusammen.
Müsste ich für längere Zeit hier wohnen, würde ich wohl nach Hampstead ziehen. Nah an meinen geliebten Hampstead Heath, wo ich gestern zum letzten Mal umeinanderflaniert bin und zwischendrin ein oder zwei kühle Küppers Kölsch im Spaniards Inn genossen habe... Ein neues Blair Witch Heath Video hab ich natürlich auch aufgenommen;-)
Auch wenn ich nur einen kleinen Teil Londons gesehen habe, finde ich es in Hampstead am schönsten, am gemütlichsten. Wenn ihr mal hier seid, müsst ihr hin - ich hab grade auch eine Karte mit meinem Lieblingsweg online gestellt (nicht, dass ich ihn noch irgendwann vergesse).

 

Ich und Wir Die Erfahrungen möchte ich jedoch nicht missen. Allein irgendwo zu sein wo alles anders ist... Getrennt von seiner Frau. Gerade letzteres war ja ganz neu für mich. Ich wusste, dass ich mich gut alleine beschäftigen kann, mir also so schnell nicht langweilig werden würde, aber was mit mir geschieht, wenn ich nach zwölf Jahren von Yvonne getrennt werde, das wusste ich nicht. Dieses bewusste, permanente Alleindenken. Das Alleinwahrnehmen... Ich denke ja gerne;-) Alleine läuft es in anderen Bahnen ab. Individueller, möglicherweise einseitiger, möglicherweise tiefer. Es wäre wider den Verstand dies gegenüber einer Kommunikation abzuwerten. Aber Wahrnehmungen, Eindrücke beim Spaziergang, das macht alleine keinen Sinn. Vielleicht Sinn, aber es ist einfach langweilig und viel weniger lustig sich die Gedanken zu seinen Eindrücken nur selbst zu erzählen.
Dann war da dieses überraschende Gefühl der Einsamkeit. Neu. Gut noch etwas Neues über sich zu lernen.
Dann fehlte da dieser Mensch, dieser Pol, nach dem Feierabend. Wir haben durch diese getrennte Zeit gemerkt, dass wir uns scheinbar auch brauchen, um abends wieder auf den Teppich zu kommen - zumindest manchmal. Wir scheinen alleine um einiges unausgeglichener.

Es ist schon was Besonderes so eng mit einem anderen Menschen zusammen zu leben. Nicht nur ein Ich, sondern ein Wir. Oder zwei Wirs. Offenbar haben wir es geschafft uns aufeinander einzulassen. So ist's gut.

 

So... wir haben also schludrig-schlonzige, unkonventionelle Menschen, die alles nicht so genau nehmen, aber sehr lässig ihr Leben genießen und sich amüsieren können. Man möcht meinen ganz London wär auf Gras...;-)
Ach, just kidding, da fällt mir doch nochmal ganz passend David Bowie ein... Die Textpassage vorhin war ja über Major Tom aus seiner Space Oddity. Er hat nochmal über Major Tom gesungen, nämlich in Ashes to Ashes (auch wenn das jetzt natürlich ein ganz anderer Zusammenhang ist;-): "... Ashes to ashes, funk to funky. We know major toms a junkie. Strung out in heavens high. Hitting an all-time low. ... My mother said to get things done. Youd better not mess with major tom. ..."

 

Das Leben in UK gefällt mir nicht, ich mag immer noch keine Großstädte, aber ich mag die Menschen hier. Und nichts desto trotz, habe ich hier nach sechs Monaten wohl ein zweites, kleines zu Hause gefunden - da kann man sich gar nicht gegen wehren...

 

Solltet Ihr mal für eine Weile weg müssen, in einem anderen Land leben, dann bleibt geschmeidig (Dank an Rolf für dieses Wort;-) Listen to Iggy:

Iggy Pop "The Passenger" iggypop.com

 

 

I am the passenger and I ride and I ride
I ride through the city's backsides
I see the stars come out of the sky
Yeah, the bright and hollow sky
You know it looks so good tonight

I am the passenger
I stay under glass
I look through my window so bright
I see the stars come out tonight
I see the bright and hollow sky
Over the city's ripped backsides
And everything looks good tonight
Singing la la la...

Get into the car
We'll be the passenger
We'll ride through the city tonight
We'll see the city's ripped backsides
We'll see the bright and hollow sky
We'll see the stars that shine so bright
Stars made for us tonight

Oh, the passenger
How, how he rides
Oh, the passenger
He rides and he rides
He looks through his window
What does he see?
He sees the sign and hollow sky
He sees the stars come out tonight
He sees the city's ripped backsides
He sees the winding ocean drive
And everything was made for you and me
All of it was made for you and me
'Cause it just belongs to you and me
So let's take a ride and see what's mine
Singing la la la...

Oh the passenger
He rides and he rides
He sees things from under glass
He looks through his window side
He sees the things that he knows are his
He sees the bright and hollow sky
He sees the city sleep at night
He sees the stars are out tonight
And all of it is yours and mine
And all of it is yours and mine
So let's ride and ride and ride and ride
Oh, oh, Singing la la la la lalalala

 

 

 

So, das war der letzte Montag hier. Freitagabend werde ich noch einen letzten kurzen Eintrag online stellen und das war's dann erstmal. Bis Freitag also, Cheers

                      

 

    25.6. Semifinals Germany v Turkey 3:2

Finale Man, war das ein Spiel. Da sind ja offensichtlich zwei Kulturen aufeinandergestoßen. Schnell und emotional spielende Spieler aus der Türkei (so, wie meine türkischen Kumpels schon damals in der E-Jugend im MSV Moers in Meerbeck gespielt haben), na, und halt wir... abwarten, analysieren und gucken was gemacht werden muss, um die Scheiße nach Hause zu bringen. Die Türkyes haben aber ordentlich Druck gemacht. War schön anzusehen.

Hier auf BBC wunderte man sich nur, dass die Germans das Spiel nicht dominiert haben und ansonsten immer alles nur wenig brilliant nach Hause bringen... Na, ich finde unsere Tore waren doch ganz lässig, oder? Heißt dominieren denn bewegen und Druck machen? Ist ja auch angenehm den Gegner in Sicherheit zu wiegen...;-)

Ich jedenfalls hab mir die erste Halbzeit im Hill Gate angeschaut, Und beim ersten Tor für die Türkei... eieiei... Zweidrittel des Pubs hat erstmal losgejubelt wie bekloppt. Und ich dacht "ach herrje ". Aber, an meinem Tisch war ich richtig – der einzige prodeutsche Tisch scheinbar.

Da aber immer mehr Leute in den Pub diffundiert sind, die einfach mal, uninteressiert am Spiel, nur im Blickfeld rumstehen wollten, ist mein ganzer Tisch in der Halbzeit nach Hause gegangen. Ich hab mir dann überlegt, ob ich wohl gerne einer der wenigen pro Deutschen sein möchte und hab mich dann auch fürs Heim entschieden, weil das Bier dort ja billiger ist – ist klar, ne? Da konnte ich dann endlich den Zuschauerpalaver, einen Kommentar und mehrere Bildausfälle mitbekommen – wie früher (war ja scheinbar überall so). Wie ich das zweite Deutsche Tor erlebt habe, sieht man auf dem Foto.

Morgen Russland gegen Spanien (zu dumm, dass Arsen kein Bier trinkt; wär sicher lustig mit nem Russen) und Sonntag Finale... Oho. Finale. OhoHoho...

                      

 

    24.6. letzte steinige Abenteuer

Na, das war ja mal ein Wochenende. Man kann uns wirklich nicht nachsagen, wir wären faul gewesen. Ne, viel Schönes haben wir gesehen und große Abenteuer haben wir erlebt;-) Freitag und Montag hab ich hier meine letzten Urlaubstage verpulvert, um hier blos nichts zu verpassen. So konnten wir Freitag erstmal ganz gemütlich ausschlafen und ein bisschen in London umeinander flanieren. Queen Mary's Garden im Regents Park - ein riesiger Rosengarten - steht nämlich in voller Blütenpacht; todschick. Und duften tut's dort... herrlich.

right hand drive Samstag sind wir nach Heathrow gefahren und haben uns ein Auto gemietet (nach Heathrow, weil es dort schon außerhalb des verkehrskranken Londons ist und man sich am Flughafen ohne Probleme ein Auto leihen kann). Jaaa! I did it! Endlich... Das war ja etwas, was ich hier unbedingt machen wollte: ein falsch konstruiertes Auto auf der falschen Seite fahren. Man war das komisch... Die linke Seite ist eigentlich gar nicht so problematisch. Nun ja, ich bin ja auch schon ne Weile hier und konnte mich dran gewöhnen. Wenn man sich vor allem beim Abbiegen ein bisschen konzentriert, ist das gar kein Problem. Aber das Lenkrad auf der rechten Seite zu haben... Das war für mich eine echte Herausforderung. Ich bin ja schon im ordentlichen Fahrzeug überhaupt nicht mehr dran gewöhnt mit beiden Händen am Lenkrad abzubiegen: Schon seit Jahren lenke ich fast ausschließlich mit der linken Hand und habe meine rechte meistens am Schaltknüppel. Ich bin es gewohnt meistens schon während des Abbiegens zu schalten, z. B. vom ersten in den zweiten Gang, wenn ich an einer Ampel stehe. Als ich Samstag plötzlich mit rechts lenken und mit links schalten musste... dat war mal gar nicht so einfach. Ich dacht schon, ich hab se nich mehr alle. Links schalten geht übrigens, denn man muss es ja tun, da man ohne nicht vorran kommt. Was ich aber fast gar nicht gemacht habe, war freiwillig in den Rückspiegel zu schauen, denn der war ja auch auf der völlig falschen Seite. Und da das eher eine unterbewusste Handlung ist... Ich hab ständig in die Seitenspiegel geschaut und mich dann unheimlich gefreut, wenn ich den Rückspiegel mal aus Versehen erwischt habe. Man gab es da plötzlich viel zu gucken...

Aber, wir hatten ja auch ein Ziel... Wir haben uns nämlich Stonehenge angeschaut und sind anschließend ins Legoland nach Windsor gefahren;-) Endlich... Wir sind ja beide Legokinder. Und schon seit ich zum ersten Mal vom Legoland erfahren habe, das muss so ca. 25 Jahre her sein, wollte ich immer ins Legoland. Und endlich war es soweit;-) Da werd ich ja nie zu alt für sein...

Hängende Steine Aber, erstmal zu Stonehenge... Wir sind ja am 21.6. hin, also am Tag der Sommer-Sonnenwende, wenn alle Kelten, Druiden und sonstiges Partyfolk nach Stonehenge fahren um dort den Sonnenaufgang zu erleben (wofür Stonehenge wirklich da war - abgesehen wohl irgendwann auch als Begräbnisstätte - und wie, wer, wie lange daran gebaut hat weiß man zwar nicht sicher, Fakt ist aber, dass die Sonne am Mittsommertag genau über einem bestimmten Stein aufgeht und in gerader Linie ganz besonders großartig ins Innere scheint). Wir waren aber spät genug da, um den Trubel zu umgehen und wieder auf's Gelände zu kommen. Tja, was soll man sagen...? Definitiv liegt Stonehenge völlig desillusionierend unspektakulär ziemlich nah an der Straße. Man muss nicht erst durch einen Wald hinpilgern und dabei den mystischen Spirit aufnehmen oder was auch immer... (Wär aber mal was; also, liebe Briten, pflanzt nen tolles Wäldchen um Eure mystischen Steine.) Und man darf nicht in den Steinkreis... Wir waren ja bereit Flair aufzunehmen... Alles in allem: "hmmm".   weiter

 

Bauklötze Nuja, aber das Legoland war natürlich toll! Schon klasse, wie detailverliebt die dort irgendwelche Szenen und Gebäude zusammen gebastelt haben. Da durften wir dann auch Shakespeare und Cricket erleben. Ach, da wär man am liebsten wieder klein und würd los bauen;-) Und auf dem Hinweg durften wir uns sogar Karneval in Windsor anschauen: Geschmacklich völlig verdrehte Einheimische haben sich für das Pferderennen in Ascot kostümiert. Sagen wir mal, die "Frauen" trugen recht extravagante Hüte;-) Die Fotos sind jetzt nur schnell aus dem Auto geknipst, aber schaut mal: ich wette einige Damen können keinen Meter weit sehen...

Frauenführung Sonntag hab ich meine Frau in den Richmond Park verschleppt. Dorthin, wo es die ganzen Rehe und Hirsche und diese großen Azaleen und seltsamen Gewächse gibt. Schön war's; vor allem, weil wir endlich mal gut Wetter hatten.

Alte Gemäuer Und gestern waren wir in Cambridge. Klar mussten wir als Naturwissenschaftler mal hin; dort hin, wo Watson und Crick der Welt bekannt gegeben haben, dass sie "Das Geheimnis des Lebens" entdeckt haben - die Doppelhelixstruktur unserer DNA - angeblich in einem Pub namens "The Eagle". Klar, wo auch sonst wenn nicht beim Bier trinken? ;-) Viele große Namen kann man nach Cambridge stecken und entsprechend gibt es auch viele alte Gebäude... Zersetzt allerdings durch moderneren, langweiligeren Stil, der mal wieder ne Menge Flair nimmt. Nuja, so isses halt... Jedenfalls hatte ich in Oxford eher den Eindruck an einem Ort voller Wissen zu sein. Viel hat uns in Cambridge also nicht gehalten. Vielleicht haben wir einfach zu viel "Erhabenheit" oder so was erwartet...





Nun ist Yvonne wieder zu Hause (diesmal ja mit dem Zug, was sie gar nicht so schlecht fand) und ich bereite mich auf meine letzten zehn Tage vor. Hier im Labor gibt es noch einiges abzuarbeiten. Aber, siehe da, mein Chef hat leider vergessen einen Antikörper für mich zu bestellen, so dass ich einige Experimente deswegen möglicherweise gar nicht mehr durchführen können werde. Ach ja... man hat's nicht leicht. Nun... kann ich jetzt auch nichts mehr dran ändern... ich finde nicht, dass mich das jetzt noch in irgendeiner Form belasten sollte. Außer vielleicht: gar nicht. Ich bin ja schon über 30... Und ich muss ja wohl langsam auch mal schauen, dass sich meine Lachfalten in meinem Gesicht manifestieren, woll?!

 

Wo wir gerade dabei sind: Darüber hab ich grad herzlich lachen müssen...

Jürgen von der Lippes "Meine Frau und ich" aus "So Bin Ich" juergenvonderlippe.de, sonybmg.de

                      

 

    19.6. Nackenstarre

GP Montag musste ich mich was trauen... Meine Wirbel spinnen ja öfter mal rum und verrenken sich lustig. Da hilft keine nichtsnützige "die renken sich bei Muskelentspannung wieder von selbst ein"-Medizin, sondern nur einrenken und/oder vorsichtiges Umeinanderschubsen durch nen Physiotherapeuten oder so... Wie auch immer...

Hier jedenfalls hat es mich vor einigen Wochen wieder ordentlich erwischt. Komplett verrenkt und nichts was ich hier selbst machen kann hat geholfen. Et war mittlerweile so weit, dass ich mich hier um irgendeine Behandlung kümmern wollte. Nun, man kann hier wohl privat zu irgendwelchen Osteopathen gehen. Wenn man die nicht kennt, gelangt man hier aber angeblich schnell an irgendwelche zwielichtigen Gestalten... Der offizielle Weg läuft hier in UK immer über seinen GP (General Practitioner), dem Allgemeinmediziner, bei dem man sich registriert hat und über den man teilweise Leistungen durch den NHS, dem National Health Service, bekommt. Oder so... Der jedenfalls kann einen überweisen wie in Deutschland auch. Man kann hier nicht direkt zu Spezialisten gehen.

Ich hab mich also getraut und hab Montag das Abenteuer GP gestartet. Nach 2-5 Minuten Vorgeschichteerzählen und dem obligatorischen Blutdruckmessen meinte er: "Hmmm... Was machen wir jetzt...? Was meinen Sie denn was ich mit ihnen machen kann?" Hat er mich ernsthaft gefragt... "Hmmm...", sag ich, "Gibt es hier sowas wie einen Chiropraktiker, einen Physiotherapeuten oder Osteopathen oder sowas?" "Ja, sowas gibt es. Ich kann Sie auch überweisen, aber Sie werden innerhalb der nächsten vier Wochen keinen Termin bekommen." "Tja, hmmm... Und jetzt?" "Ja, tut mir leid. Ich weiß, dass ich nicht wirklich hilfreich war." Soviel zum krank werden in Großbritannien (Große Pleite).

Alternativ war ich heute beim Friseur, Bryan, der Mann mit den heilenden Händen...;-) Bei seiner obligatorischen Kopfmassage hat er meinen Nacken-GAU "gespürt" und hat etwas mehr Zeit und some weird energy investiert. Großartig. Jetzt geht es mir doch tatsächlich etwas besser und deutlich entspannter. Er sagte, er hätte ein Bisschen Britisch aus meinem Kopf rausgenommen und ein Bisschen German zurückgetan - er meinte natürlich die Niederrheinische Frohnatur, kannte sie aber nicht;-) Ich hab also nicht nur nen Haarschnitt und den besten Kaffee Londons bekommen, sondern obendrein nen entspannten Hals...

 

German Cars Mir gegenüber arbeitet neuerdings ein Kerl, der sagte mir letztens, dass er Deutsche Autos lieben würde. Er hätte selbst einen 2005er BMW, einen M3 (!) und dann noch von Schnitzer getunt. Er würde aber nur mit seinem alten 1997er BMW fahren, da London ja so voll ist und er Angst hat sich ne Beule einzufangen. Eieiei. Poor Guy.

Und Hitoshi erzählte, dass in Japan kein Mensch ein Japanisches Auto haben will, sondern es als Statussymbol gilt ein Deutsches Auto zu fahren. Na, das lob ich mir doch...;-)

 

Hihi, das ja großartig: EM im englischen Fernsehen... Deutschland vs Portugal, 1:0: wonderfully played by Podolski and Ballack, and beautifully finished by the terrific movement of Schweinsteiger. What a brilliant team play. Germany at its best;-)

Wat? Nach 4 min Klose mit Kopfball zum 2:0! Excellent!

                      

 

    18.6. Nichtigkeiten und Nachgetragenes

Nichtigkeiten Gerade ist was großartiges passiert... Wir Laborbiologen sind ja immer ganz stolz auf unsere Eisboxen. Irgendwelche ausgelatschten Styroporboxen, die wir mit Eis füllen, um unsere Proben kalt zu halten. In der Regel hüten wir sie wie unsere Augäpfel und sie werden oft ganz ordentlich mit unseren Namen versehen, um jedwede Fremdbenutzung oder gar Diebstahl direkt zu erkennen. Ich hab natürlich eine Idealvorstellung von der perfekten Boxgröße: aus Platzgründen nicht zu groß, aber es müssen eine angemessene Anzahl Eppis (siehe unten) reinpassen. Ich war ja schon völlig überrascht, dass ich hier in London eine Icebox der korrekten Größe gefunden habe - war mir schon ein kleines Fest. Aber, ich muss noch etwas ausholen... Oft ist ein fester Bestandteil einer Eisbox ein Eppiständer, also ein Stück teures Plastik mit Löchern drin (wo unsere kleinen 1,5 ml Reaktionsgefäße reinpassen - die Eppis halt), welcher verhindert, dass unsere Eppis wild im Eis rumschwimmen (man weiß ja aus Erfahrung, dass Eis ab und zu zu Wasser wird und ich z. B. vermische mein Eis auch mit Wasser, damit ich eine gleichmäßigere Kühlung habe). In meinem alten Lab hatte ich natürlich die perfekte Kombination aus korrekt dimensionierter Eisbox, mit perfekt passendem Eppiständer, der auf der Unterseite auch so offen war, dass er bequem in neudeutsch gecrushtes Eis (haben wir dafür wirklich kein Wort?) gestellt werden konnte und die Eppis so auch wirklich vollständig gekühlt wurden. Von diesen Ständern gab es nur wenige, so dass sie heiß umkämpft waren und desöfteren heimlich gestohlen wurden. (So ist das Laborleben: andere klauen einem ständig die Sachen und halten sich nicht an die persönlichen Grenzen. Leute verwenden dreist fremde Pipetten, fremde Pipettenspitzen, fremde Lösungen. Seit vorgestern wurden mir hier zwei Filzschreiber aus meiner persönlichen Schublade geklaut. Ich hatte nur einen, aber man braucht auch mindestens einen, um nämlich seineEppis zu beschriften. Kindergärten sind ja international; Kleptomanie scheinbar auch. Wie auch immer...)

Hier ist natürlich alles anders. Hier gab es im Januar nur diese billigen Eppiständer, in die die Eppis nicht perfekt reinpassen (wo sie also ständig wackeln und sich drehen, so dass wirklich kein Mensch ordentlich damit arbeiten kann), die auch keine Gummifüße haben (wodurch diese "Ständer" nicht stehen sondern auf der Laborbank rutschen), wo der Abstand der Bohrungen für die Eppis zu klein ist (man kann benachbarte Reihen für vernünftiges Pipettieren gar nicht wirklich verwenden) die es dafür aber in zehn völlig unnötigen Farben gibt. Freiwillig würde ich die nur benutzen, um meine Proben im Kühlschrank oder im -20er zu lagern... Diese "Ständer" sind natürlich unten auch nicht offen, so dass im Eis keine Kühlung stattfinden würde. Ich hab mir dann zwei ordentliche Originalständer der FirmaEppendorf bestellt. Ansonsten wäre ich im Februar wohl wieder nach Hause gefahren;-) Auch wenn sie nicht Eiskompatibel sind, kann man mit denen wenigstens vernünftig arbeiten. Auf einen Eisboxständer hab ich also verzichtet, was natürlich auch bedeutet, dass ich mein Eis nicht mehr mit Wasser vermatsche... Wie auch immer. Wo war ich...? Ah ja... Heute. Heute ist mir was großartiges widerfahren: Ich öffnete den Schrank mit den Messzylindern, kramte nach einem 1 Liter Zylinder und traute meinen Augen nicht... Mitten im Zylinderchaos lag ein heiliger Eppiständer. Genau so einer, wie ich schon in meinem alten Lab für meine perfekte Eisbox auserkoren hatte. Wie der wohl hier hin gekommen ist... Wunschdenken? Telekinese? Ein Wunder...? Jedenfalls hab ich jetzt für wundervolle zwei Wochen meine perfekte Eisbox. Ist das Leben nicht schön?

Unwichtige Kleinigkeiten sind doch großartig. Ich verstehe überhaupt nicht, wie so vielen Menschen so vieles einfach völlig scheißegal sein kann...

Ultraschall Man muss im Labor ab und an Zellen mit Ultraschall beschallen, um ihre DNA zu scheren. In Deutschland muss so ein Ultraschallgerät in einem gesonderten Raum sein, der manchmal sogar abgeschlossen wird, wenn jemand das Gerät benutzt. Zumindest muss jeder adäquaten Gehörschutz verwenden, der sich in dem Raum befindet. Wenn man das einmal gehört hat, dann will man aber auch einen Gehörschutz verwenden. Hier steht das Gerät in einem Raum in dem ständig jemand rein kommt und kein Mensch schert sich drum. Immer, wenn ich gerade anfangen wollte das Gerät zu benutzen und bereits jemand im Raum war, habe ich der Person einen Gehörschutz angeboten (bin ja vom Deutschen Arbeitsschutz geimpft ). Noch keiner von dem halben Dutzend hat ihn angenommen. Komischer Haufen... Vielleicht kann man das Geräusch durch Nase hochziehen kompensieren?

Nachgetragen Ja, sowas. Ingolf hat mich daran erinnert, dass ich einige brisante Einzelheiten seines Besuches hier sträflichst vernachlässigt habe. Das stimmt allerdings, weswegen ich das hier gerne nachtragen will. Also, here we go...

Wie war das doch gleich...? An dem besagten Freitag hab ich Ingolf morgens erstmal eingesammelt, so dass er seinen Koffer bei mir parken konnte und bin dann ins Labor gegangen. Ingolf hat derweil die seltene Inselsonne genossen, sich lecker im Hyde Park unter einen Baum gesetzt und erstmal ne Runde geknackt – Einstand in den Genussvollen Tag; das lob ich mir;-) Wir haben uns dann für nachmittags an der Portobello Road verabredet; er war in der Nähe vom Marble Arch, von wo die 7 zur Portobello Road fährt – normalerweise – per Handy hatten wir natürlich Kontakt, wir leben ja nicht mehr in den 80ern (wie ging sowas eigentlich ohne Handy, damals...?). Tja, Ingolf tauchte nicht auf, weswegen ich uns schon mal einen Kaffee organisiert habe (Starbucks ist ja ne echte Seuche hier. Hier am Notting Hill Gate z. B. gibt es drei Sternenhasen die jeweils zwei- bis drei Minuten voneinander entfernt sind) und mich an der Bushaltestelle auf eine Treppe gesetzt habe. Als mein Kaffee dann leer und Ingolfs kalt war, hab ich ihn mal wieder angerufen (Ingolf mag sowas ja überhaupt nicht – schönen Gruß an seine Verena;-) "Hömma!" "Ja?" "Was da los?" "Ja ne, hier is keine 7." "Soll die denn an dieser Haltestelle auch wirklich halten?" "Jupp. Ich wart wohl noch ein Bisschen."   weiter

Nachdem Ingolf aus diversen ankommenden 7ern nicht ausgestiegen ist, hab ich irgendwann in der Ferne eine Gestalt eindeutig als Ingolf identifizieren können (hat man ganz gut an der großen, grauen Wolke mit Blitzen drin über seinem Kopf erkennen können). "Ja ne... Dann kam endlich eine 7. Und plötzlich tauchte vor uns noch eine 7 auf – die muss ganz woanders hergekommen sein - und ich war mir schon nicht mehr sicher, ob ich überhaupt im richtigen Bus bin. Und dann frag ich den Busfahrer: 'Hömma! Wo is denn die Portobello Road?' Und er sacht 'Nächster Stop.' Ja, da hab ich natürlich 'gedrückt'. Wat macht der? Der hält abrupt an. Na, da bin ich natürlich ausgestiegen. Offensichtlich zu früh, der Arsch!"

Jaja, so sind die Busfahrer hier... Immer gleichgültig und desinteressiert, wenn man sie überhaupt versteht. Ich fragte einen mal nach ner Haltestelle. Sagt er: "Ja. Hab ich schon mal wo gelesen." Hallo? Das ist seine fucking tour die er da fährt. Ich hab die Fahrt dann auf nem Stadtplan mit verfolgt... Oder, wenn eine Haltestelle mal durch zwei, drei andere Busse blockiert wird, glauben die meisten Busfahrer hier, dass sie ohne zu halten heimlich an den Bussen vorbei fahren könnten (jedenfalls, wenn kein Fahrgast gedrückt hat). Manche gucken nicht mal in Richtung Bushaltestelle. Klar, ist ja voller Busse... Wie oft ich hier schon direkt vor die Busse gesprungen bin... die Sackgesichter! Kleine Pisser! Das geht echt auf den Sack, wenn man zur Arbeit will und schon ne viertel Stunde wartet... Ach, und ich bin mir ja echt nicht mehr sicher, vor allem, da ich ja zu Hause nicht gerade der ÖPNV-Experte bin (ich liebe mein Auto): Werden deutsche Busse von innen auch nicht geputzt? Hier sind alle Fenster und Haltestangen immer völlig fettverschmiert - disgusting. Der Boden wird höchstens ab und zu mal vorsichtig und möglichst oberflächlich durchgefegt. Oder vielleicht gesaugt, wobei das Ergebnis eher an diese Düsseldorfer Laubbläser erinnert, die einige Stadtangestellte ja dazu verwenden Laub von einem Haufen auf den nächsten zu blasen - selten dämlich nicht nur mit Wind...;-)

Ich bin abgeschweift. Ingolf war also ein Opfer. Ein Opfer der Londoner Busfahrerheadcrabzombies (die schicken "Kopfkrabben" aus dem Spiel Half-Life 2, wenn Menschen von Headcrabs befallen werden, werden sie zu Zombies – is klar, ne? Gibt's auch als Plüschhut;-) Na, zumindest hatten wir so richtig angenehmen Bierdurst. Von dem hab ich ja schon das ein oder andere berichtet... Ach, da war noch der späte Abend, nach dem Billardspiel mit Chris und Bob. Mein Dönermann um die Ecke hatte noch auf und wir sind ja fleischsüchtig, also los. Ingolf hat draußen gewartet, denn Raucher müssen hier ja überall draußen bleiben. Aber das hilft ja Freunde zu finden und so wurde Ingolf wunderbar von irgendeinem Typen aus Polen zugetextet (nein, ich weiß den Namen nicht mehr – war ja spät... alespät). Ich weiß nur noch, dass er mir erstmal gesagt hat, dass er meinem Freund nichts will – keine Ahnung, ob ich meinen besonders grimmigen Schlägerblick aufgezogen hab (pruust;-) Ansonsten war der nicht sehr lustig. Wir haben uns noch kurz mit ihm unterhalten und sind dann los, um den Döner nicht ganz kalt zu essen. Es gab Chicken Shish (frisch gegrillter Hühnchenspieß) und irgendeinen Köfte-Spieß aus Gehacktem. Alles auf Brot mit Knoblauch- und Chilisauce sowie lecker Humus. Den Salat datte der Blödmann vergessen, so dass wir im Endeffekt Fleisch mit Fleisch hatten. Ich wusst ja worauf ich mich einlass, aber Ingolf hat das gehasst wie die Pest. Ich denke, da war irgendein Gewürz in dem Köfte-Spieß (nuja, nach nem Haufen Bier kann man Nahrung ja schon mal eklig finden;-). Ich soll jetzt nichts darüber sagen, dass ich morgens früh davon wach geworden bin, dass irgendwer in der Wohnung umherwuselte, nen Haufen Milch und Saft getrunken hat und sich anschließend irgendwas heftigst hat durch den Kopf gehen lassen als er den Geruch des übrig gebliebenen Döners in die Nase bekommen hat - nuja, war halt denkwürdig, dat geht nur mit dem Kopp;-) Jaja, die Organe werden alt und schwach...

Und so hielten unsere Großhirne und Mägen am Samstag ja Zwiesprache. Wir haben uns nur gaaanz vorsichtig in die Stadt begeben. Das Fernziel war ein riesiges 16 Unzen Steak und lecker Würstchen. Klar, wenn Ingolf und ich schon mal unsere gestählten Körper durch die Gegend bewegen, da wird an Essen gedacht. Aber, dat war nicht einfach... Wir hatten wirklich gar keinen Hunger. Steak und Würstchen? Bäh. Ne, da hat grad mal nen Big Mac gepasst (klar, war ja mit Ingolf unterwegs...;-). Mehr ging wirklich nicht... Da wir ja unerwarteter weise keinen Hunger und auch noch kein Bierdurst hatten, mussten wir den angepeilten Pub natürlich spontan zeitlich verschieben und wir haben in nem riesigen Spielzeugladen nach nem britischen Polizeiwagen geschaut. Einer, der auch tatsächlich britische Töne von sich gibt; nicht Tatütata, sondern dieses furchtbare Geräusch, was man nicht artikulieren kann. Gab's nicht. Dafür hätte ich mir aber furchtbar gerne eine ferngesteuerte Libelle gekauft und hätte damit Jagd auf Ingolfs Hubschrauber gemacht. Hach, wat war dat schön Kind zu sein (Jaaa Klischeemädels! Es gab dort auch riesige Puppenhäuser;-). Ich freu mich schon darauf endlich auch ein Kind zu haben. Egal ob Mädel oder Jung, et kricht ne Carrera-Bahn, nen Haufen Lego, nen Chemiebaukasten, klitzig kleines Werkzeug für eventuelle Puppengliedmaßen und ne ferngesteuerte Libelle. Ach ja... Na, statt nem Polizeiwagen haben Moritz und Emily dann ein paar Miniblumentöpfe bekommen, aus denen, wenn sie sich auch hübsch brav darum kümmern, bald wunderbare Sonnenblumen sprießen werden;-)

Ich glaub, jetzt hab ich aber alles... Spass hatten wir.

                      

 

    17.6. Wochenenden allein

Abrocken im Purple Turtle Leute, das werd ich echt vermissen... Man, war das ne nette Abrockerei am Freitag. Auch wenn ich alleine in den Electric Dreams Club musste (ich bin da ja nicht so...). Richtig nettes Achtzigerzeug haben die gespielt (zumindest größtenteils, hier die Setlist), schicke "Indie"-Sachen, wenn dann nur schöne Popsongs, alles unheimlich freundlich dort. Nicht nur die Musik, auch die Stimmung und die Leute. Die können die Lieder hier ja alle mitsingen - ist ja deren Muttersprache - und das machen die auch... Alle freuen sich über die schönen Songs und jeder bewegt sich einfach irgendwie zur Musik. Sehr ausgelassen und total undeutsch, wenn man mal an den meist sehr stilvollen, oft "geordneten" Tanzstil in Deutschen "Schwatten-Diskos" denkt (da wo farblos gekleidete Menschen zu so called Independent und Wave und so'n Zeug abrocken). Hihi und Electric Dreams haben die sogar gespielt. Zum einen hat der Club vermutlich daher seinen Namen, zum anderen, der aufmerksame Leser wird sich erinnern ;-) war da ja damals ein Film, den ich hier auch schon mal erwähnt habe. Ein absolut friedlicher Popsong – Nicole hätte es nicht besser rüberbringen können und viele Leute mussten einfach freundlich lächeln und tanzen... Abgedreht, aber schön... We'll always be together. Together in electric dreams... lalü, lala...

Gefällt mir sehr dort... Nun, war ja leider das letzte Mal für mich... Dafür hab ich von den netten Londonern für mein letztes Lied dort richtig Platz zum Abrocken bekommen: Auf Soft Cells "Girl With The Patent Leather Face" konnte ich richtig Meter machen (Gruß an Jo und an den Deutschen "Schwatten-Disko-Tanzstil";-) - ich mag den Song sehr; hat Spass gemacht.

Richmond Park Sonntag hab ich mich mal wieder in den Richmond Park begeben, der größte Park hier, in dem auch Wild frei umeinander läuft... Weitläufige Wiesen, Farnfelder und kleine Wälder bestimmen das Bild. Diesmal hab ich mich auch dem westlichen Teil gewidmet, den ich beim letzten Mal ausgelassen habe. Im Südwesten gibt es eine kleine separat umzäunte Anlage namens Isabella Plantation, mit sehr vielen und teils großen, zurzeit in voller Blüte stehenden Azaleen und Rhododendren. Todschick. Dazu noch nen Haufen ungewöhnlicher Pflanzen und alter Bäume (diese Anlage besteht wohl schon seit rund 1830) - da wünschte man sich doch glatt man sei Botaniker geworden und würde dat ganze Zeuch erkennen;-)   weiter

Aber, zum Glück hab ich ja wieder nen haufen Bilder gemacht. Also, wenn mir irgendwer sagen kann, was diese seltsamen, riesigen, über 2 m hohen Gewächse sein sollen... Ich hab irgendwie den Eindruck, als ob ich sowas schonmalviel kleiner in irgendwelchen Gemüsegärten gesehen habe (Nein, ich bin kein Gummistiefelbiologe. Und ja, ich schäme mich ein Bisschen;-).

Und nochwas tolles hab ich entdeckt. Ich weiß ja gar nicht, wie mir das entgehen konnte... Im Nordwesten gibt es einen kleinen Hügel, den King Henry VIII's Mound. Und von dort aus, hat man nicht nur eine weite Aussicht auf das westliche London, sondern vor allem gibt es dort einen der berühmten ungestörten Blicke auf die Saint Paul's Kathedrale (mein kleines Fotoapparatchen musste aber ganz schön ackern, um die 10 Meilen zu überbrücken - brav hat's er gemacht...). Das sieht dann ähnlich aus wie in Rom, wo es doch irgendwo irgendein berühmtes Schlüsselloch gibt durch das man den Petersdom genau sehen kann (weiß irgendwer Genaueres? Doris!). Scheinbar gibt es acht von diesen Ausblicken (was übrigens "Vista" heißt) in ganz London und man achtet hier sogar darauf keine Gebäude in den Weg zu stellen. Ja, ja... was es nicht alles gibt...

Kettle Ach, Ende letzter Woche musste ich mir doch glatt einen neuen Wasserkocher kaufen (ohne krieg ich ja morgens keinen Kaffee). Meiner war nämlich aus irgendeinem Grund über Nacht die ganze Zeit lang an. Ich wurde nachts sogar von unbekannten Klickgeräuschen wach. Aber, da es hier die unmöglichsten Geräusche vom Boiler, dem Kühlschrank oder den Leitungen gibt, dacht ich nur "oh toll, was das jetzt schon wieder...?", und hab weiter geschlafen. Das man den überhaupt ausversehen anschalten konnte... Und dass der dann auch noch angeblieben ist... Großes Sicherheitskino. Na, jedenfalls waren die Heizstäbe ordentlich verkokelt. Ich hab ihn dann 20 Mal ausgespült, um den ganzen angekokelten, löslichen Mist loszuwerden und hab mich an meinen Frühstückskaffee getraut. ... Irgendwie schien meine Zunge anzuschwellen. Das war mir dann doch etwas suspekt; dat war ja wohl nichts. Im Supermarkt hab ich mir dann einen neuen gekauft. Für £4.60 genauso großen Schrott - für drei Wochen neu und sauber.

17 Tage hab ich noch vor mir. Langsam wird es zum einen immer blöder, dass ich hier langsam zum Ende kommen muss (Laborarbeit hat ja nie ein Ende... und zu meinen Experimenten werden sicher noch ein paar begleitende Experimente offen bleiben) und zum anderen natürlich, dass ich zu Hause immer noch keinen neuen Job habe.

Donnerstag kommt endlich mal wieder meine Yvonne – wird auch Zeit. Diesmal kommt sie mit dem Zug, da alle Flüge plötzlich schweineteuer sind (Schulferien fangen langsam an, oder?). Ist gar nicht so schlecht: Für 140€ hin und zurück (Günstiger gebucht übrigens über die französische SNCF; das Internet ist toll. ... Ach, hin und zurück heißt hier übrigens völlig verwirrenderweise nur "return". Das geht am Ticketschalter dann so: "One way or return?" "Häh? Pardon?" "One way or return?" "Erst hin, dann return. Is klar, oder?") ...soll's 5,5 Stunden dauern – vom Kölner Hauptbahnhof mit dem Thalys nach Brüssel und mit dem Eurostar unterm Meer durch bis nach London St. Pancras, also quasi mitten in die City. Das kann mit einigen Billigfliegern genauso viel kosten und genauso lange dauern, bedenkt man Transfer zu den Flughäfen mit.

Ich hab auf jeden Fall schon leckren Wein gekauft und hab eigentlich noch zwei Urlaubstage. Auch wenn das Andy sicher nicht so freuen wird... Ob ich mit einem Tag mehr im Labor den Spass am Leben innerhalb eines Tages meiner letzten Londonwochen aufwiegeln kann...? (Kann hier grad mal irgendwer meine Genitive aufräumen? Zweifellos wisst Ihr ja was ich meine;-) Na, mal sehen, wie's mit den Experimenten so steht...

Irgendwann sind wir alle krum. Dann müssen wir uns nicht mehr grade biegen.

                      

 

    11.6. Laboralltag

Stock heißt Vorrat Hihi, heut find ich hier alles nur noch lustig (nein, ich denke, das hat nichts mit Wahnsinn zu tun;-)...

Gestern mussten unsere menschlichen Zellen alle in einen anderen Inkubator umziehen, da sie in einer 5%igen CO2-Atmosphäre wachsen (aus Gründen der pH-Pufferung des Nährmediums), unsere beiden CO2-Flaschen aber beide leer waren. Eigentlich haben wir ja zwei Gasflaschen, damit immer eine volle vorhanden ist (denn, wenn Zellen sterben sind meistens mehrere Wochen Arbeit für'en Arsch). Leider hat irgendwer versäumt früh genug eine neue zu bestellen. Lustigerweise wusste aber nicht mal Andy, dass wir selbst dafür verantwortlich sind. Die mussten die Flaschen noch nie wechseln- hängt ja nur ein einziger Inkubator dran. So ein Chaotenlab... Nun ja, aber et is ja nomma jut jegangen.

Heut morgen bin ich ins Labor und hab als erstes meine Proben für die DNA-Sequenzierung fertig gemacht (sowas gibt man in einem benachbarten Service-Labor in Auftrag). Ach wat hab ich mich gefreut, denn wir haben gestern Abend endlich neue Handschuhe bekommen (ich hatte vor rund drei Wochen Bescheid gegeben, dass wir neue brauchen; letzte Woche wurden sie dann bestellt). Ich hatte jetzt knappe zwei Wochen lang zu kleine Handschuhe tragen müssen, bis diese vorgestern auch ausgegangen sind. Wenn ich sie überhaupt mal anbekommen habe, dann meistens nicht vollständig, viele sind gerissen, aber die Blutzufuhr in den Händen hat noch einigermaßen geklappt... Meistens;-) Jetzt hat Andy scheinbar wieder mal die Handschuhfirma gewechselt.
Das sind jetzt meine dritten hier. Ich denke, weil er immer auf der Suche nach etwas Billigerem ist. Aus "Sicherheitsgründen" müssen wir hier nämlich immer Nitrilhandschuhe tragen. Ich würd auch die billigeren Latexhandschuhe benutzen, so viele, wie wir hier täglich davon brauchen... Man muss ja hier bei jedem Raumwechsel die Handschuhe ausziehen und wir rennen ständig hin und her... Allergiker könnten ja immer noch auf Nitrilhandschuhe ausweichen, denk ich. Aber, so funktioniert das hier nicht...
Nunja, jedenfalls sind die neuen etwas enger und scheinen dicker und unflexibel (reißen schon beim Anziehen öfter). Etwas ungemütlich. Na, ich wollte ja meine Sequenzierungsreaktionen zusammen pipettieren. Wir hatten allerdings keine Eppis mehr, unsere 1,5 ml Reaktionsgefäße, von denen wir dutzende pro Tag brauchen (die Firma Eppendorf selbst hat gerade eine freundliche Seite für die Eppis aufgezogen;-). Über die weiß ich, dass Arsen vor etwa zwei Wochen die Neubestellung in Auftrag gegeben hat. Grad vorhin hat Andy (hoffentlich) welche bestellt. Unsere Nachbargruppe hatte aber noch welche, so dass ich mir von denen acht Stück leihen konnte (Sogar echte Eppendorf Eppis. Großartig!). Als ich so fröhlich meine DNA mit ein bisschen Primer und Tris-Puffer in den heiligen Tubes vermischt habe, viel mir ein neuer Geruch im Labor auf. Kein Lösungsmittel- oder verfaulte Eier-Geruch (woran man ja schon gewöhnt ist), eher irgendwie leicht süß, ein bisschen chemisch und trotzdem fruchtig... Die Handschuhe waren's. Unsere neuen, quietschblauen Nitrilhandschuhe riechen total auffällig nach Marzipan, wie unser olfaktorisch hochbegabter Masterstudent herausgefunden hat. Sowas hab ich ja noch nie erlebt... Ich hab mich kringelig gelacht... Das nenn ich mal britischen Humor;-) Komische Insel...    weiter

Keiner hier im Labor hat noch Proteinmarker übrig, ich hab fast keinen GFP-Antikörper mehr, ich hab keine 175 cm2 Zellkulturflaschen mehr und nicht genug Kleinere (wenn ich Schalen statt Flaschen benutze kann ich meine mitotischen Zellen nicht mit Schmackes abschlagen)... you name it... In anderen Laboren wird von Verbrauchmaterialien grundsätzlich mehr als ein Karton bestellt, so dass man neu bestellt, sobald man das letzte anfängt. Hier fängt man immer das letzte an und muss mit der Bestellung trotzdem warten - wenn dann überhaupt bestellt wird. Es ist zum Heulen...

Immerhin darf ich nächste Woche wieder in dem völlig verschimmelten Kühlraum arbeiten. Da freuen sich meine Stirnhöhlen schon unheimlich drauf... Gibt ma wieder lecker Köppings für lau... Nuja, Aspirin gibt's ja hier im Supermarkt...

Bushaltestellen Ich hab keinen blassen Schimmer warum, aber vor der Klinik haben die doch glatt die Bushaltestelle für die 70 um rund 150 m verlegt. Alle anderen Busse halten noch an der alten Haltestelle. Zum Glück betrifft das nur den Weg zur Klinik. Auf der anderen Seite ist noch alles beim Alten; die 70 und die 7 (beide kann ich nehmen), halten noch an derselben Haltestelle, wenn ich nach Hause will (wo wir gerade dabei sind: ich will nach Hause. Noch 24 Tage). Falls ich morgens nämlich etwas mehr Abwechslung und mehr Busauswahl haben möchte, dann lauf ich ein paar Minuten zur nächsten Querstraße, wo sowohl die 70 als auch zwei weitere alternative Linien halten. Blöderweise sind deren Haltestellen ne ganze Ecke voneinander entfernt (bestimmt 200 m), so dass ich mich immer schön in die Mitte stellen darf, um dann in die ein oder andere Richtung loszusprinten, sobald ein passender Bus kommt. Schön blöd also. Das die auch immer soviel Platz lassen müssen... Wie oft stand ich hier schon an irgendwelchen Bushaltestellen und irgendein Bus hat gar nicht dort gehalten, sondern an ominösen Haltestellen um die Ecke oder ein paar Inselmeter weiter... Das ist hier immer so. Ein Haltestellenname, zig Haltestellen. Bis man das mal raus hat... Hier hängen an allen großen Haltestellen Auszüge relevanter Straßenkarten, auf denen die ganzen "Subhaltestellen" eingezeichnet sind so sieht das aus. Ist ja auch viel lustiger als nur eine Haltestelle zu bedienen. Nun ja, wenn viele Busse gleichzeitig ankommen macht das ja Sinn, aber mehrere hundert Meter Abstand auf graden Straßen ist wieder sinnlos und damit Schikane. Aber, wie war der Wahlspruch hier...? "Funktioniert ja auch so. Warum perfektionieren?"

 

Das Wochenende muss ich wohl doch leider alleine verbringen. Jochen hat absagen müssen, da es seiner Mutter sehr schlecht geht. Menschsein ist nicht immer schön.
Alles Gute aus dem Vereinigten Königreich!

                      

 

    9.6. Montag. Noch Drei Wochenenden

to snuffle Wat is denn hier und heute schon wieder los? Heute morgen an der Bushaltestelle haben sich schon drei Frauen ständig die Nase hochgezogen, im Bus eine und im Labor auch zwei Mädels. Das ist ja wohl furchtbar. Bei Frauen ja wohl noch viel furchtbarer, oder? Groß gestyled, in Schale, nice looking und man hört the beautiful Rotz. Kommen die denn nicht auf die Idee, dass das hochgradig abtörnend ist? Oder findet das irgendwer erotisch? "Hallooo!" Schniiieeef "Isch find Disch so schööön heut!" Schniiieeef "Willste ne Runde Schniiieeefff..." Rotze rockt nicht!

Wochenend und Sonnenschein "Leber an Großhirn! Leber an Großhirn! Wo bleibt der Alkohol, ich krieg ja überhaupt nichts mehr zu tun hier!" Das Problem hatten unsere Leberkollegen am Freitag sicher nicht. Eieiei, wat war dat schön;-) Ich konnte Freitag ein bisschen eher Feierabend machen und so hatte ich genug Zeit Ingolf in die Geheimnisse des Ale-trinkens einzuweihen. Ingolf fand dat so lecker, dat wir demnächst ne Ale-Party veranstalten werden, wenn ich wieder zu Hause bin: Mittwochs nen Kasten Diebels kaufen, neben die Heizung stellen, alle Flaschen aufmachen und samstachs geht's los! Da freu ich mich aber schon drauf...

Wir wollten Freitag ja eigentlich auch zu nem Boss Hoss Konzert. Laut Band-website sollte der Eintritt frei sein. Als wir dann dort ankamen, hätten wir doch Karten gebraucht und haben natürlich vor Ort keine gekriegt - schön blöd.

Nuja, wir sind da ja nicht so, haben uns einfach in den nächsten Pub gepflanzt und Pool Billard gespielt. Gegen und im gemischten Doppel mit Chris und Bob. Nicht für Geld, nur für Spass. Boar war dat lustig mit den Einheimischen! ;-)

"Ihr seid doch bestimmt sowas wie fucking Danish!" "Neee, aber nah dran." Lustige Typen waren das: Bob hatte ein Popeye Tattoo auf dem Oberarm unter dem "Grandpa" stand. Sein Großvater hat ihm nämlich das Billardspielen beigebracht. Chris war eigentlich unauffällig normallustig. Ach, später kam noch ein Andy dazu. Der meinte Ingolf irgendwann ein "Sieg Heil!" zurufen zu müssen, meinte es aber nicht wirklich böse und sah auch nicht so aus - war also schon etwas... "komisch" nenn ich das mal... War hier immerhin erst mein erster Zusammenstoß mit der Deutschen Geschichte.

Nuja, trotz dessen haben wir viel zu lachen gehabt. Samstag haben unsere Großhirne permanent Selbstgespräche geführt... "Was ist denn da los? Ich krieg ja überhaupt nichts mit!" Obwohl... Da gab es, glaube ich, ein paar Auseinandersetzungen mit unseren Mägen... Aber, dat kann uns ja auch nicht besonders lange ärgern...;-) Alles in allem war es ein sehr lustiges und gemütliches Wochenende, mit Sonnenbrandabschluss im Hyde Park.
Wat will man mehr...

                      

 

    5.6. Endgültig

Impressionen Hier erstmal ein paar wunderschöne Impressionen von der morgendlichen Bushaltestelle, der Ladbroke Grove...


 

Heimflug So, es ist vollbracht. Gerade habe ich meinen Heimflug gebucht. Am 5. Juli geht's zurück nach Haus. Dahin, wo das schöne Leben wohnt und man sich auf Sachen verlassen kann. Meine Wohnung ist schon gekündigt... Abschlussbesichtigung, Kautionsrückerstattung und Schlüsselübergabe sind für den 3. geplant. Jetzt muss ich noch die Rückerstattung meiner im Voraus bezahlten TV-Lizenz beantragen, meiner Bank Bescheid sagen, dass sie mir keine Auszüge mehr zu den Linden Gardens schickt und Andy mit einem Abschlusszeugnis ärgern (die sind ja hier sowas ja gar nicht gewohnt, denn hier sehen die Arbeitnehmer ihre Zeugnisse nicht, sondern Arbeitgeber werden ausschließlich von den neuen Arbeitgebern kontaktiert).

Mittagspausen Hey, ich hab grad nach Feierabend mal ein Video von meinem Mittagspausenweg zu einem unserer Stammimbisse gedreht: Kalinka, der ehemalige Portugiese in Türkischer Hand mit Irakischem Koch und Osteuropäischer Bedienung. Damit Ihr mal seht, in welch schöner Gegend ich hier arbeite. Ich hab mich extra beeilt, um Euch schick was vorzuwackeln und den Weg in eine viertel Stunde zu quetschen;-) Ist natürlich nicht modemkompatibel, Sorry.   weiter

Kriegsdienstverweigerer Bevor ich's schon wieder vergesse... Zu Haus gibt's doch sicherlich immer noch hin und wieder diese Killerspieldebatten... Beeinflussbare Mitmenschen könnten ja durch Spiele wie Counter Strike, wo man andere Spieler im Team jagt und tötet unberechenbare Probleme mit der Gesellschaftsfähigkeit ihrer Moralvorstellungen bekommen. {Man ist ja nicht wirklich tot: man darf sich im wirklichen Leben ja immer noch furchtbar über den Tot ärgern, auf einer LAN-Party den Gegner beschimpfen und mit einer Flasche Bier bewerfen, oder ein Stück Pizza essen bis die Runde vorbei ist und man plötzlich wieder lebendig ist. Außerdem ist totsein hochgradig lustig: "Du Pimmel! Gleich krieg ich Dich!" Und, da man die anderen Spieler auf seinem Monitor beobachten kann... "Ey Du Camper! Schon wieder mit nem Zelt unterwegs?" (Damit man's beim in der Ecke rumstehen und auf Ziele warten auch schön gemütlich hat.) ... "Nicht da lang! Die Bombe ist dort lang! ... Enter! (zum entschärfen) Enter! ... Gedrückt halten! Arrrggghhh! ...'Terrorists Win' ...Ihr Pimmel!"} Killerspiele sollen beeinflussbare Jugendliche geil auf Gewalt machen. Man geht ja scheinbar davon aus, dass diese Individuen vorher herzlich liebenswürdige Menschen waren. Is klar...Ich gehe davon aus, dass meistens schon deren Eltern ordentlich einen an der Latte hatten. Ob die auch CS gespielt haben? Jedenfalls werden diese vollgedübelten Latten doch hundertpro vererbt. Jaja, die Schwelle zur Gewaltbereitschaft verschwimmt durch Killerspiele... Trotzdem liegt bei Jugendlichen die Verantwortung bei den Eltern. {Rauchen während der Schwangerschaft soll ja schon den Fötus schädigen (Passivvollquarzen von Kindergartenkindern ist sicher unbedenklich). Was passiert dann erst beim Vorleben von akkupunkturunempfindlichem Vollpansentum in der Kindheit...? ... OK, das ist ja völlig bescheuert... Lassen wir das.}

Jedenfalls gibt es hier ein viel besseres Forum für Amokläufer in spe. Schaut mal, was man hier in der Werbung beim Frühstücksfernsehen aufgetischt bekommt: Die britische Army wirbt in Kurzfilmen mit den ganzen "coolen" Dingen die man als Soldat so machen kann, wie z.B. als Scharfschütze echte Menschen töten (im Werbefilm beim Frühstück zeigen die das Zielfernrohr aus der Egoperspektive, was jedem CS-Spieler ziemlich bekannt vorkommen dürfte), mit nem Playstation-Gamepad nen Miniaufklärungsflugzeug steuern, Häuser stürmen und Gegner "festnehmen" ... Vier Filme gibt's, der erste ist laaangweilig - davon würd ich nicht mal die Demo runterladen;-) armyjobs.mod.uk

Na, da braucht man doch Gewaltbereitschaft. Wie soll denn das ohne gehen? Und ein bisschen virtuelle Übung kann da ja auch nicht schaden. Man lässt Piloten ja auch nicht so einfach ohne Flugsimulator abheben... Vielleicht sollte die Bundeswehr auch so rekrutieren. Das stell ich mir in Deutschland ja hochgradig lustig vor...
Ach, wie schön es bei uns doch ist...

 

Take care of your back

                      

 

    2.6. Kaledonien

Ach jo... Und schon bin ich wieder ohne Frau Five weeks left
Das alte Leid Ich versteh wirklich immer noch überhaupt nicht, wieso es einige Menschen vorziehen einen beträchtlichen Naseninhalt den ganzen langen Tag über in ihre Stirnhöhlen zu ziehen, statt sich einfach mal die Nase zu putzen. Das stört doch beim Atmen... Wieso sollten kranke Menschen sonst auf Nasenspray stehen? Es geht hier wirklich nicht um ein sanftes Schniefen. Es hört sich eher so an, wie wenn man mit einem Strohhalm den letzten Rest eines Milchshakes aus einem Glas schlürft. Eines Bananenmilchshakes. Mit Stücken drin. Alte Pottsau verdammt nochmal! So ein ekelhaftes Büro Five weeks left

Highlands Das war echt mal ein netter Trip nach Schottland - wenn auch schweine anstrengend und ganz schön nass. Yvonne hat festgestellt, dass sie wohl Schottin sein muss: sie mag die Highlands, steht auf die Tartanmuster (diese Schottenkaros), liebt Haggis (und zwar jeden Tag;-), mag die schottischen Ales und dort oben sogar echtes britisches Frühstück, nur am Single Malt hapert es noch (der Lagavulin den wir probiert haben war ziemlich rauchig...). Sehr nette, viel herzlichere Menschen dort oben.. Auch die Dame bei der wir gewohnt haben. Cath hat wirklich für jeden Gast (wir waren 8-10) ein individuelles Frühstück zubereitet und wehe jemand wollte kein warmes Frühstück. Ein wirklich schickes Häuschen haben die sich dort hingestellt. Sehr geschmackvoll und gemütlich. Da will man gar nicht mehr weg...

Wir wussten übrigens gar nicht, dass das Gälisch dort so verbreitet ist, dass alle Schilder und viele Namen sowohl auf Englisch als auch auf Gälisch zu lesen sind. Echte Zungenbrecher...

Abends angekommen, hatten wir zwei volle Tage dort oben in den Highlands. Am ersten hat es schon morgens gefisselt, weswegen wir von unserer angedachten Tour auf den Ben Nevis mal abgesehen haben und uns dem eher einfachen Weg durch das wunderschöne Glen Nevis Tal gewidmet haben. Auf dem Weg dorthin haben wir kurz vorm ersten totalen Wolkenbruch zum Glück halt in einem Café gemacht, so dass wir nochmal trockenen Fußes davon gekommen sind und lecker abgedrehten Kakao mit Marshmallows trinken konnten. Die Wolken hingen danach allerdings bis zur Baumkronen­grenze, also zwei, drei Meter, was weiß denn ich wie viel Fuß über uns, so dass wir uns aus Gründen der Weitsicht dafür entschieden haben lieber umzukehren. Wir haben erst einen Teil des berühmten West Highland Weges genommen (an der Stelle furchtbar langweilig ausgebaut; kann man auch mit nem Rollator lang) und sind dann auf einem Höhenweg am Cowhill nach Fort William zurück gegangen. Immerhin knappe 200 Höhenmeter, schicke, wenn auch diesige Aussicht und wir haben die Chance genutzt doch noch richtig nass zu werden (wär ja auch was... Schottland ohne nassen Arsch). Wir wussten so immerhin, dass unsere vermeintlich wasserabweisend bis -dichten Jacken weniger abweisend und dicht waren als wir geglaubt hatten und konnten uns so zum Aufwärmen sehr ausgiebig diversen schottischen Schweinereien und dunklen Ales widmen.

Der höchste Punkt der Insel Als Cath uns am nächsten Morgen empfohlen hat den Ben Nevis zu besteigen, obwohl es draußen furchtbar grau und nass war, waren wir, als "alte Alpinisten" (;-) ja doch etwas skeptisch (da geht man doch nicht auffen Berg...). Der Wetterbericht hätte zum Nachmittag einen Rückzug der Wolken auf 1200 m vorausgesagt. Gut, als Einheimische wird's sie's ja wissen, dachten wir und haben uns mal vorsichtig zum Visitor Center am Fuße des höchsten Berges der Insel aufgemacht (bevor man noch was verpasst). Wir waren definitiv nicht allein, was die Sache schon etwas weniger abschreckend gemacht hat und so starteten wir unseren Anstieg. Von knapp Normal Null übrigens auf 1344 m. 16 km sollen es hin und zurück sein. Das Wetter war eigentlich klasse, denn ohne Sonne auffem Pelz läuft man so einen Berg doch deutlich entspannter hoch. Eine tolle Landschaft darf man genießen. Zumindest am Anfang, denn nach rund 2 h liefen wir mitten in den Wolken: es wird kalt und feucht, man sieht nicht sehr weit und um den Weg schön zu finden, muss man den Charme einer Mondlandschaft verstehen können - furchtbar zu laufen. "Ben" ist der gälische Name für Gipfel oder Berg. "Ne-vis" soll von "neamhaise" (furchtbar) oder "ni-mhaise" (unschön) kommen. Wir verstehen den Namen jetzt. Aber, schon wieder aufgeben, wie schon vor 12 Jahren? Dat wär ja was... Aber, nix, meine Frau ist völlig freiwillig mit mir weiter und hoch gegangen;-) Und wie sollte man das dem grauhaarigen Paar erklären was uns überholt hat, den Leuten in T-Shirts und Turnschuhen oder den ganzen Kindern...?

Nach einigen Schneefeldern und fünf Stunden insgesamt waren wir oben.
We did it! Wir haben die Insel bezwungen!
Und selbstverständlich haben wir auch schön ein Beweisfoto von uns machen lassen, was ich ja jetzt niemandem vorenthalten kann. Ist ja eh klar, dass Ihr heut ein paar Fotos mehr sehen müsst, wenn wir schon mal da oben waren... Heute kommen auch Menschen ins Internet. Und ein Video.    weiter

Übrigens wurde im Vergleich auch sehr deutlich, dass unsere klitzig kleine Kamera, die ich hier in London habe, gegen unsere große mit ordentlicher Optik einfach mal gar nicht anstinken kann. Merkt man vor allem bei stark sonnenbeschienenen Landschaftsaufnahmen, aber, dafür passt sie gemütlich in meine Hosentasche...

Und was erwartet man auf nem Berg? Vielleicht nen Gipfelkreuz und ein Gipfelbuch, aber nix haben die davon! Dafür aber ne verfallene Wetterstation (die hundertprozentig höher war als der Gipfelstein, was ich sehr seltsam finde) und ein Kriegerdenkmal - alles weird. Dort oben im Schnee herrschte so ein eiskalter Wind, dass wir nur schnell was gegessen haben und wieder abgestiegen sind. Und endlich kamen uns die Wolken entgegen und wir konnten sehen. Wenn auch diesig, aber Wow. Eine klasse Landschaft! Nur deswegen hat es sich schon gelohnt. Drei Stunden haben wir runter gebraucht(am Ende wurde es sogar richtig heiß in der Sonne) und wir konnten den letzten Bus von der Jugendherberge nach Fort William noch erwischen. Auf zum langersehnten Bier (Einkehr auf Österreichischen Almen ist schon was Schönes). Das war definitiv eine der anstrengendsten Dinge, die ich je gemacht habe.
Dort oben gibt es noch viel zu sehen.

Hearts of Lothian Freitag ging's auf nach Edinburgh. Die Hauptstadt Schottlands mit sehr vielen alten Gemäuern und Charme. Besonders charmant sind auch die vielen verwinkelten Gassen, die oft durch ewige Treppen verbunden sind. Treppen! Nach über 1300 Höhenmetern geht das nicht. Da hat man Angst vor! Übrigens, auch ohne £12 für das berühmte Castle (der zugehörige Berg soll schon viele Jahrhunderte v. Chr. befestigt gewesen sein) und ohne £8 für eine berühmte Camera Obscura, von der man so eine tolle Aussicht haben soll, lohnt es sich ein bisschen in der Stadt umeinander zu laufen und in dem ein oder anderen Pub einzukehren. Joanne Kathleen Rowling hat in Edinburgh scheinbar eine Menge Inspirationen für ihre Romane bekommen. Harry's Anfänge sind wohl in einem Café namens The Elephant House zustande gekommen, was von außen aber komischerweise gar nicht so gemütlich und inspirierend aussah... Freundlich von den Edinburghern, oder Edinburghenses, oder Edinburghosos, (wie auch immer, so was wird ja hier eh nicht so wichtig und ernst genommen wie im e. V. Deutschland) ist, dass sie einem Hund namens Bobby ein Denkmal errichtet haben. Das treue Tier hat im 19. Jahrhundert angeblich 14 lange Jahre am Grab seines Herrchens gelebt. Traurig.

Vieles gibt es dort noch zu sehen (sehr viele Fotomotive übrigens mit Baukrangarantie), aber trotzdem waren wir abends froh endlich gen geruhsames Wochenende nach London zu fliegen. Da unser alberner Easyjet Billigflieger allerdings mit rund anderthalb Stunden Verspätung gestartet ist und wir im Bus aus Stansted nach London auch noch im Stau standen, hat uns die Rückreise doch glatt sechs Stunden unseres Lebens gekostet... Und das alles nur, weil ich Vollrind £10-15 pro Person an einem Lufthansa-Flug nach dem komfortablem Heathrow gespart habe. Ich hasse sowas... Kann aber jetzt alles in die Piggy Bank (ein Sparschwein - großes Wortkino, oder? LOL).

Na, immerhin haben wir ein extrem entspanntes Wochenende hinter uns.

 

Nächstes Wochende kommt Ingolf. Ich befürchte, ich hab ihm von den Ale Trails erzählt...;-) Die "man bekommt Shirts gegen Bier in verschiedenen Pubs"-Aktion. Freitag sind aber auch The Bosshoss in London. Ne deutsche Band die mächtig Stimmung machen können. Und am Wochenende darauf kommt der Jochen. Ich freu mich schon auf's Abrocken im Electric Dreams Club, nette Gigs und entspannte, neudeutsche Walks mit Kölsch im Spaniards Inn. Great! Brilliant! Excellent! Awesome! Lovely! Ich liebe das hier...;-)

Und dann, in drei Wochen, kommt endlich wieder meine Yvonne. Danach trennen mich noch zwei weitere Wochen von dem schönen zu Hause. ...aber scheinbar auch von der Joblosigkeit... Was ne verdrehte Aussicht. Irgendwas wird schon. Wie war das...? "All weird gut" Alles nur merkwürdiges Gekrösel...

 

Ne, zu diesem Scheiß fällt mir mehr ein. This world is totally fugazi!

 

But I'm proud to own my heart. My heart, this is my heart.

 

(Fucked Up, Got Ambushed, Zipped In)

                      

 

    23.5. Die Woche

Armer Andy Ich produziere hier gerade richtig interessante Ergebnisse. In meinen Bewerbungen bin ich jetzt von "zurzeit etabliere ich" zum "ich habe etabliert" übergegangen – ein gutes Gefühl... Andy und ich hatten am Mittwoch schon ein Gespräch mit der hiesigen Proteomics Facility, wegen der weiteren Analyse meiner Daten. Und dann ging ihm langsam auf, dass ich für weitere Experimente nur noch fünf Arbeitswochen habe und danach keiner da ist, der meine Arbeit, bzw. entsprechende Experimente weiter führen wird. Es bliebe nur Arsen, der bis jetzt nicht dazu in der Lage ist und eh kein Interesse dafür hätte, wenn ich es ihm beibringen würde... Mein lieber Kollege hat entsprechende Experimente ja einmal versucht, wie so oft nur halbherzig runtergeschludert (Protein-handling bei Raumtemperatur, weil es im Kühlraum so kalt ist – es gibt ja Gründe Milch in den Kühlschrank zu stellen) und das war's dann. Noch seltsamer, weil wir beide theoretisch ja an einem gemeinsamen Thema und einer gemeinsamen Veröffentlichung arbeiten. Vollhirn! Nuja, er hat halt aufgegeben; ersehnt nur noch das Ende seines Vertrages im Oktober und scheißt sogar auf das Paper. Furchtbar ineffektiv mit so jemandem zusammen zu arbeiten. Macht wirklich gar keinen Sinn und bremst nur. Er baut sich aktuell ein wunderbar glitzerndes Luftschloss, in dem der große russische Wissenschaftler mit all seinen Experimenten (lax durchgeführt, ohne Kontrollen, ohne Anschlussanalysen) diverse Veröffentlichungen der letzten Jahre in Frage stellt. Und vielleicht sogar die Evolution. Wie gesagt: ohne weitere Analysen, die zweifellos alle früheren Daten nur untermauern würden. Aber das Luftschloss ist halt so verlockend... Kost nicht viel und man hat ja sonst nichts... Völker, hört die Signale! Auf, zum letzten Gefecht!

Mindestens zwei weitere Male hat Andy mich gebeten noch zu bleiben.
Gestern hab ich die Kündigung meiner Wohnung weggeschickt.

Einstürzende Neubauten Ach, wat war dat schön... Seit ich hier bin, habe ich darauf gewartet, dass die Neubauten endlich nach London kommen (das dürfte dem ein oder anderen aufmerksamen Leser ja sicher aufgefallen sein;-). Und gestern waren sie endlich da. In einem schicken alten Theater in Kentish Town namens "The Forum". Super Aussicht von den oberen Rängen – Musikgenuss pur.

Am Eingang haben die natürlich meine Tasche untersucht – ich kam ja direkt von der Arbeit. "Haben Sie Getränke bei sich? Kaugummis?" "Pardon?" "Kaugummis." "Wat? Kaugummis? Wieso das denn? Wollen Sie eins?" "Ja ne, die darf man nicht mit rein nehmen, weil die nicht auf den Boden gespuckt werden sollen." Und ich hab mich schon gefragt, wieso auf der Eintrittskarte 14+ steht, denn Vierzehnjährige hab ich bei den Neubauten nicht gerade erwartet, denen die Kaugummis unkontrolliert aus dem Mund fallen... "Ja... Ich hab wohl ein paar Kaugummis..." Ich kau die ja ständig... Ich hab ihr dann die Packung aus meiner Innentasche gegeben, die angefangene Packung in meiner Außentasche, die angefangene Packung aus meiner Jackentasche, nur die in meiner Hosentasche hab ich vergessen. Aber den im Mund befindlichen musste ich natürlich auch abgeben. Sollte ich allerdings selbst wegschmeißen.

Aber wirklich ein netter Laden. Nur ordentliches Bier hatten die nicht. Jamaikanisches Lager musste ich trinken... Red Stripe brr... Als Vorgruppen gab's nur Krach: ein Typ, der ernsthaft mit nem Cape und ner Maske dort aufgetaucht ist und elektronischen Lärm verbreitet hat und danach ein asiatisches Pärchen, die sich mit schickem Minimalelektro ausgetobt haben.

Die Neubauten waren klasse! Immer wieder schön zu sehen mit welchen Dingen die ihre Musik machen: Rohre, Schleifräder, Sägen, lustige Metalle... (schaut Euch mal die Fotos an) Und statt damit Krach zu veranstalten ist es nach 27 Jahren nun auch richtig melodisch;-) Unvollständigkeiten hat Herr Bargeld auf englisch gesungen; mal ganz was anderes... Und weil London eine U-Bahn hat und wir so ein tolles Publikum waren, gab's als zweite Zugabe was angeblich ganz Besonderes: Jedes Bandmitglied hat eine Karte aus einem Sack gezogen, auf dem lustige Anweisungen standen, wie "spiel irgendein Instrument", "spiel eine Tonlage", "irgendeinen Takt" oder was auch immer... Und dann haben die losgelegt ein bestimmtes Lied neu zu interpretieren – keiner wusste, wie der andere spielen soll. Und das hat sich tatsächlich nicht scheiße angehört... Klasse! Hat sich gelohnt.   weiter

Cheerful Ach, heut morgen hab ich mir mal wieder einen ungünstigen Haarschnitt mit exzellentem Kaffee gegönnt – klar, muss für meine Frau ja gut aussehen;-) Bryan, mein Friseur, lebt jetzt seit drei Jahren hier – kommt ja eigentlich aus Südafrika. Er hat genau die gleichen Erfahrungen mit den Briten gemacht, was ihre reservierte Art und die unfreundlichen Gesichter angeht. Als er letztens mal wieder zu Hause war, ist ihm erst aufgefallen wie sehr er schon das Inselverhalten angenommen hatte... zurück in einem Land, wo jeder jeden Fremden grüßt, viele fröhlich lächeln und alle relaxt sind. Ich bin also nicht allein. Doris schrieb, ich soll mir das unfreundlich Gucken wieder abgewöhnen, das mache hässlich. Jetzt wird mir einiges klarer... wenn ich mir die Inselbewohner so anschaue...;-)

Postbeamte Gerade hab ich mal wieder eine Bewerbung losgeschickt. Mir gehen die Postöffnungszeiten in Deutschland ja schon gegen den Strich – nicht sehr arbeitnehmerfreundlich – aber, keine Angst, hier ist es mal wieder schlimmer. Um 17:30 machen die hier dicht, so dass ich mich ordentlich beeilen musste. Einem früheren Feierabend stand heut aber nichts im Wege, so dass ich pünktlich um 17:20 in der Post stand. Schön in einer Schlange mit 18 anderen Leuten (Klar, so was müssen die meisten Leute ja mal eben schnell nach der Arbeit erledigen. Jedoch, was die Rentner da schon wieder zu suchen hatten... Reine Schikane der arbeitenden Bevölkerung!-). Na, immerhin sind die britischen Schlangen wirklich großartig. Die haben ja scheinbar dieses Schlangensystem erfunden, bei dem alle Leute in EINER Schlange vor allen Schaltern stehen. Ausnahmsweise mal sehr effektiv. Und tatsächlich findet man das hier sehr häufig; sogar auch in einigen Supermärkten.

Wie auch immer... Jedenfalls hatte ich so ausreichend Zeit mir die Postbeamten, bzw. hier wohl eher Postangestellte beim Umgang mit ihren Kunden anzuschauen. Und genau wie in allen anderen zwei bis drei Post Offices die ich hier schon erlebt habe, macht die Hälfte der Schalterköppe erstmal ein völlig überraschtes Gesicht wenn man was von denen will. Dann scheint es irgendwann Klick zu machen und sie scheinen sich wage an ein entsprechendes Prozedere zu erinnern. Ganz großes Kino;-) Und eine Ruhe haben die... Na, bislang scheinen meine Bewerbungen jedenfalls angekommen zu sein, falls ich diesem Trackingnumber-System glauben kann.

Schottland Gleich kommt Yvonne. Endlich. Nach vier Wochen... Und sie bleibt endlich mal ein bisschen länger, ich meine, geplant länger und nicht fluggesellschaftsvermittelt. Dienstag fliegen wir nach Glasgow und nehmen anschließend einen Zug in die Highlands nach Fort William. Muss ich meiner Frau ja mal zeigen, denn sie war tatsächlich noch nie dort. Eine große Lücke, vor allem für Landschaftsfreunde. Und, ich hab ja noch diese Rechnung mit dem Ben Nevis offen, mit 1344 m der höchste Berg im UK. Ich war, glaube ich, 20 als ich alleine dort oben war und völlig naiv gegen 13:00 anfing meinen ersten Berg zu besteigen. Klar, ich war ja 20. Ich bin nach rund vier Stunden mal umgekehrt, denn ich war schon ein wenig überrascht, dass man für die paar Höhenmeter so lange braucht (weiß grad nicht wie hoch man in Fort William startet). Na, jetzt hab ich ja schon ein paar Berge hinter mir und weiß worauf ich mich einlasse...;-)

Wir werden dort im Glenaladale House mit Bed & Breakfast wohnen und schon am Freitag nach Edinburgh fahren, dort ein bisschen herum gucken und abends zurück nach London fliegen. Ursprünglich wollten wir dort mit einem gemieteten Auto hin (wird ja Zeit, dass ich dieses Seitenabenteuer mal hinter mich bringe), aber die wollten doch ernsthaft £147 für einen Kleinwagen - völlig verstrahlt. Gut, man hat ja schon von Atomtests auf schottischen Inseln gehört... Ich hab dann grade mal Zugtickets gebucht, für £15 pro Person... Ich freu mich auf jeden Fall schon drauf...

 

Oh, Yvonne ist schon am Earls Court. Dann mal nichts wie los zum Notting Hill Gate...

 

                      

 

    16.5. Ein verregneter Samstag steht vor der Tür

Alles weird Mensch, was ist das schon wieder grau hier. Der Frühling ist jedenfalls vorbei, so scheint es. 13 Grad, tiefe, graue Wolken, Regen, Wind. Irgendwie unwirklich, dass ich letzte Woche mit nem leichten Sonnenbrand im Gesicht rumgelaufen bin... Nun ja, macht mir aber grad nichts aus, da ich hier endlich mehr oder weniger vernünftig arbeiten kann. Klappt gerade auch alles, auch wenn ich noch ein bisschen optimieren muss. Andy ist jedenfalls schon wieder so froh über meine Ergebnisse, dass er mich nochmal zum Bleiben überreden wollte... Tja, vielleicht ein paar Monate länger für's doppelte Gehalt;-) Was ich ihm natürlich nicht gesagt habe - so was geht in unserem Job eh nicht...

Fehlersuchbilder Hier wird's aber auch immer seltsamer... Mein Kollege ist mittlerweile total antriebslos, hasst unseren Job und will hier unbedingt weg. Da wir eigenverantwortlich arbeiten, sollte man seinen Job und sein Thema schon mögen, um ordentlich Ergebnisse zu produzieren - da kommt also nicht nur nichts rum, sondern Experimente werden auch nur halbherzig erledigt.
Auf der anderen Seite braucht unser Chef natürlich Ergebnisse um sie zu veröffentlichen und Geld zu beantragen. Er scheint aber mit dem Zusammenschreiben in der Vergangenheit etwas... "langsam" gewesen zu sein. Wie auch immer... auf der einen Seite hör ich Beschwerden über faule Postdocs, sehe aber gleichzeitig, dass sie trotzdem bezahlt werden, auf der anderen Seite wird sich darüber beschwert, dass der Chef die Karriere des Kollegen versaut, weil er nach rund drei Jahren immer noch keine Veröffentlichung hat.   weiter

Seht ihr den Fehler? Was ist in dem rechten Bild falsch? Ich sag's Euch: Der Chef hatte nie Gelegenheit eine Veröffentlichung zusammenzuschreiben, weil er nie mit veröffentlichbaren Daten versorgt wurde. Hier wird also nur Verantwortung hin und her geschoben (worin nicht nur die Menschheit, sondern insbesondere dieses Lab sehr groß ist). Und das Seltsame ist, dass das schon wieder so eindeutig ist, dass man echt auf Drogen sein muss, um sich dermaßen selbst zu bescheißen - völlig durch.

Für mich bitter ist allerdings, dass diese halbherzigen, unkontrollierten Experimente in eine völlig falsche Richtung weisen, die nicht besonders zu meiner Veröffentlichung (bzw. unserer gemeinsamen) passt. Und ohne Kontrollen und mit einer Menge Ideen für Ursachen, glaube ich solche Ergebnisse nicht. Ich finde, dass sowas hier viel zu lax gehandhabt wird. Hoffentlich kriegen die sich hier noch in den Griff... Hier kann man aber auch auf Leute einreden wie auf kranke Pferde... Na, seven weeks left.

Hey, ich hab endlich Liebesgrüße gekriegt! ;-) Ganz kurz und schnell, ohne viel Aufwand, aber mit hohem Freudeoutput für Exildeutsche. Genauer gesagt war es ein Leserbrief, denn Oliver wusste, dass "Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühn," aus My Fair Lady stammt. Großartige Information!

Ach, und einen anderen Leserbrief hab ich doch glatt vergessen, mich aber gerade wieder erinnert... Mein Diplomacy-Kollege Gunther wusste nämlich aus seiner zweijährigen Zeit in London, dass man britische Steckdosen auch mit deutschen Steckern verwenden kann, wenn man mit einem Schlüssel den in dem obigen Erdungsloch befindlichen Sperrhebel zur Seite drückt. Auch ohne Erde und trotz runder Kontakte, statt Eckiger, hätte ich so an meinem ersten Tag ohne Adapter wenigstens meinen Laptop benutzen können, um ein bisschen Musik zu hören... Tz, und ich soll Schwiegersohn eines Elektrikers sein...

 

                      

 

    13.5. sonniges Wochenende

Mönsch, war das ein cooles Wochenende. Is schon nett, wenn hier der Sommer ausbricht und man sich im Park so richtig schön umeinander fläzen kann. Wenn man sich dann gefühlte 17 Jahre nicht gesehen hat, passt das noch viel besser... Dabei hat uns natürlich auch das ein oder andere kühle Carling Gesellschaft geleistet. Vorgestern im Hyde Park (das war schon mehr als pretty crowded dort), gestern im aufgeräumten Regents Park. Irgendwer erzählte ja mal, dass man in der Londoner Öffentlichkeit kein Alkohol trinken darf, weswegen das Carling und wir uns nicht ganz sicher fühlten (ich hatte sowas auch mal für Camden gelesen). Aber, so wie es aussieht, ist das Sache einzelner Bezirke und für den Borough of Kensington and Chelsea, wozu auch der Hyde Park gehört, hab ich ein Verbot nicht finden können. Steht halt auch nirgendwo dran, alle machen es, also nichts gegen ein Bierchen im Park einzuwenden.

Wie kommentierten einige offensichtlich Deutsche vorgestern...? "RÜLPS" "SCHULZ" "SCHUUULZ" "SCHULZ" und alle die Daumen an der Stirn;-) Kennt ihr, ne? Meine letzte Vorstellung war mindestens 20 Jahre her; großes Spaßkino!

Außer im Park haben wir uns noch in Camden, am Covent Garden, natürlich im Sun in Splendours, im Prince Albert und im Windsor Castle Pub rumgetrieben. Dat war Spass! Und handwerklich waren wir auch unterwegs: Hier wohnt nämlich nun ein Ventilator, was bei den gefühlten 96 °F und 97% Luftfeuchtigkeit hier in der Butze wirklich dringendst notwendig war. Soll uns mal keiner nachsagen können, wir lägen nur faul im Gras...

Also, schön war's. Da freu ich mich schon auf Hamburg...

                      

 

    8.5. Unbeständigkeiten am Donnerstag

Auf nichts kann man sich hier auf der Insel verlassen Ich will jetzt mal kein Wort übers Inselwetter verlieren, oder den morgens einfach mal ab und zu nicht vorhandenen Wasserdruck, oder die manchmal einfach nicht fahrenden Busse – jedenfalls diese dämliche 70... banking security Grad hab ich online meine Miete überwiesen. Hier gibt es keine PIN und TAN, sondern nur eine feste Pin und ein zusätzliches Passwort zum einloggen auf die website. Beim Einloggen wird man dann lustig nach verschiedenen Ziffern, bzw. Buchstaben seiner Pin oder seines Passwortes gefragt. Man muss also z.B. den dritten, den fünften und den zwölften Buchstaben seines Passwortes an den Fingern abzählen und eingeben – furchtbar nervig. Diese Woche hat meine Bank mir aber aus Gründen der enhanced security measures ein neues Spielzeug zugeschickt: ein Kartenlesegerät das meine Karte einliest und irgendwelche aufregenden Securityzahlen generiert (Arsen ist bei der selben Bank und hat nur bei dem Gedanken an den Kartenleser schon ein verträumtes Grinsen aufgelegt;-). Trotz Eier geht mir dabei ja keiner ab und ich hab das Lesegerät und den damit verbundenen Service heute einfach mal aktiviert, vor meiner großen Überweisung. Hat auch geklappt. Danach hab ich mich nochmal auf der Bankseite eingeloggt und hab das Geld überwiesen. Für beides musste ich das Lesegerät nicht benutzen. Tolle Security Maßnahme.

Apropos Geld... Ich krieg doch tatsächlich stetig weniger Lohn... Jetzt mal abgesehen von dem unverschämten Wechselkurs, liegt es diesmal an irgendwelchen vergessenen Steuern und Dingen die ich noch nicht weiß: im März schon £200 weniger als im Februar und für April ernsthaft nochmal £200 weniger, also schon £400 seit Februar. Das ist ein verdammt großer Haufen Geld! Wie soll man denn da richtig kalkulieren...? Jetzt muss ich auch noch sparen wie blöd. Toll aufregend! Bin mal gespannt, wie viel ich in diesem Monat bekommen werde.
So macht Das Hier jedoch noch viel weniger Sinn. Auslandsaufenthalt zum Draufzahlen - ein teurer Lebenslaufeintrag. Jaja, ich hab ne Menge Erfahrungen gesammelt, ich weiß.

Aber, es gibt ja auch Kleinigkeiten... Biersorten Ich kann das nicht nachvollziehen. Ein großer Unterschied zu deutschen Kneipen ist hier in den Pubs, dass es sehr viele Biersorten gibt. Meist ein rundes Dutzend. Dreimal geht man in einen Pub, bestellt ein bestimmtes Ale und beim vierten Mal haben die entweder die Sorte gewechselt oder das leere Fass mal wieder nicht ausgewechselt. Wie oft ich hier schon Pils, bzw. Lager trinken musste... brrr... Oder Pubmusik In meinem geliebten Sun in Splendour konnte ich eigentlich immer mit gut hörbarer Musik rechnen (immerhin mal ein Pub in dem überhaupt Musik gespielt wird – das die dann noch gut ist, ist die große Ausnahme). Letztens musste ich gehen. Wegen der Musik. Da bin ich ja furchtbar intolerant. Irgendeinen Mädchenkram haben die gespielt... Gruselig... Dazu hätte ich mir gerne ein Becks Gold bestellt, haben die aber lEIder nicht - sehr traurig. Gut, dafür zapfen die aber mit Saft und Limo fertig gepanschtes belgisches Bier. Das man das noch so nennen muss... Gestern hat mir eine der Zapfmädels sowas zum probieren rübergeschoben. Ich war nämlich etwas beleidigt, dass die nicht nur das einzige Ale – London Pride – sondern auch das einzige britische, einigermaßen herb schmeckende Lager – Carling – nicht mehr hatten. Fass leer? Wieso sollte man den da in Keller gehen um das auszuwechseln? Man darf Bier hier übrigens ohne weiteres immer erst probieren. Das war so ein gepanschter Mist: "Hoegaarden". Die Drecksäcke haben ernsthaft Koriander und Orange in ihr "Bier" gepackt! Bah!   weiter

Oder unsere Restauranterfahrungen hier: Ich war einmal bei nem Griechen essen – ziemlich am Anfang. War lecker, es gab nichts auszusetzen. Als ich nochmal mit Yvonne da war, war es einfach furchtbar. Oder der Italiener hier um die Ecke... Hat uns beim ersten Mal sehr gut geschmeckt. Beim zweiten Mal hab ich das gleiche Gericht bestellt und es war schonwieder einfach furchtbar. Das war's hier jetzt mit Restaurants.

Für jemanden, der ein geregeltes Leben mit verlässlichen Kleinigkeiten bevorzugt, ist es echt daneben hier.

Es grünt so grün. Tralali und Tralala Woher kommt das eigentlich? Los, macht mich schlau! Der Frühling ist da - wie schön... Mein Wochenende war übrigens eher lahm, da ich nur Bewerbungen geschrieben habe – na, immerhin war mein Arsch oben, wenn auch nicht an der frischen Luft. Und statt dem ersten Mai war hier der Montag frei (allerdings nicht aus wirklichen Feiertags­gründen; das nennt man hier "Bank Holiday" und fast alle Geschäfte haben auf). Na, aber ich war Montag im Lab, damit ich Ende Mai etwas länger frei nehmen kann, wenn Yvonne eine Woche rübergejettet kommt – endlich mal absichtlich etwas länger;-)

Ach, Andy hat mich letzte Woche nochmal gefragt, ob ich nicht doch bleiben würde, wenn er noch etwas Geld zusammenkratzen würde (woher auch immer). Jedenfalls gefällt ihm meine Arbeit hier.
Sowas zu hören ist zwar immer gut für die Seele, aber bei der performance hier ist das leider wirklich kein großer Akt. Das macht es hier wohl auch so unattraktiv – das Arbeiten. An Biologen: Wieso sollte ich SDS in mein denaturierendes Proteingel tun? Mach ich nie! Wenn der Quotient aus A260 zu A280 irgendwie ist, dann muss ich meine DNA doch für die Messung verdünnen, oder? Nen Fass aufzumachen, weil jemand bei einem wichtigen Experiment 18 statt, wie sonst üblich, nur drei Klone pickt, das ist doch albern.

Ich hab ihm jetzt endgültig abgesagt. Das war's hier für mich.

 

Jetzt, wo es hier warm ist (hier oben unterm Dach übrigens extrem widerlich warm – wie im Sommer) kann ich jedenfalls ab und zu abends im Hyde- bzw. Kensington-Park ein bisschen unterm Baum rumsitzen und lesen. Das ist gut. Auch wenn ich dabei nicht der Einzige bin. Pretty crowded sacht man hier. Weniger ruhig, als ich es gerne hätte, aber trotzdem nett.

Und morgen Nacht kommt der Kai. Klasse! Denn wir haben uns ganz schön lange nicht gesehen, waren früher aber sehr enge Freunde. Ich freu mich.
Vorher werd ich mal in Camden vorbeischauen, denn dort ist morgen wieder der Electric Dreams Club im Purple Turtle (hey, da hat ja jemand die website neu zusammengeschraubt). Die Musik will ich mir jedenfalls nicht entgehen lassen, auch wenn ich nur anderthalb Stunden mitbekommen sollte, um dann Kai entgegen zu fahren.

Ach, ich war übrigens mal so frei und hab in meinem letzten Heimwege-Post ein, zwei Bilder ausgetauscht und ein paar hinzugefügt – jetzt ist besser; auf nichts kann man sich verlassen;-)

 

                      

 

    2.5. Heimwege






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    28.4. mind And Body

Ach, jetzt ist die Frau schon wieder weg. Furchtbar ist das.
Freitag waren wir im Koko Club in Camden, wo der Club NME stattfand. Ne Mischung aus Abrocken und Konzert. Erst haben die Plattenjockeys dort auch nett aufgelegt und die Vorgruppenjungs von Viva Machine haben richtig schicken Krach gemacht. Dann gab's wieder ein bisschen Rocken, um die Meute in Bewegung zu halten und schlussendlich waren The Automatic auf der Bühne und wir waren umzingelt von bierschmeißenden, hüpfenden Teenies. Argh, sind wir alt;-) Dat war nix. Aber das Konzept ist klasse: Abrocken um Bandauftritte herum bringt Stimmung.

Samstag haben wir schick die Sonne genossen, sind ein bisschen im elefanten- sowie bärenlosen Zoo und im Regents Park herum flaniert und waren abends in Chinatown essen. War in Ordnung, aber sicher kann man bei der Auswahl dort noch Gemütlicheres und Leckereres (kranke Steigerung) finden.
Und jetzt ist die Frau schon wieder weg und es ist immer noch furchtbar...

Grass widower Viele sehen es ja als Urlaub an: "Sechs Monate Strohwitwer! Kannste machen was de willst!" Nun ja... irgendwie rockt mich das nicht so... Auch nach einem Dutzend Jahren schränken wir uns gegenseitig nicht ein, langweilen uns nicht und müssen uns nicht verstellen, bzw. für den anderen verdrehen (nuja, jedenfalls gehe ich davon aus, dass es uns beiden so geht;-). Klar, hier und da gibt's mal dies und das und jene Kleinigkeit, die im emotionalen Rausch auch gerne mal groß werden kann. Who cares...? Ohne würden wir wohl beide bald im Rosarotebrillenland Amok laufen... Two frags left... Warr da was?

Will sagen, ich kann hier nicht endlich Mal so sein wie ich bin (weil ich eh immer ich bin) und ich muss hier nicht permanent die Sau raus lassen oder mich unheimlich darüber freuen die Socken in die Besteckschublade zu schmeißen, endlich mal die Klobrille von oben bis unten gründlich vollzupissen und diverse britische Kerben in irgendwelche Bettpfosten zu ritzen (ich hab nämlich gar keine Besteckschublade und mein Bett steht auf Rädern – pfostenlos – und wenn hier einer mein Klo und den danebenliegenden Teppich vollpisst, dann kann wird seine Zunge das schon wieder richten – da kann ich ja gar nicht drauf).

Gut, ich mag's auch mal mit mir alleine zu leben. Nur mit sich selbst denken und ohne Fernseher. Klar ist es in solch hohen Dosen, ob der langen, gesellschaftslosen Zeit, auch ungewohnt, aber nicht zu verachten. Ich komme zu dem Schluss: Denken macht Sinn! Is klar, ne? (Nicht, dass ich ansonsten nicht zum Denken käme - ist mit Gesellschaft halt weniger intensiv.) Und sowieso hab ich eigentlich schon immer Spass in meinem eigenen Hirn gehabt. Man hat ja sonst eigentlich nichts. Eigentlich sogar gar nichts. Oder...?
Does the body rule the mind or does the mind rule the body...?
Wenn Yvonne hier war und plötzlich wieder verschwunden ist, dann zumindest ersteres. Ich vermisse sie. Ich glaube aber gar nicht, dass ich stattdessen lieber die Sau rauslassen würde.    weiter

Still Ill

 

I decree today that life is simply taking and not giving
England is mine and it owes me a living
But ask me why and I'll spit in your eye
ask me why and I'll spit in your eye
but we cannot cling
to the old dreams anymore
no, we cannot cling to those dreams

 

does the body rule the mind
or does the mind rule the body?

I dunno...

 

under the iron bridge we kissed
and although I ended up with sore lips
it just wasn't like
the old days anymore
no, it wasn't like those days

am I still ill?
Oh no...
am I still ill?
Oh no...

 

does the body rule the mind
or does the mind rule the body?
I dunno...

 

ask me why and I'll die
ask me why and I'll die

 

and if you must go to work tomorrow
well if I were you I wouldn't bother
for there are brighter sides to life
and I should know because I've seen them
but not very often

 

under the iron bridge we kissed
and although I ended up with sore lips
it just wasn't like
the old days anymore
no it wasn't like those days
am I still ill?
Oh no...
am I still ill?
Oh no...

 

 

 

Morrissey / Marr, The Smiths 1984

 

Lyrics http://www.passionsjustlikemine.com/

 

Keine Angst, der Knutschpart mit den sore lips und den old days hat mit meiner Liebsten und mir nichts zu tun;-)

 

                      

 

    23.4. Wochenmitte

Heterological Irritating Ach, wat geht et mir gut... Obwohl es hier plötzlich aus tiefhängenden Wolken regnet und alles grau ist. Ich hatte einen Friseurtermin; bei einem Herren namens Bryan (nicht mein Ficus). Mein erster britischer Friseurbesuch in nem anständigen Laden - die ersten beiden waren nur so ein cut'n go; very unspektakulär. Heute hatte ich also einen Termin in einem Laden bei mir um die Ecke, der mir schon von außen einigermaßen gefiel (nachwievor ist es für mich noch eine Art Abenteuer zu einem fremdsprachigen Friseur zu gehen - eigentlich ist ja jeder Friseurbesuch für einen Mann irgendwie ein Abenteuer;-). Total gemütlich ist es dort. Nette, Einrichtung, warme Farben, klasse Musik. Und einen Kaffee haben die! Wahnsinn! Der beste Kaffee, den ich hier in London getrunken habe. Ich bin sogar versucht zu sagen, dass das der beste Kaffee war den ich je getrunken habe. Seltsam, oder? Na, der Haarschnitt war jedenfalls ordentlich und die Unterhaltung war sogar ganz nett - meistens geht mir sinnloser Smalltalk ja auf den Sack. Und dann ging es ans Haare waschen und die obligatorische Kopfmassage. Fühl ich mich ja unwohl bei, wegen Kerl und Massage und heterologisch, is klar ne? Dat ging aber bis an meinen chronisch verrenkten Hals und hömma, der wusste genau wo der drücken muss. Vorher hatte ich noch Kopfschmerzen. Die sind nu weg und ich war viel entspannter danach. Abgedreht. Er meinte, er würd das Wohlbefinden seiner Kunden spüren und wüsst so was er mit deren Köpfen veranstalten muss. Hätt er so in Südafrika gelernt, wo er geboren wurde. Wie auch immer und wieso, es hat geholfen. Und dabei wollt ich nur nen Haarschnitt... Da waren die £25 jedenfalls besser investiert, als die £28 beim cut'n go Blade Runner ohne Kaffee (Harrison Ford war ja nicht mal da...).

 

Mal sehen, ob ich gleich noch ne Karte für die Kills in Camden bekomme...   weiter

Kills So, wieder zu Hause. Na, das hat ja geklappt. Ein paar schweinedreiste Abzocker haben nen Haufen Karten gekauft, um sie vor dem Laden zu verhökern (ist das hier eigentlich erlaubt?). "Ey, wolle Karte kaufen?" "Jo. ... Was willste denn für Eine haben?" "£80." "Eight zero?" Ich weiß ja mittlerweile, dass die Briten selbst ihre Zahlen meistens falsch verstehen und sie immer buchstabieren. "Yes." "Ne, hömma, ich glaub, Du hast den Arsch offen." Der nächste wollte 'nur' £40. Ich hab mich dann aber erstmal erkundigt, wie viel andere Leute bezahlt haben. Regulär hat sie mal 12,50 gekostet, aber schwarz ginge sie für 30 durch die Hände. Das ist ne Gewinnspanne, oder? 240%... Eieiei... Aber man gönnt sich ja sonst nichts...

Das Koko ist ne klasse Lokation (scheinbar ein altes Theater, so wie das Astoria, in dem Yvonne und ich schon mal die Simple Minds gesehen haben), klasse krachige Vorband (These New Puritans, hört mal rein, z. B. in Sword of Truth http://www.myspace.com/thesenewpuritans) und die Kills haben ordentlich Spass gemacht! http://www.myspace.com/thekills

 

Noch einmal schlafen, dann kommt die Frau in mein Bett;-)

 

Nachtrag So, schlafen ist fertig. Heut scheint wieder die Sonne. Vorgestern frühlingshafte Sonne, gestern tiefhängende, regnende Wolken – alles grau, heute wieder Sonne. Also, von diesem unbeständigen Inselwetter wird man ja bekloppt. Da fühlen sich die Hormone wie in dieser großen Lottozahlenkugel, in der die 49 Kugeln durchgeschüttelt werden. Und das Wetter ist die Lottofee...

 

                      

 

    22.4. Dienstags kommt der Frühling

Wochenend Hach wat war dat wieder ein lustiges Wochenend! Spass hatten wir, Jochen und ich. Hatten zwar etwas verpeiltes Pech mit Konzerten – war aber lustig. Donnerstag wollten wir uns nämlich spontan Pin Me Down anhören, von denen wir glaubten, dass sie im Fly auftreten würden. Werden sie auch noch, allerdings an einem anderen Donnerstag und erst im Mai (jaja, wir hätten an dem Morgen wohl lieber noch einen Kaffee trinken sollen, statt irgendwelche verplanten Konzertpläne mal eben schnell vor der Arbeit zu schmieden).So jedenfalls waren wir ganz alleine in dem Laden und irgendein Nachwuchs­diskjockey hat dafür gesorgt, dass wir auch alleine blieben - furchtbarer Krach.

Nachdem der Freitag ganz im Zeichen der Katzen stand (ja, ich war fleißig arbeiten), haben wir abends gemerkt, dass wir Donnerstag die Breeders verpasst haben - schade.

Samstagmittag haben wir uns in den Hampsted Heath die Beine vertreten, mit lecker Kuppers Kolsch im Spaniards Inn und verwunschenem Blair Witch Wald (da ich Schlaumeier meine schöne Kamera vergessen hab - mir war so, als ob ich was vergessen hatte - musste das Handy für ein Video herhalten). Abends standen schicke Achtziger im Stone Pub auf dem Programm. Die Musik war gut und ordentlich laut, aber blöderweise haben die vergessen mal ein bisschen Platz fürs Abrocken zu schaffen. Mehr als Fußgelenkewackeln mit Anschreien war also nicht. Deshalb sind wir auf der Suche nach was zum Abrocken noch nach Camden. Freitag und Samstag fand dort der Camden Crawl statt – ein paar Dutzend Bands in diversen Lokalitäten. Zum Glück haben wir dafür keine Karten mehr bekommen. Da waren so viele Menschen, dass man, um in eine Disko zu kommen, erst warten musste bis jemand anderes rausgegangen ist. Ne hömma, dafür sind wir zu alt;-) Wir haben ganz schnell wieder kehrt gemacht und den Feierabend eingeläutet.

Beim sonntäglichen Frühstücks-Gigscreening auf myspace.com kam ich aus der Dusche, hörte gute Musik und sachte so: "Hömma, das ja nett! Was' das denn?" "The Kill. Haben wir gestern verpasst." Eieiei... Sind aber Mittwoch nochmal im Koko. Mal sehen, ob ich an der Abendkasse noch ne Karte bekomme.

Wimbledon Sonntag haben wir uns in Wimbledon umgetan. Ein netter, kleiner Stadtteil mit Menschen mit ein bisschen viel Geld und Menschen mit viel viel Geld. Neben viel Golf- und Tennisgrün gibt es dort aber unordentliches Grün und gemütliche Pubs – recht beschaulich. Ein komisches Grün gab's allerdings auch: Völllig langweilig, mit nem Teich in der Mitte, zwei, drei Bäumen und komplett umringt von Straßen und Häusern - knüppelvoll mit Menschen; schwer attraktiv und mir völlig unverständlich....   weiter

Mit Jochen hab ich mich zum ersten Mal an einen britischen Pudding gewagt: steamed chocolate und sticky toffee pudding mit custard (fluffige, extrem klebrige, kuchenartige "Dinge", Custard gibt's hier auf, in und bei allem). Alter Schwede...! Verdammt alter Schwede...! Ich weiß gar nicht, wieso das nicht gegen Hungersnot eingesetzt wird... ...und wir tanzen kugelrund durch die Straßen... tirilü und tirila..

Ein 8,- DM Jeigermaster später wollten wir's abends nochmal mit Musik versuchen und haben uns eine gemütlich anzuhörende Band ausgeschaut. Mit Bus, Bahn und Fuß in dem Pub angekommen, war von der Band weit und breit nichts zu sehen. Dafür haben zig andere Musikanten versucht Musik zu machen. Dat war aber nix. Und das Bier war scheiße, weil nicht vorhanden. Spanisches San Miguel musst ich trinken und das schmeckt ja nicht mal im Urlaub...
Viel Spass, keine Livemusick, viel Verplanung, kein Abbruch

 

Onychophagen Heut morgen war Andy mit einem Vortrag an der Reihe. Von 22 Zuhörern haben drei permanent an ihren Fingern rumgekaut und mindestens drei weitere temporär. 27% Da krieg ich nen Affen von.

Jaja, wenn da was "stört" muss das halt weg, versteh schon. Und zu Hause sind die Fußnägel dran. Mönsch, dat sieht total bescheuert aus!

Das ist hier ernsthaft Volkssport. Überall sieht man wen mit ner Flosse im Mund – man muss gar nicht lange suchen: an der Haltestelle, in der Tube, im Pub. Letztens hat einer im Pub mit seiner Liebsten geplaudert und ihr hocherotisch einen Vorgekaut – schön einen Finger nach dem anderen – brrr... Vielleicht war's ja auch eine Art Vorspiel? Kamasutra des Nägelkauens. Kann mich da mal einer aufklären?

Spring Hömma, heut war der Frühling draußen.Da hab ich mich sogar aufraffen können meinen gestählten Körper nach der Arbeit ums Eck durch den Kensington-/Hyde-Park zu bewegen –mit Laufschuhe anne Knöchel. Großartig, oder?! War toll! Langsam wird's nämlich grün im Park und ne Menge Leute fangen das rumsitzen auf Wiesen an. Ich glaub, das wird mir gefallen...

 

Hach, übermorgen kommt endlich mal wieder mein Yvonne. Schön ist das. Das macht überhaupt keinen Sinn getrennte Schlafzimmer zu haben. Davon wird man nur krank. Denn wir sind ja doch nur alle Hormonsapiens...

 

                      

 

    15.4. Leiden des Hedonisten

Gesichter Langsam mach ich mir Sorgen. Diese Gesichter von denen ich gestern erzählt habe, die scheinen ansteckend zu sein. Ich beobachte das schon einige Wochen an mir. Ist mir zum ersten Mal in einem Schaufenster aufgefallen. Das war nicht das Ich, das ich kannte. Hab ja eigentlich gut Spass auf der Welt, aber hier fehlten die Niederrheinischen Lachfalten. Wie gesagt, hier laufen die alle so durch die Straßen – nur Wenige gucken freundlich. Das ist mir schon in den ersten Wochen aufgefallen. Und jetzt… jetzt haben se mich. Nicht, dass das noch so bleibt. Hat mich min Omma ja schon immer gewarnt: "Schneid nicht solche Grimassen! Die bleiben sonst!"

Und et is ja nich nur dat Gesicht. Et is ja doch der ganze Gemütszustand... Spass hat zurzeit hur ne sehr kurze Halbwertszeit. Na, ob dat wieder weggeht...?

Woher das wohl kommt? Fehlende Freude...? An mangelnder Sonne kann das ja eher nicht liegen, denn sonniger ist es zu Hause auch nicht. Der permanente Frust über zu wenig Bierschaum? Deprileitungswasser? Das muss es sein. Das gute, alte Themsegrundwasser ist voller abgedrehter Polyphenolderivate die schlechte Laune machen. Schlechte Laune Macchiato to take away.
...und die Menschheit guckt grimmig aus der Wäsche. However...

Geldprobleme Andy macht mich jedenfalls nicht gerade glücklich damit, dass ich mit halbverwesten Antikörpern arbeiten muss (falsch gelagert, mehrfach warm geworden, polyklonal), weil die guten sind nämlich so teuer. Reine Zeitverschwendung, denn ich bin teurer als die Antikörper.
Manchmal verliert man… und manchmal gewinnen die Anderen…

Schnäppchen Da hab ich gerade im Schaufenster eines Maklers um die Ecke gerade doch glatt ein Wohnungsangebot für eine 2 bedroom flat (scheinen hier 3,5 Zimmer zu sein) auf meiner Straße hier gesehen. Für nur £825.000. Wenn man auf der website schaut, dann nur £749.999. Da steht dann aber immerhin mal eine Flächenangabe, nämlich schicke 106 m². Hömma, geht doch, oder?

Ich kann nicht umhin auf den Wechselkurs aufmerksam zu machen: seit dem 7.1. verdiene ich ziemlich genau 200€ weniger, nur weil der Wechselkurs so bescheuert ist. Vielleicht kommen daher die schrägen Gesichter;-/

 

                      

 

    14.4. Ein Montag neigt sich dem Ende zu

Festgefahren Da soll mal einer sagen, hier wäre es langweilig und festgefahren… Ich bin ganz kurz vor einem gratis, wahnsinnig high-speed und wireless Internetzugang. Vor meiner Wohnungstür hängt doch tatsächlich eine große Kiste mit Kabeln drin und tatsächlich finde ich auch schon einen entsprechenden kabellosen Netzzugang im Elektrosmog – ganz großes Kino! Laut der einzigen website, die nach der Verbindung mit diesem Zugang aufgeht, muss ich mich nur registrieren und darf als Bewohner umsonst zwei Gigabyte pro Monat absurfen. Weitere drei gibt‘s für einen geringfügigen Beitrag von fünf Inselmark. Mal sehen, wie schnell der Zugang sein wird. Ich bin, nach dieser USB-Modem Katastrophe ja hochoptimistisch (Da hab ich Mittwoch mal wieder ne Beschwerdemail hingeschrieben, weil sogar so eine einfache Seite wie google eine Minute gebraucht hat, wenn sie denn überhaupt aufgegangen ist – an Internettelefonie war da gar nicht zu denken. Ich hab zwei automatisch generierte Mails bekommen, die keine Antworten auf meine Mail enthielten, dafür aber Links zur Providerwebsite die nicht funktioniert haben – Drecksladen!). Für die Registrierung bei unserem Hauszugang sollte man einen netten Menschen anrufen. Der wusste von nichts und sagte mir, dass ich mir selbst einen Login ausdenken müsste, was auf dieser website aber gar nicht ging (es ist ja nicht gerade so, dass ich das nicht irgendwie erwartet habe, hier auf der Insel;-). Scheinbar hat er aber dafür gesorgt, dass die Hausverwalter uns Mieter mal per Mail informieren, denn eine Stunde später gab es eine entsprechende Rundmail. Mal sehen wann das was gibt…

Festgefahren Ha! Ich hab mein Neubauten-Ticket endlich bekommen! Und der gleiche Ticketversand, der mir schon so oft Konzerttickets über dieses hochgradig sinnbefreite Securemail­unflexibel­unternehmen geschickt hat, hat's endlich sein gelassen und sich für die normale Post entschieden. Geht doch.

Festgefahren Wenn ich schon von Abwechslung rede… Also, das Aprilwetter hier... So was aprilliges hab ich ja noch nie erlebt. Im einen Moment hagelt's, im anderen Moment scheint die Sonne  an dicken, fetten, tiefhängenden Wolken vorbei. Und der Regen macht heut schon den ganzen Tag nicht nass – völlig falsch.   weiter

Feucht Fröhlich war das Wochenende mit Gerald; man hat das zwischenzeitlich geschüttet – und zwar nassen Regen. Nach einem ordentlichen Einstand im Sun in Splendour am Donnerstag, waren wir Freitag in ungefähr neun Plattenläden in Camden. Nein, es müssen 16 gewesen sein. Gefühlte 33. Abends gab's ein Konzert in der City; für £10 gleich fünf Gruppen in nem kleinen Kellerloch. War klasse! Ne super Studentenband (haben klasse gerockt), ne Lärmband deren Sänger lieber hätte den Mund halten sollen, eine völlig profillose Langweilerband (just ganz n' gruselig), The Racket (war klasse) und Star Chamber (auch nett und schick abwechslungsreich – hört mal rein – Landmarks fand ich live klasse, Something That She Said und Kill Me So konnte da jeder mitsingen). Und dann ging's wieder zurück nach Camden, um dort im Electric Dreams Club (hatte ich nicht mal den Film erwähnt;-) auf schwer gute 80er Indie abzurocken. So was will ich für zu Hause. Ach wat war dat schön… Jetzt sind meine neuen Martens auch eingerockt;-)

Samstag waren wir in gefühlten 42 Plattenläden. Diesmal hier in Notting Hill und später in der City. Hier gibt's doch tatsächlich so genannte "Ale-Trails", also "Bier-Pfade": Sechs Stück an der Zahl, an denen verschiedene Pubs liegen. Wenn man in fünfen davon ein Bier trinkt, bekommt man ein Shirt. Ganz großes Motivationskino;-) Eins haben wir geschafft: We toured the Westminster to Piccadilly Ale Trail. Großartig, oder? Sonntag waren wir dann nochmal in Camden. Aber nur in 12 Plattenläden.

"Die gucken hier alle so unfreundlich," meint Gerald. Was einem hier einfach überall auffällt: auf dem Weg zum Bus, auf der Straße und wenn die aus Starbucks rausgucken, im Bus und wenn man angekommen ist auch im Büro. "Die sind hier alle nur für sich." Sonnenbrillenträger im Dunkeln.

Ein paar Sachen musste Gerald hier lassen (Handtücher und Socken), weil er ja jetzt nen Haufen Platten dabei hatte (bei Ryanair darf man nur 10 Kilo Handgepäck dabei haben – ich kenn 23 – Gepäck aufzugeben kostet extra). Aber er ist immerhin ordentlich hier weggekommen (mitten in der Nacht um kurz vor 5, um einen Flug um 7:30 zu kriegen) und war schon fleißig auf der Arbeit - Seelenbalsam. Da sach ich mal: "Gut Nacht!"

 

Geiel! Ich krieg grad ne SMS und bin online!!! Für umsonst und zumindest grade mit 10 Mbit. Das doch was. Da kann ich ja gleich zum ersten Mal ohne Hakler mit meiner Frau telefonieren – ach wat freu ich mich schon...

 

                      

 

    9.4. Wochenmitte

Windoze Ach Du meine Güte! Da vertraut man einmal den Microsoftprogrammierern und schon darf man Windows neu installieren...! Aus irgendwelchen nicht zu erklärenden Gründen habe ich gestern Abend einen Vista-eigenen Datenträgerbereinigungsassistenten gefunden. Der hat mir freundlicherweise angeboten durch das Aufräumen von unnötigen Dateien (Temporäre usw.) etwas Platz auf meiner Systempartitionfreizuschaufeln. Ja, hört sich doch gut an, dacht ich mir und hab mal so einiges angeklickt - Windows wird sich ja selbst am Besten kennen und wird schon wissen was es aufräumen kann. ... ... Schaaade ! ...

Ich wurde schon etwas skeptisch, als meine Desktopicons sowie meine Schnellstartleiste verschwanden und meine Musik nicht mehr abgespielt werden konnte. Da konnteWindows nach dieser Scheißaktion doch tatsächlich nicht mehr hochfahren... Über eine kleine Warnung hätte ich mich ja gefreut... Keine Reparaturversuche waren erfolgreich und der letzteSystemwiederherstellungspunkt war mit dieser Aktion auch gelöscht. Scheißdreck! Es hieß also Windowsneuinstallation... Immerhin bekam ich so mal die Gelegenheit diesen vorinstallierten Müll des Laptopherstellers loszuwerden - jaja, Medaille, zwei Seiten, bla... Heute Abend werd ich also ein paar gemütliche Installationsstündchen einlegen.

Besuch Morgen kommt Gerald. Mal sehen durch wie viele Plattenläden wir tingeln werden - das ist ja hier sein Himmel auf Erden...;-) Nuja, da es regnen soll, ist ein Dach über dem Kopf ja ne schöne Sache. Wird bestimmt lustig. Ich bin gespannt, ob er, so wie Jochen, auch schnell Servicewüsten wahrnimmt. Er war allerdings schonmal einige Tage hier; wird also nicht allzu überrascht sein.

Deutsche Impressionen Ach, letztens hab ich einen deutschen Doktoranden aus einem benachbarten Institut kennengelernt. Seinem deutschen Chef wurde hier ein Labor angeboten. Da haben er und seine acht Doktoranden in Heidelberg alles zusammengepackt und sind hier her gekommen. Jetzt wohnen sie alle zusammen in einem Haus;-) Und schon nach drei, vier Wochen wusste er, dass er in hier nicht für lange Zeit bleiben will: zu schmutzig, zu unorganisiert. Ganz mein Reden...

                      

 

    6.4. Fackellauf im Schnee

Hihi, das war ja großes Tennis! Um 1100BST sollte die Olympische Fackel am Notting Hill Gate vorbeigetragen werden; um 1058BST war ich da - mitten im Schneegestöber. Im April...??? Wieso ziehen die Menschen eigentlich immer so ein lustiges Gesicht auf, wenn sie durch Schneegestöber laufen? Dieses mit den zusammengekniffenen Augen und dem eingefahrenen Schildkrötenhals? Knappe 45 Minuten verbrachten wir damit von einer Straßenseite auf die andere zu wechseln, weil niemand so recht wusste wo die nun lang laufen würden. Wir wurden währenddessen mit Wedel- und Lärmmaterialien versorgt. Ich hab diese lustigen, aufblasbaren Balloon Sticks abgestaubt, die so einen tollen Lärm veranstalten, wenn man sie aneinander schlägt. "Just blow it up and make some noise," sagte die Dame mir – is klar, ne?

Und dann kam sie endlich. Eskortiert von joggenden Bobbies ... und ... da war sie ... auch schon wieder vorbei...
Ich hab sie von vorne gesehen!
Nuja, aber mein blutjunger Fotoapparat... ist ja noch etwas grün hinter den Ohren... Sagen wir mal so... er hat zu früh losgeschossen. War ja sein erstes Mal... Sein erstes großes Ereignis... Er war aber Manns genug noch einen hinterher zu setzen und so hat er sie wenigstens noch von hinten erwischt. Ich bin stolz auf ihn;-) Jetzt schläft er...


 

                      

 

    5.4. Samstag. Wochenende

Kulturschock Man war das eine Woche. Ich hab einen echten Kulturschock erlitten. Nachdem ich zu Hause so viele liebe Menschen um mich hatte und so viel Spaß hatte... ...kam das Labor. Nur Gesichter. ... Lachfalten sind hier rar gesät.

Dienstag war's nur grau... Hat ganz schön geschlaucht Sehnsucht ist die einzige Energie (man, was freu ich mich schon auf das Konzert im Mai).

Donnerstag hab ich mich voll und ganz auf Bewerbungen konzentriert. So fing die Sonne auch langsam wieder an zu scheinen... Alles in allem hab ich die Woche einfach nur kreativlos abgelebt.

Heute hab ich erstmal meinen Sommerzeit-Jetlag hinter mich gebracht und ordentlich ausgeschlafen. Und dann ging's mal wieder raus nach Hampstead – bin dort mal ne andere Runde gelaufen. Mir fehlte nämlich noch das Kenwood Anwesen aus dem Film (jaja, aus Notting Hill;-). Das konnte man sich eintrittsfrei anschauen, aber seltsamerweise durfte man drinnen nicht fotografieren. Ein Verbotsschild hatte ich natürlich nicht gesehen. Statt der Schilder haben die sich aber für ein rundes halbes Dutzend Aufpasser entschieden und einer von denen kam gerade noch rechtzeitig, als ich gerade mein Foto gemacht hatte. Na, meinen Film konnte der mir ja nicht aus der Kamera reißen; so ein Pech (die Büste steht ja wohl voll im Weg - so eine Show...).

War ein netter Weg vom Golders Green, über Kenwood und die Heath nach Hampstead – trotz des Regens. Meine Lebensgeister brauchen das.

Als ich wieder zurück war, hab ich auf der Suche nach der neuen Portishead zum ersten Mal gemerkt wie günstig hier CDs sind (4 für £20 – kein alter Schrott; für die Portishead war ich leider drei Wochen zu früh) und hab anschließend kleine Mädchen erschreckt. Ungläubig Da bin ich doch direkt vor Tescos (nem Supermarkt um die Ecke) von einem Mädel angesprochen wurden – mitte 20 tipp ich: "Sir, kann ich Sie bitte kurz was fragen?" – wedelte gleichzeitig mit nem Flyer – "NEIN!" Sie beschleunigte, lief neben mir und laberte mich mit einem affenartigen Sprechdurchfall voll. "Kennen Sie jemanden der im Krankenhaus liegt? Oder deaf, dumb and blind ist?"   weiter

Taub, stumm, blind? Du bist ja wohl taub Du hohle Nuss! Ich hab doch gesagt, ich will nicht vollgequatscht werden! "NEIN! Ich kenn Niemanden!" "Wenn Sie jemanden kennenlernen, dann geben Sie ihm diesen Flyer und sagen Sie ihm, er soll in diese Kirche kommen."
"IN EINE KIRCHE???"
"... ... ...Ja..."
"NEIN!" ...und gab Ihr den Flyer zurück.

Sie guckte, als ob die dem Teufel persönlich begegnet ist... Arme Nuss.
the fucking curse of the mankind

Terminal 5 Ach, ich hab doch noch einen Kofferberg gefunden – zumindest im Internet. Ich hab ja schwer gelacht, als ich gehört habe, dass die die herrenlosen Koffer tatsächlich nach Mailand geflogen haben, um sie dort sortieren zu lassen. Und die Italiener verbrennen ihren Müll bei uns. Herrlich bescheuerte Welt. Und die haben's in Heathrow doch tatsächlich immer noch nicht hingekriegt;-) Heute mussten schon wieder 24 Flüge storniert werden, weil das Gepäck­sortiersystem ausgefallen ist. Großes Tennis.

Mitten In der Olympiade Oh man! Morgen wird die Olympische Flamme direkt vor meiner Tür vorbei getragen. Die BBC verrät einem sogar die Route und einige Berichte von Protestbefürchtungen, aber natürlich haben die Doofköppe vergessen zu erwähnen wann ich vor die Tür gehen muss. Nicht mal die Startzeit des Flammenlaufs haben die angegeben. Man hat's nicht leicht... Moment... Ach! 1030BST ist ne Uhrzeit...Klar, jetzt fällt's mir ein... die Briten finden Interpunktion blöd (10:30 sieht ja auch so furchtbar aus) und BST steht für "British Summer Time". Das ich das übersehen konnte...

Killerhörnchen und Heilende Steine Kaum zu glauben, was man auf bbc.co.uk alles findet, wenn man was sucht... Da sollen in Russland irgendwelche Killerhörnchen einen Hund gerissen haben. Klimawandel oder Tschernobyl, oder? Und im Weltkulturerbe Stonehenge graben die rum, weil die glauben der Grund für Stonehenge könnte eine heilende Wirkung sein. Ob die dort Aliens mit OP-Kitteln ausgraben? ... Moment, das ist besser: Ganz Großes Kino! Große Kalauer;-)
Hier Auch Was Schönes... Unvergessen...

 

                      

 

    30.3. Sonntag. Es geht wieder auf die Insel

Flughafen Düsseldorf. 16:20 Gerade habe ich alle Kontrollen hinter mich gebracht und bin am Gate angekommen. Mein Flug soll um 16:40 gehen. Weit und breit keine British Airways Leute. Ab und zu taucht neben meinem Flug das Wort "verspätet" auf der Anzeigetafel auf. Niemand weiß Genaueres. Der Flieger ist jedenfalls nicht da und auch keine Info.

Das liegt sicher an der Lisbeth. Die hat ja kürzlich erst das very fancy Terminal 5 in Heathrow eröffnet. Und so well organised wie die Briten so sind, kriegen die die Gepäckverteilung dort noch nicht hin. Ein Berg von rund 15.000 Gepäckstücken soll sich dort laut Videotext stapeln und Flüge werden deswegen verschoben oder gleich storniert.

Scheiße. 18:05 les ich gerade. Wieso bin ich dann schon hier? Ich hätt ja auch gemütlich zu Hause noch was essen können... Das hätten die sich wirklich mal eher überlegen können. Zum Glück hab ich genug zu lesen mit.

16:45 Wie wunderbar... ich wollte mir gerade was zu essen holen und einen Kaffee trinken gehen, aber hier an den Gates komm ich ja gar nicht mehr raus... Ich hab Hunger.

17:40 Ach herrje. Jetzt sind wir schon bei 18:50.

Angekommen Na, immerhin war ungefähr 18:50 endgültig. Wir sind gegen 19:15 gestartet und der Flug war in Ordnung. In London angekommen kamen wir allerdings nicht aus der Maschine raus – die Passagierbrücke streikte. 40 Minuten weitere Geduldsprobe; 35 Seiten meines Buches hatte ich am Ende noch übrig. Ich hab mir ja insgeheim schon riesige Kofferberge an der Ausgabestelle vorgestellt und hatte den Fotoapparat schon im Anschlag – war aber leider nichts. Entweder die haben den Berg abgearbeitet oder schön gründlich versteckt;-)

Am Notting Hill Gate war ich gegen 9:30 pm, also gegen 22:30 deutscher Zeit. Zum Glück haben die brindischen Convenience Stores hier um die Uhrzeit immer noch auf, so dass ich mir ein bisschen Frühstück und daneben mein Abendessen kaufen konnte. Chicken Shish im Fladenbrot. Sowas wie ein Döner advanced, weil frisch gegrilltes Fleisch und dazu Hummus – lecker! Werd ich beides zu Hause definitiv vermissen;-)

 

Ein seltsam vertrautes Gefühl hat mich hier in London angekommen erwartet. Unerwartet. Ich fühl mich hier doch nicht etwa schon ein wenig heimisch...? Das muss ich beobachten.

                      

 

    28.3. zu Hause

Freitag. Schon eine Woche in der MEZ Schön ist es. So viele liebe Menschen. Überall viel Spaß, überall leckres Essen, leckres Diebels ...mit Schaum, schnelles Autofahren ...auf der richtigen Seite, überall ist es gemütlich und aufgeräumt ...und sauber, zu Hause ist Platz, die Natur um die Ecke ...nicht eingezäunt, überall viel Spaß ...so viele liebe Menschen. Zwei Tage bis es wieder auf die Insel geht. Mein Herz bleibt hier... zu Hause



 

                      

 

    19.3. Mittwoch. Der letzte Tag vor meinem Heimurlaub

Ach was freu ich mich schon Gleich fahre ich nach Oxford. Da hab ich ein, zwei Stunden Zeit ein bisschen durch die Gegend zu laufen und mir die vermutlich schöne Studentenstadt mit ihren alten Colleges anzusehen und dann geht's weiter zu einem Fish Konzert. Wenn ich schon in UK lebe, muss ich mir das natürlich auch geben. Und morgen geht's endlich nach Hause. Für zehn Tage. Ich freu mich schon sehr darauf. Auf alles. Auch auf's Autofahren;-)

Da um Mitternacht zufällig meine gebuchte Onlinezeit bei meinem Provider abläuft und ich natürlich erst nach meinem Heimurlaub neue bestellen möchte, werde ich die wunderschönen Fotos die ich in Oxford zweifellos machen werde hier einfach nachträglich online stellen. Also, ich bin jetzt weg. Vielleicht sehen wir uns ja zu Hause... Take care

 

Nachgereicht Und hier sind auch schon ein paar Bilder und ein bisschen Text. Ich hab noch was geschrieben, als ich aus Oxford wieder zu Hause angekommen war. Es war leider schon etwas zu dunkel für ordentliche Fotos. Nur mit Belichtungskorrektur hat meine Kamera noch ein bisschen Licht zaubern können, weswegen die Bilder aber auch nicht ganz so natürlich aussehen... Ich übe noch;-)

So, wieder in London angekommen. Ging ja doch flüssiger, als ich dachte. Ich hatte mir nämlich schon Sorgen gemacht, dass ich aus Oxford so einfach nicht wegkommen würde – war aber kein Problem.

Hinkommen hätte aber einfach sein können... Ich hab mein Ticket für den 16:51 Zug von Paddington nach Oxford nämlich erst um 16:43 gekauft. Passte ja. Allerdings stand auf der Anzeigetafel für diesen Zug nur, dass er pünktlich sei, aber nicht von welchem Gleis er abfährt. Bei anderen Zügen gab's diese Info allerdings. Ich hab nach etwas hektischem Umherirren dann nochmal den Ticketmeister gefragt – war ja knapp dran und der Zug sollte ja gleich losfahren. Sehr zuvorkommend hat er mir dann in äußerst unangenehmer Art und Weise zu verstehen gegeben, dass ich ja wohl blöd sei, weil ich nicht wüsste, dass noch kein Gleis für diesen Zug feststeht und ich nur noch ein bisschen warten müsste. Solche Idioten! Die wissen fünf Minuten bevor ein Zug wieder abfahren soll noch nicht wo der Zug einfahren wird? Hallo? Ja, spinn ich denn?   weiter

Deshalb bestimmt werden die Züge vor so vielen Bahnhöfen erstmal so langsam oder halten gleich ganz an... Die armen Lokführer haben keine Ahnung wo sie hinfahren dürfen. Und so verzögert sich die ganze Fahrt erstmal um diverse fünf Minuten. Ja, das ist doch mal ineffektiv, oder? Kann durchaus sein, dass ich das alles mal wusste, als ich vor vielen Jahren hier zuletzt Zug gefahren bin; hatte ich aber mittlerweile vergessen. Immerhin weiß ich jetzt auch wieder, wieso die Leute hier immer rudelweise so gebannt auf die Anzeigetafeln schauen und dann wie vom Affen gebissen losrennen. Die müssen abwarten, bis die Bahnhofsverwaltung ein Gleis ausgewürfelt hat... Da find ich's aber schon besser von vorneherein zu wissen wo man hin muss und sich gemütlich dort einzufinden.

Aber Oxford ist mal nett. Besteht im Stadtkern ja eigentlich nur aus steinalten Colleges – sehr schick. Da spürt man das Wissen förmlich, wenn man so durch die Gassen schlendert. Beeindruckend. Da muss ich nochmal etwas früher und mit mehr Licht und Zeit hin. Übrigens kann man dort Busfahrpläne mit 18ern und 23ern lesen, nicht mit stumpfsinnigen 6, bzw. 11 pm. Wo soviele schlaue Menschen wohnen, hat sich scheinbar auch die schlauere Uhrzeitangabe durchgesetzt. Geht doch;-)

Und ein schönes Konzert hat der Fish uns gegeben. Er quatscht ja eigentlich immer ein wenig zwischen den Liedern, aber heute halbe Romane. Toll. Allerdings hat man echt gemerkt, dass er vor englischsprachigem Publikum erzählt hat – dat war nämlich gar nich so einfach zu verstehen... Scheinbar hält er sich bei uns im Ausland etwas zurück... Immerhin weiß ich jetzt, dass ne hohe Lichtempfindlichkeit für Konzertfotos auch scheiße aussieht. Da muss ich mir wohl noch was anderes überlegen...

 

                      

 

    17.3. Montag

Full breakfast – voll das Frühstück Oh man, was geht's mir schlecht. Was musste ich denn auch ein englisches Frühstück zu Mittag essen...? Dabei geht es jetzt weniger um die Uhrzeit als um das Essen. Also, zum Frühstück könnte ich das jedenfalls nicht essen - und ich bin da eigentlich nicht so pingelig.

Ich bin ja jetzt schon zehn Wochen hier und da wurde es doch langsam mal Zeit für ein englisches Frühstück. Jetzt musste ich das endlich mal abhaken... Und da man bei unserem türkischen Portugiesen nämlich auch solch ein "Frühstück" bekommt, hab ich es mal gewagt...

Folgendes war auf meinem Teller: zwei große, gebutterte Toast, ein Spiegelei (das Eigelb war noch schön flüssig, wie es sich FÜR Zu Hause gehört), eine Scheibe Speck (bis hier kann ich das auch zu Hause frühstücken, aber es geht ja weiter...), Bohnen in Tomatensauce (ohne würzen aus der Dose), drei Dosentomaten, eine undefinierbare, von Fett triefende Wurst (Weil ich es nicht übers Herz bringe drei "t" hintereinander zu schreiben. War eine Art Bratwurst die nach Brötchenteig geschmeckt hat.) und als Krönung drei Scheiben Blutwurst (heißt ja hier Black Pudding). Klar hab ich aufgegessen! Außer die Tomaten, die waren mir zu eklig.

Ich muss sagen, die Kombination an sich ist total daneben - einfach albern. Passt alles überhaupt nicht zueinander, was hier auf der Insel jedoch sehr oft vorkommt und daher keine Überraschung ist. Was definitiv gut dazu gepasst hätte wäre ein Underberg. Aber sowas gibt es hier ja komischerweise nicht. Auch kein britisches Äquivalent. Dabei würde der sich bei dem Essen hier sicher gut verkaufen. Jedenfalls grummelt mein Magen schon die ganze Zeit bösartig - wat is mir schlecht...

Signs Jetzt muss ich Euch endlich mal ein paar Schilder zeigen (auch wenn noch einige Handyfotos dabei sind). Den britischen Humor kennt man ja. Aber, bei einigen Schilden hier krieg ich mich manchmal nicht mehr ein. Ich mein, was soll das da auf dem gelben Schild? "Für meine eigene Sicherheit wurden dort drei Fußgänger umgebracht?" Hallo? Ich brauch mehr Informationen...! Wer? Und warum überhaupt? Also, ich bin ja schon etwas interpunktionsgestört, aber hier würde sich ein Ausrufezeichen doch ganz schick machen, oder? Und muss ich wirklich auf grüne Männchen warten bevor ich die Straße überqueren kann? Na, dass kann ja dauern... Wie war doch gleich diese Tonfolge aus "Unheimliche Begegnung der dritten Art", die für "HELLO" steht? Kann mir das mal einer zumailen? Vielleicht würd das ja die Wartezeit etwas verkürzen...;-) Und wenn der Alien blinkt soll ich nicht über die Straße gehen? Da ruf ich doch nen Krankenwagen! Also!

Oder dieses weiß-rote Schild auf dem Müllwagen (ja, hier holt tatsächlich auch mal jemand den Müll ab)... Muss man Müllmänner wirklich vor Ort nochmal daran erinnern bloß nicht in den Laster zu steigen, wenn die Presse an ist? Sollten die das nicht auf der Müllmannschule gelernt haben? Und wo bleibt eigentlich der gesunde Menschenverstand? Kann der nicht schwimmen? Ich mein, wir sind ja hier auf ner Insel...

Dieses Schild vor nem Pub find ich auch schön: "Wenn man aussieht, als ob man noch nicht 21 ist, muss man nachweisen, dass man über 18 ist?" ... Das lass ich jetzt mal so stehen...    weiter

Markennamen Und noch was Seltsames... Was haben die Briten eigentlich mit ihren Marken? Ich geh natürlich davon aus, dass bei uns alles normal ist. Speziell mit Kosmetik- und Putzmittel: Axe heißt Lynx, Hakle heißt Andrex, Rexona heißt Radox, Viss heißt Cif (übrigens gibt es hier Spülmittel von Persil – das ist doch von Henkel, oder? Wieso gibt's hier was, was es bei uns nicht gibt...?). Und alles sieht aus wie zu Hause, nur die Markennamen sind anders. Immerhin wird hier Müller auch mit "ü" geschrieben... Aber Opel ist hier Vauxhall... Schon komisch, nen stinknormalen Astra mit nem anderen Logo zu sehen. Gut, laut website gehört Opel schon seit den 30er Jahren zu General Motors, aber wieso wird ein und das selbe Auto nicht überall unter dem gleichen Namen vertrieben?

Vielleicht könnte man denen ja auch den Euro unterjubeln, wenn wir irgendwo Pfund drauf schreiben. Meinetwegen könnte er auch aussehen wie die britischen Pfund. Hauptsache ich muss dann nicht mehr mit diesem üblen Wechselkurs leben;-) Jaja, wir haben es ja auch überlebt die gute Deutsche Mark nicht mehr zu haben. Und dabei haben wir noch ein schickes Thema zum Meckern dazu gekriegt. Das ist doch was...

Da fällt mir grad ein... wer baut eigentlich die britischen Taxen? Oder Taxis? Ne, oder? ... LTI, les ich gerade, "London Taxi International" heißt die Firma. Tatsächlich ne eigene Marke... Für nur 43k€ kann man sich ein eigenes britisches Taxi kaufen. Kleinerer Wendekreis als ein Smart ForTwo? Beeindruckend... Schaut selbst

Service Wash Ach, gestern war mal wieder Waschtag. Sollte er jedenfalls werden. Ich hab mittags meine Reisetasche voll Wäsche gepackt und bin die ganzen vier Etagen runter, um zu sehen, dass die Maschine besetzt war (braucht in der Regel eine Stunde). Komischerweise zeigte das Display keine Zeit an, so dass ich nach ner halben Stunde noch mal gucken gegangen bin. Jetzt sollte die Maschine noch acht Minuten laufen. Ich hab also meine Wäsche dort gelassen und bin nach rund 15 Minuten nochmal runter gegangen – man muss den Leuten ja Zeit lassen die Maschine auszuräumen. Da hatte doch tatsächlich jemand einen Lauf gestartet – wieder ohne Displayzeit; bestimmt hat jemand nen Schlüssel für die Maschine (eigentlich muss man ja £3 pro Fahrt bezahlen).

Ich bin dann erstmal mit dem Bus zur Arbeit gefahren, um meine Zellen für heute vorzubereiten. War völlig umsonst, da die Zellen die ich Freitag bekommen habe nicht im Traum daran dachten vernünftig zu wachsen – komisch ist das hier. Also, fast zwei Stunden meines Lebens vergeudet.

Als ich wieder da war, hatte jemand drei Minuten vorher die Waschmaschine angemacht.

Das war's. Jetzt hatte ich die Nase voll! Ständig hoch und runter, dann drei Pfund bezahlen, um seine Wäsche mit fremden Fusseln (etc) zu kontaminieren und nach der "Trocknerfahrt" muss ich die feuchte Wäsche trotzdem noch über Nacht auf Stühlen, Schranktüren sowie Schubladen- und Kofferkanten aufhängen. Ich hatte die Schnauze voll!

Heute Morgen hab ich meine Reisetasche voller Wäsche um die Ecke zur Reinigung gebracht und heute Abend gewaschen, komplett getrocknet und zusammengelegt zurückzubekommen. Sogar die Sockenpaare kennen sich schon. Das alles hat mich £8 gekostet. Verdammt, hätte ich das vorher gewusst...

 

                      

 

    15.3. Etwas Schreckliches ist geschehen...

Meine Martens sind tot Ist das nicht furchtbar? Ich habe mein treuen Weggefährten ersetzen müssen und sie noch vor dem Shop zurückgelassen. Mir blutet das Herz. Ein trauriger Moment. Für jeden Martensträger... Gedenkt mit mir...

 

Die ersten Anzeichen gab es vor einigen Monaten. Sie bekamen Risse. Zwei Wochen ist es jetzt her, da passierte es und ich wusste, dass sie nicht mehr lange machen würden: Ich habe Blasen in meinen guten, alten Doc Martens bekommen... Völlig totgelatscht. Jetzt, auf dem Höhepunkt ihres Aussehens. Es war ja so furchtbar...

Heute, am 15. März 2008 habe ich sie ein letztes Mal getragen. Bis zum Martens Shop beim Covent Garden. Und, ganz ehrlich, als ich ihre Nachfolger anprobiert habe, ging ein asiatisches Pärchen an ihnen vorbei und ist stehen geblieben, um sie zu bewundern. Erst hat das Mädel ihren Freund auf sie aufmerksam gemacht, beide verharrten fast eine lange Minute und als sie weiter gingen, musste er nochmal zurückschauen. Nein, sie haben sich nicht nur darüber gewundert, wie jemand solch ausgelatschte Schuhe tragen kann! Hallooo! Wir waren in einem Doc Martens Shop und das waren die coolsten Schuhe in dem Laden! Of course waren sie voller Ehrfurcht!

Das war ein stolzer Moment. Machte es aber nicht leichter... Traurig.

 

Nun habe ich neue Docs. Auch schwarz, Zehnloch und made in UK! Nicht in Thailand. Daher auch aus anderem Leder. War natürlich ne Mark teurer...

Und wie es sich gehört, hab ich mir schon die Hacken wund gelaufen.

 

                      

 

    14.3. Ein grauer Freitag

So ein Scheißtag! Ich hab schon den ganzen Tag leicht blöde Laune. Der trifftigste Grund ist wohl "nur", dass ich im Labor viel zu wenig zu tun habe, bzw. alles irgendwie aufgehalten wird. Und da ich ja einem gewissen Zeitdruck unterliege, denn ich arbeite hier ja voraussichtlich nur bis Anfang Juli (ob ich will oder nicht, Andy hat jedenfalls noch kein weiteres Geld) und trotzdem ein paar Ergebnisse produzieren möchte, geht mir das geringfügig gegen den Strich.

Da fällt mir grad auf: was soll das eigentlich bedeuten? Meint man damit ÜBER den Strich? Das hat doch nicht etwa damit zu tun, dass die Briten ihr Bier über den Skalenstrich hinaus füllen? Kann man hier ja beanstanden, wenn zu wenig Bier im Glas ist... Das müsste ja dann im Umkehrschluss bedeuten - 17 Ecken später, dass die hier glauben sie MÜSSTEN dafür sorgen, dass es mir über den Strich geht. Stop! Hört sofort auf damit! ... Na, vielleicht lassen wir das besser... Ist ja doch viel zu flach; solch ein Strich;-)

Ach, als ich letztens nachts im Lab war, hatte ich ja etwas mehr Ruhe für Fotos die ich jetzt nachreiche... Damit ihr mal wisst, wie viele Augen ich hier ständig zudrücken muss...

MorgenarschLöcher Heut morgen saß ich schon in einem Bus in dem mal wieder alles extrem laut geklappert hat – echter Lärm! Dort in Ruhe lesen geht gar nicht. Der Busfahrer fuhr aber auch wie bekloppt. Wieder einer von der Sorte, die rast wie doof und jeden Bordstein mitnimmt. Dem musste ich fast vor den Bus springen, um ihn dazu zu bewegen an meiner Haltestelle anzuhalten (eigentlich eine an der man nicht winken muss); so ein Pisser!

Lärm² Im Labor gab es dann schon wieder diesen krassen Feueralarm: im Intervall (muss man nicht ernst nehmen), eine sehr schrille Klingel, extrem laut, eine im Büro, eine in jedem Labor, mehrere auf den Gängen und das mehr als 15 Minuten – warum auch immer. Ich sag Euch, wenn man eh schon ein permanentes Klingeln im Ohr hat (Dank ans Kölner Fish Konzert zu meinem Dreizigsten nochmal), dann kommt das einem echten Nervenakt gleich.

Und im Labor hatte ich fast nichts zu tun. Jetzt muss ich für das eine Projekt auf Zellen warten und für ein anderes auf einen Antikörper. Irgendein Vollfriseur hat den den ich brauche nämlich umgebracht, indem er ihn schon vor einer halben Ewigkeit nur im Kühlschrank statt bei den vorgeschriebenen -20° gelagert hat (da hatte sich wohl jemand unheimlich Arbeit vorgenommen und dachte er brauche ihn ständig). Tja, für eine kurze Zeit macht Kühlschranktemperatur in der Regel nicht viel aus, aber, wenn es um viele Monde geht... Ich hab schon ein paar Klonierungen angefangen, die ich erst in 6–10 Wochen brauche.

Nur für Spaß Auf der Suche nach Beschäftigung hab ich Andy letztens ein Experiment vorgeschlagen, dass ich "nur für Spaß" machen wollte (Ach Du meine Güte! Ich bin Mortenisiert! Viele Grüße ans Düsseldorfer Lab;-). "Ich brauch nebenbei 2–3 Wochen, wir haben alles, es ist nicht teuer... Und es könnte was Verwertbares rauskommen..." Ne, wollt er nich. Weil, er glaubt ja nicht an das mögliche Ergebnis und ins aktuell angedachte Paper passte es auch nicht so gut. ... Man hat's nicht leicht...

Bei einem anderen Projekt hab ich für einen kleinen parallelen workaround plädiert, um für mich ja wertvolle Wochen (schätze vier) zu sparen. Ne, wollt er auch nich. Entspricht nicht dem ursprünglichen Plan.

Andere Postdocs fragen sich jetzt vielleicht, wieso ich das alles nicht trotzdem mache. Nun, einerseits brauche ich fremde Zellen und Plasmide und andererseits bin ich in den spärlichen sechs Monaten hier um für Andy zu arbeiten, nicht um meine eigenen Brötchen zu backen. Üblicherweise herrscht ja ein einfaches Gleichgewicht: dem Chef liegt etwas daran sein Projekt weitergetrieben zu sehen, während sich der Postdoc an den Papern labt und eh irgendwann das Thema weil Labor wechselt. Bei nur sechs Monaten Forschungszeit liegt das Gleichgewicht eher auf der Chefseite und ich freue mich, wenn wir ein Paper hinbekommen und vielleicht ein anderes anschubsen. Da scheint es mir erfolgversprechender dem schon in Andys Kopf gereiften Paper zuzuarbeiten. Meine Arbeit hier wird sicher in dem ein oder anderen Paper auftauchen. Auch wenn ich mich gerade frage, wieso Andy zurzeit noch mehrere Paper zusammenschreiben will / muss, obwohl er ja offensichtlich Probleme mit der Geldbeschaffung hat – wer schreibt, der bleibt, gilt nämlich auch hier...

Arbeiten ohne Nähkästchen? Ich will jetzt mal loswerden, dass es mir langsam gehörig auf den Sack geht mir ständig diese kindischen Lästereien über unseren Chef anhören zu müssen. Ich bin und war schon immer der Meinung, dass sich ein Chef keinen Respekt verdienen muss. Er hat ihn, weil er Chef ist (nein, ich bin nicht obrigkeitshörig; hat ja auch gar nichts damit zu tun). Gut, das sagt natürlich nichts über den Verlust von Respekt; soll es auch nicht.    weiter

Ich finde es beispielsweise auch gar nicht unverschämt, dass unser Chef wissen will, was seine Postdocs so tun (hatte ich, glaube ich, schon mal erwähnt). Ich finde unsere Besprechungen eigentlich recht angenehm - Andy ist ein netter, sehr umgänglicher Mensch, der definitiv weiß was er tut. Arsen hat dafür allerdings keine offenen Ohren. Dienstag aber endlich konnte ich ihm, nach unserer Besprechung mit Andy, zum ersten Mal ein "stimmt, heute war es gar nicht so schlimm" raus leiern;-)

Ach, Arsen hab ich, auf meiner Suche nach Beschäftigung noch angeboten, dass ich ja seine Mikroskopie übernehmen könnte, falls er mikroskopieren nicht leiden mag (ich erinnere mich ja noch gut daran, dass er sein Buch gelesen hat, während ich unsere Zellen mikroskopiert habe). Wollt er nich. Na, dann muss ich halt warten... Ich warte bis es nichts mehr zu warten gibt.

Und zur Krönung dieses sinnbefreiten Tages auch noch diese Projektpräsentation gerade... Hitoschi hat sein Projekt vorgestellt, fast nur im kleinen Rahmen unserer Arbeitsgruppe. Und was passiert? Ich stell ne dumme Frage. Dumme Fragen gibt es nicht? Seh ich genau so, aber ich kam mir ziemlich dumm vor. Vor allem, weil sonst niemand außer Jenny seinen Mund aufgekriegt hat (ist immer ein sehr schüchterner Haufen, was eigentlich jeden erdenklichen Elan einer Diskussion verhindert – schon komisch). Für dumme Fragen muss ich natürlich mehr oder weniger ins Detail gehen (für alle die kurz abschalten wollen: hier drücken;-): Hitoschi möchte ein Enzym sequenzspezifisch an DNA binden. Für die Sequenzspezifität benutzt er vier sequenzerkennende Proteine und hängt sie einfach an sein Enzym dran. Und da das Enzym nur als Dimer, also zu zweit, arbeitet, braucht er noch ein Enzym mit vier anderen Proteinen, die auf der anderen Seite der DNA, gegenläufig eine andere Sequenz erkennen. Von links nach rechts haben wir also vier Proteine, ein Enzym-Monomer, das zweite Enzym-Monomer auf der anderen Seite der DNA und dahinter die vier anderen Proteine. Auf der einen Seite hat er "left-handed" Proteine verwendet, auf der anderen Seite "right-handed". Also sowas wie "links- und rechtshändige, bzw. -gängige" Proteine – dacht ich jedenfalls. Ich kannte links- und rechtsgängige Aminosäuren, die zwar die Bausteine der Proteine sind, aber von entsprechenden Proteinen hatte ich noch nichts gehört (nein, es geht hier nicht um links- und rechtsdrehenden Joghurt). Ich hab eine unterschiedliche Proteinfaltung vermutet und das erstmal so hingenommen, auch wenn ich keinen Sinn darin gesehen habe unterschiedlich gefaltete Proteine zu verwenden, nur weil man sich auf zwei Seiten der DNA befindet, die de facto gleich aussehen. Als er dann noch erzählte, dass seine left-handed Proteine nicht funktionieren, die anderen aber schon, und dass er eine unheimliche Arbeit investieren will, um die Linken auch noch ans Laufen zu bekommen, musste ich später natürlich nachfragen: "Wieso könnt ihr auf der anderen Seite nicht auch right-handed Proteine nehmen? Ist doch egal auf welcher Seite der DNA ihr Euch befindet. Man kann ja auch die gezeigte Zeichnung umdrehen." Die Frage hat einfach mal keiner verstanden und ich kam mir saudoof vor. Ich hätte vielleicht erstmal fragen sollen, wo der Unterschied zwischen den left- und right-handed Proteinen besteht, denn dann hätte Hitoschi mir sicher gesagt, dass sie die Proteine auf der linken Seite des Enzyms auf der Zeichnung "left-handed" genannt haben und die auf seiner rechten Seite "right-handed". Sowas Blödes. Und da soll einer drauf kommen, wenn man ne andere Vorstellung von Links- und Rechtshändigkeit hat. Links und rechts auf der Zeichnung. Ach herrje... Wäre mir bei "handed" im Traum nicht eingefallen. Ich hätte sie von eins bis acht durchnummeriert, wobei diese Proteine sicher schon acht eigene, individuelle Namen haben, da sie ja alle ein unterschiedliches Sequenztriplett erkennen. Nuja, is gut jetzt und eh nicht mehr zu ändern.

Mit Andy und Hitoschi konnte ich danach noch darüber lachen, aber trotzdem mag ich sowas ja gar nicht...

Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen...

However. Jetzt bin ich zu Hause und hör die Smiths. Lief nämlich grad bei meinem Weinhändler um die Ecke. Cheers sag ich!

 

                      

 

    13.3. Johanna

Ach ja... wieder allein. Aber ein schönes Wochenende hatten Yvonne und ich. Erst ein Editors-Konzert, dann der Geburtstag meiner kleinen Elster (oh, wie schön das funkelt;-), das Windsor Castle (wir hatten uns irgendwie vorgestellt, dass es ganz weit im Grünen liegt und weit und breit kein anderes Haus zu sehen ist), der schicke Kew Garden (Londons botanischer Garten der uns zusammen schlappe 64,- DM Eintritt gekostet hat) und natürlich leckere Pubs sowie andere schöne Sachen.

Ich hatte es fast nicht für möglich gehalten und muss es deshalb auch erzählen: bei den Kew Gardens haben wir das erste natürliche Themse-Ufer gefunden. Wenn man andererseits nämlich mit nem Boot auf der Themse den ganzen Weg nach Greenwich schippert, sieht man eigentlich nur gemauerte Uferwände - schwer hässlich. Schön, dass es hier auch noch anders geht.

Aber mal was anderes: nächste Woche komm ich für zehn Tage nach Haus!-)

Fliegen ist doof Yvonne sitzt gerade im Flieger. Später als wir dachten, denn heute ist Donnerstag und sie wollte eigentlich schon Montag fliegen. Zusammen mit Johanna. Die war allerdings in Höchstform und fand es gar nicht gut, dass meine Frau mich schon wieder alleine lassen wollte. Netterweise hat sie erstmal dafür gesorgt, dass der Zug zum Flughafen in Stansted nicht fahren konnte (Wie Orkane halt so sind;-) Hat vermutlich wieder mit irgendwelchen Bäumen gespielt...). Am Bahnhof haben sie meine arme Frau zu irgendeinem anderen Bahnhof geschickt, wo sie einen Bus zum Flughafen nehmen sollte - währenddessen hab ich versucht mit der Fluggesellschaft zu telefonieren. Leider war der erste Bus voll und sie musste auf den nächsten warten (hat natürlich niemanden interessiert, dass Yvonne dabei war ihren Flug zu verpassen). Mittlerweile war so viel Zeit vergangen (rush hours und Orkane sind in London kein Geschenk), dass Yvonne rund ne halbe Stunde geblieben war, um zum Flughafen zu kommen, ihren Koffer aufzugeben und den Flieger zu besteigen. Leider fahren diese Busse schon ohne viel Verkehr rund 75 min - schön blöd also. Und ich hatte mittlerweile in Erfahrung gebracht, dass man für eine Umbuchung bei Germanwings 1. zwei Stunden vor dem Abflug hätte anrufen müssen und 2. man dafür eh mehr Glück braucht als wir. Einen neuen Flug durften wir also komplett bezahlen.

Der Heiße Draht Und es war ja so schön sich mit dem überlasteten Mobilfunknetz auseinanderzusetzen... Ich hab mit meinem deutschen Handy mindestens ein Dutzend mal versucht eine Verbindung mit der Gemanwings­Hotline zu bekommen. Nach einem längeren Warteschleifen­aufenthalt und diversen Entscheidungen ("drücken Sie die Zwei, wenn sie sich nicht sicher sind oder sagen Sie 'yes', wenn Sie neu buchen wollen..." Sagt mal nichts anderes als "yes" in einem stillen Großraumbüro;-) durfte ich mich dann auf indisch endlich nach Yvonnes Flug erkundigen: "N wie November?" "Ja, sogar doppelt." "... Nein. Wie war nochmal die Flugnummer? Ach doch. Da is sie ja. Ja, der Flug soll stattfinden. Nein, da können wir nichts machen. Der nächste Flug heute Abend kostet £155." Ein riesen Haufen Geld also und es war nicht mal sicher, dass der Flug stattfinden würde - es wurden ja zig Flüge gestrichen... Also hab ich mich woanders umgesehen. Ryanair listet für den aktuellen Tag online keine Flüge auf - die für die nächsten Tage waren mit £40-60 allerdings recht vielversprechend. Also hab ich da auch angerufen. Nach dem fünften Mal schon kam ich durch, hab rund 15 Minuten lang etwas Werbung und blöde Musik gehört, hab auf die Zwei gedrückt und die Verbindung wurde unterbrochen.    weiter

Danach war entweder besetzt oder ich kam gar nicht erst durch. Irgendwann allerdings gelang es mir und ich wurde von einer netten Dame auf Deutsch begrüßt; sie hatte wohl meine deutsche Nummer bemerkt (Wieso musste ich bei der deutschen Germanwings eigentlich Quasienglisch - war ja indisch - sprechen und bei der britischen Ryanair Deutsch?). "Das tut mir leid. Der einzige Flug heute kostet 255€." Yvonne war zu dem Zeitpunkt kurz davor den nächsten Bus nach Stansted zu besteigen, wovon ich sie gerade noch abhalten konnte, denn in Stansted gab's ja so schnell nichts. Astrid, ihre Chefin, hat ihr telefonisch einen schönen Zwangsurlaub gewünscht und zusammen mit ein bisschen Heimarbeit konnten sie sich darauf einigen, dass Yvonne den erschwinglichen Ryanair-Flug am Mittwoch nimmt.

Blöderweise fand ich bald heraus, dass meine Frau zu viel in den Koffer gepackt hatte (wer hätte damit gerechnet?), denn bei Ryanair darf man nur 15 Kilo mitnehmen (jaja... Schuhe sind schwer...;-). Übergepäck macht 10€ pro Kilo; überhaupt einen Koffer aufzugeben scheint übrigens schon extra zu kosten. Nun ja, die gute British Airways hatte einen anderen Flug an dem Tag, der, rechnet man Transportkosten von London nach Stansted, von Weeze nach Düsseldorf und die Koffergebühren bei einem Ryanair-Flug zusammen, nur rund £15 teurer war. Und man fliegt vom, gemütlich mit der U-Bahn zu erreichenden, Flughafen Heathrow direkt nach Düsseldorf und spart so viele Stunden Zeit, Nerven und kriegt noch ein Frühstück.

So ein Palaver wegen nem Sturm! Hat Andy auch gesagt: "What a palaver!" Fand ich lustig;-)

Mittwochmorgen hatten sich die Nerven auch schon einigermaßen entspannt. Hielt aber nicht lange, denn der British Airways-Flug wurde gecancelt. Hier gab's nämlich immer noch ein bisschen starken Wind. Alle anderen Flüge gestern waren schon voll besetzt. Also musste sich meine arme Frau beim Telefonat mit Astrid leider völlig doof vorkommen und ist heute Mittag geflogen. Hey,und wie ich gerade erfahren habe ist sie tatsächlich zu Hause angekommen.

Na, immerhin ist der Rest von Johanna noch hier. Sowas wie ein Johannilein. Kann aber schön regnen.

Einschreiben Ach, ich hab endlich herausgefunden wie ich hier meine Post von dem dämlichen Securemail-Verein bekomme (musste ich auch dringend, da ein Konzertticketversand hier auch sein Geld verschwendet und diese alberne Firma beauftragt, statt mich die Karten direkt vor dem Konzert abholen zu lassen – Vollpansen!). Ich muss nur eine Lieferung zur Arbeit vereinbaren und bei den freundlichen Menschen an der Hauspostrezeption (ja, sowas gibt es hier) meinen Perso rumliegen lassen. Die dürfen dann unterschreiben, ohne dass ich das ausdrücklich erlaube und alles wird gut. Die gucken immer lustig, wenn ich denen meinen Perso in die Hand drücke (die kennen sowas ja noch nicht): "Was'n das? Ein Führerschein?" "Ne, mein schörman identity card. Kriegste auch bald."

Und eins will ich hier mal loswerden: nur, weil der Euro grad auf nem Höhenflug ist, verdiene ich umgerechnet immer weniger! Es geht hier schon um über hundert Euro pro Monat...;-(

 

                      

 

    5.3. Wochenhalbzeit

Man, war das ne Aktion am letzten Donnerstag. Ich musste nämlich am Mittwoch mit meinen Zellen in einen anderen, alten Inkubator in einem anderen Labor umziehen. Ich weiß nicht, ob er vielleicht falsch kalibriert war oder ob die Mondphase einfach nicht passte, jedenfalls mochten meine lieben Zellen das mal so gar nicht und haben über Nacht nicht wirklich an Fortpflanzung gedacht. Vielleicht hatten sie einfach Besseres zu tun oder waren nicht in Stimmung - man steckt ja nicht drin... Jedenfalls konnte ich mein Experiment mit anschließender sechsstündiger Inkubation erst gegen 19 Uhr abends starten. War aber nicht so schlimm, denn ich wollte ja noch auf's Client-Konzert in der City (konnte ich mir für £10 natürlich nicht entgehen lassen) und war deshalb eh noch recht spät unterwegs.

Das Konzert war klasse! Ne richtig gemütliche Atmosphäre in nem kleinen Raum und alle drei Vorbands waren richtig gut: Irgendeine junge Rockband namens Atomizer, ein Typ der sich ernsthaft mit nem Laptop und nem kleinen Casio Keyboard auf die Bühne gestellt und tatsächlich gute Musik gemacht hat (sah gar nicht aus wie ein Joe Dangerous;-) und die Dragons - klasse! Die hab ich mir mit Jochen zusammen auch nochmal am Samstag in Camden gegeben. Hat sich schwer gelohnt. Die Client-Mädels haben auch nett gerockt - schüchterner als ich dachte;-) Aber eins weiß ich nun: was Fotos mit wenig Licht und bewegten Motiven anbelangt muss ich noch ein bisschen üben...

Nachtarbeit Fertig waren die gegen 23:30, so dass ich genügend Zeit hatte zur Tube und dann schnell ins Lab zu kommen (fahren in etwa bis 0:30). Dachte ich jedenfalls. Der Bus zurück zur Tubestation fuhr nämlich nicht dort lang wo ich vorher ausgestiegen war, da die Straße eine Einbahnstraße war. Ich wusste natürlich nicht, wo die Gegenrichtung zu finden ist und hab mich selbstverständlich erstmal für den falschen Weg entschieden. Also zurück und nach diversen Minuten hab ich auch endlich eine Haltestelle gefunden. Da es schon kurz vor Zwölf war, hab ich mich in den erst besten Bus geschwungen, dessen Fahrer mir versichert hatte, dass er an der Liverpoolstation halten würde. Also, ich hab keine Ahnung, ob er dort gehalten hat. Ich hab die Station jedenfalls nicht wiedererkannt und er hat mich auch nicht auf die Haltestelle aufmerksam gemacht. Stattdessen hat er an einer anderen Tubestation gehalten, so dass ich dort erstmal mit einer anderen Bahn zur Liverpoolstation fahren musste, um dann dort umzusteigen. So ein Penner! Um 0:33 stand ich am Bahnsteig der Centralline, die in der Nähe der Klinik hält, aber meine einzige Gesellschaft waren drei kleine Mäuse. Die letzte Bahn hatte ich verpasst.

Ich musste also mit irgendwelchen Nachtbussen von Zentralost- nach Nordwestlondon. Hat auch nur anderthalb Stunden gedauert (statt ne viertel Stunde; und ich war müde).

Na, immerhin sahen meine Zellen gut aus und nach rund 45 Minuten war ich fertig mit der Arbeit, ging zur Bushaltestelle und konnte dem Bus hinterher winken. Auch verpasst.    weiter

Und nachts fährt nur eine Linie und das halbstündig. Ich musste also nur ne halbe Stunde frieren (immerhin hat mich das wach gehalten) und schon kam der nächste Bus. Er hielt natürlich nicht direkt vor meiner Haustür und da ich einen 25minütigen Spaziergang in der Kälte vermeiden und schnell ins Bett wollte, wollte ich in einen anderen Bus umsteigen. Leider fuhr die gewünschte Linie auch nicht häufiger, so dass ich 15 Minuten an der Haltestelle stand und dann in einen ganz anderen Bus gestiegen bin, von dem ich dachte, dass er auch bei mir halten würde. Tat er aber nicht. Vertan. Dumm gelaufen. Ich bin dann viel zu weit gefahren, hab eine Haltestelle wiedererkannt, bin ausgestiegen, bin von dort mit der gleichen Buslinie zurückgefahren, die ich auch schon von der Klinik aus genommen habe und habe letztendlich doch den 25minütigen Spaziergang in der Kälte hinter mich gebracht;-) Ja, ja, call me Schaaf. Mein Hirn war so gegen 2:57 an der Bushaltestelle eingeschlafen und um 4:15 machte auch der Rest von mir die Augen zu.

Laune Ach,war das ein schönes Wochenende. Von Freitag bis gestern war Jochen hier und hat ordentlich Spass mitgebracht. War klasse! Da war vom Bootfahren, dem Nullmeridian in Greenwich besuchen, über einem Konzertbesuch, bis zur ausgedehnten Pubkultur alles dabei.

Ja und hömma, ich hab mich mit Kommentaren zum Londoner Seltsam ja vorbildlich zurückgehalten und guck an, der Josef fand auch recht schnell, dass London mehr aus sich machen könnte. Das Wort Servicewüste ist auch häufiger gefallen... (irgendwie beruhigt mich das ja;-)

Und heute kommt Yvonne. Falls sie denn einen Flug bekommt, denn das "Service"-Personal streikt. Böse Falle. Dabei wurde ihr gestern telefonisch versichert, dass ihr Flug planmäßig starten würde. Und was ist? Nix is! Arschköppe! Jetzt hängt sie mindestens vier Stunden länger am Flughafen in Köln rum und weiß nichts Definitives über den eventuellen Ersatzflug heute Abend... Na, der Weißwein ist kaltgestellt und morgen zum Editors-Konzert wird sie sicher da sein und übermorgen müssen wir ja auch ihren Geburtstag feiern (Jaaa, ich hab ein Geschenk. Und es glitzert auch, wie es sich für meine Indianerfrau gehört;-).

 

 

                      

 

    27.2. Little Earthquakes

Das gibt's doch nicht! Hat man denn hier nie seine Ruhe? Ich sitz gestern abend gemütlich auf meinem Bett, als plötzlich mein Bett anfing zu wackeln. Nein, ich war wirklich allein. Nein, ich war's nicht. Es waren auch keine Tiere in meinem Bettkasten (vermute ich jedenfalls, denn ich habe ja immer noch nicht nachgeschaut).Es war tatsächlich ein Erdbeben. 5,2 auf der Richterskala, irgendwo in Lincolnshire (mittleres Inselrechts).

Ich erinnere mich an mein erstes Erdbeben in Deutschland. Ich war in der Mittelstufe, muss also rund 15 Jahre her sein (ich wollt ja erst 15-20 schreiben; aber nichts in meiner kleinen Welt kann schon so lange her sein...;-). Da wackelte auch das Bett, Plattentektonik sei Dank – ein großes Pausengespräch! Wir Mitteleuropäer, mit unseren wohlerzogenen Wetter und Katastrophen, sind sowas ja gar nicht gewöhnt. Ein echtes Abenteuer hier auf der Insel...

Ein bisschen Arbeit Heute hab ich endlich mal gescheit was zu tun gehabt. Hab das Abenteuer "Westernblot", mit unbekanntem System, in neuem Labor angefangen. Mal sehen, was das gibt. Ist ja immerhin eine Sache, weswegen Andy sich gefreut hat, dass ich bei ihm anfange, wegen meiner schönen Westernblots;-)

Schad ist nur, dass, ganz typisch Forschung, ich leider die Vorarbeit meines Kollegen bis lang nicht wirklich reproduzieren konnte. Und dabei geht es nur um Mikroskopie, also 'what you see is what you get' und nicht um voodooartige Methoden und Rezepte.    weiter

Nu ja, ich glaub ja, es liegt nur an der Umgebungstemperatur (ich bin ja freundlich), aber Andy macht sich wirklich Sorgen, da er die Daten schon in trockenen Tüchern wähnte. Und ich hätte jetzt schon einige Wochen meiner hier womöglich spärlichen Zeit vergeudet. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass diese Sache meinen Kollegen nicht wirklich kratzt. Das lass ich jetzt mal so stehen. Nein, ich setzt noch ein paar Punkte dran... Und ich sag mal ein "schade".

Indifference Diese "Arbeitsbesprechung" letzten Donnerstag war auch komisch und irgendwie schade. Jenny hat ihre Daten vorgestellt. Zugehört hat unsere Arbeitsgruppe und die Gruppe von Simon, Andys Bürokollege. Außer Simon hat von denen niemand auch nur irgendeinen Senf zu Jennys Arbeit abgegeben und noch viel seltsamer, auch nicht zu Andys Vorschlägen zur Organisation solcher Meetings. Seltsam anteilnahmslos.

Jedenfalls, bei diesem Fortschrittstempo wird es nicht sehr einfach genügend Daten für ein Paper zu produzieren. Es sind noch so viele Basics zu erledigen... However; ich bleib dran.

Anbei zumindest ein paar nachgelieferte Fotos. Muss die Kamera ja ausnutzen;-)

 

 

                      

 

    26.2. Montag war gestern

Ach ja... Yvonne ist seit gestern wieder zu Haus. Das bedeutet, dass ich wieder alleine in irgendwelchen Pubs rumhängen muss (zum Abendessen, klar oder?). Freitag kommt aber schon der Jochen und will mich vom Lesen abhalten. Da freu ich mich doch schon drauf;-)

Ein ganz großes Highlight ist jedenfalls, dass Yvonne mir ne ordentliche, völlig großartige und trotzdem schick kleine Kamera mitgebracht hat. Ich kann also endlich Unmengen großartigster und manchmal sogar scharfer Fotos online stellen;-) Zu erst mal natürlich von unserem bunten Wochenende...

Ein schönes Wochenende hatten wir. Zwar hat sich die Sonne etwas geschämt uns zu zeigen (sind ja recht zurückhaltend, die Briten), aber wir haben uns trotzdem etwas Sightseeing gegönnt! Ja, richtig gelesen, wir haben Touriattraktionen gefrönt (Cheers Oliver;-). Wir waren nämlich im Tower.

Das ist von hier aus gar nicht so kompliziert, denn die Circle Line hält hier am Notting Hill Gate und auch direkt vor'm Tower. Etwas unangenehm war allerdings, dass an dem Tag sechs (sechs!) U-Bahnlinien teilweise ausgefallen waren (klar, war ja Wochenende) und ganz London in unserem Waggon stand. Wir sind dann spontan in Westminster ausgestiegen, haben Ben begrüßt und sind mit dem Boot weiter gefahren. Klasse war das! Nicht teuer und der Kapitän hat auch noch den Reiseführer für uns gemacht und nette Späße über die Ufergebäude erzählt. Toll, auf diese Art und Weise einen Haufen Gebäude hinter sich zu bringen!

Der Tower ...ist... ein teurer Tower und... ein teurer Tower. Ein beeindruckend altes Gebäude für £16 pro Nase. Na, dafür bekommt man auf jeden Fall ein beeindruckend altes Gemäuer mit blutiger Geschichte, ein bisschen interessantes Dies und Das, ein wenig laaangweiliges Achwieschön und natürlich die Kronjuwelen. Und da Diamonds ja girls best friends sind, haben wir sie uns selbstverständlich angeschaut.

Kronjuwelen Dabei gelangt man zunächst in einen Raum in dem man sich die bisherigen Königswappen anschauen kann (sehr interessant; da gab's von Ziegen, über Drachen und Einhörner, bis hin zu Löwen schon ein Haufen Viehzeuch).    weiter

Kurz darauf gelangt man in einen Raum, in dem man sich ein Video der Krönung Lisbeths anschauen kann. Eigentlich muss man und kann gar nicht anders: man steht nämlich in einer sich von links nach rechts fünfmal durch den Raum schlängelnden Menschen­schlange – schön ordentlich abgesperrt, wie am Ticketschalter. Man hat keine Chance abzukürzen und darf sich dann innerhalb von rund zehn Minuten zwei, drei Wiederholungen der Krönungszeremonie ansehen. Man hat's halt nicht leicht... Direkt danach kommt man in einen kleinen Raum mit Kronen ohne Diamonds, wenn ich mich recht erinnere und anschließend in einen weiteren Vorführsaal. Genau das gleiche wie vorher, nur darf man jetzt schon mal einige Kronen auf der Leinwand betrachten, so dass wir ernsthaft daran zweifelten die Echten noch zu sehen. Ach ja... Man hat's nicht leicht.

Dass es doch noch wertvolle Dinge zu bewundern geben sollte, konnten wir an einer massiven Tresorstahltür erkennen. Und, da waren sie auch schon: mehrere schick funkelnde, aufgereihte Kronen und man durfte sie bewundern, während man auf einem Fließband stehend daran vorbei gefahren wurde (natürlich durfte man kein Photo machen). Für die Kohle haben wir uns jedenfalls noch ne zweite Fahrt auf der anderen Seite gegönnt! Purer Touriluxus!

Der Bloody Tower bestand aus genau einem Raum, der mit Infotafeln völlig vollgestellt war. Schon gruselig, so viele Tafeln. Dabei hätten die dort mal was über die armen Raben schreiben können, denen die die Flügel gestutzt haben, damit sie schön im Tower "wohnen" bleiben. Denn, wenn sie sich überlegen würden in nettere Gefilde zu ziehen, ginge nämlich das Königreich den Bach runter. Is ja klar. Das nenn ich mal gruselig...

 

 

                      

 

    20.2. Mittwochskleinigkeiten

AM Fog, PM Clouds, 5° feels like 3°   Man, was ist das schon wieder für ein trüber Tag... Draußen grau und hier im Labor auch grau. Überall Spaßbremsen oder natürlich die Verrückte(n) - nicht, dass sich noch jemand ausgeschlossen fühlt. Dem Wetter scheint es hier zumindest zu gefallen.

Schön, dass wenigstens das Internet so nett ist und die Freunde etwas Näher heranholt... Da kann man ja immerhin mal ein bisschen über Witze aus dem Off lachen (durfte ich letztens erst kennenlernen: ein schoener Ort, von dem kein Anwesender weiß wo es ist und alle wundern sich, wenn man lacht;-). Heute: "Wir sind ja alle Hormonsapiens!" Dankt dem Wortschöpfungsjosef!

Ach, übrigens (kam auch gerade im Off zur Sprache), wie ich ja jetzt nach der Registrierung beim Arzt und dem siebenhundertsten Formular weiß, gehören wir Nichtinseleuropäer zur Rasse C (nicht british white und nicht irish white). Also, Gruß an alle CeMenschen!

Immerhin wollten sie diesmal nichts über meine Religionszugehörigkeit oder meine sexuelle Orientierung wissen, so wie bei meiner Einstellung hier in der Klinik. Da musste ich ein entsprechendes Formular nämlich anonym meinen Bewerbungsunterlagen beilegen;-) Man weiß hier also ne Menge über mich, nur nicht, dass ich wirklich Diplombiologe bin, denn meine Zeugnisse wollte ja immernoch keiner sehen. Komisch.

Mittagspause Meistens gehen Arsen und ich mittags zu einem portugiesischen Imbiss, der jetzt von Leuten aus der Türkei geleitet wird. Gutes Essen, kleine Preise, super Kaffee und man bekommt noch einen etwa zehnminütigen Spaziergang umsonst. Ich werde mich aber sicher nie daran gewöhnen, dass auf dem kompletten Weg überall Müll rumliegt und definitiv nicht weniger wird. Ich hab gar nicht damit gerechnet sowas hier in London vorzufinden. Wie auch immer... Heute waren wir in der Kantine. Ich ess ja eigentlich gerne Suppen. Normalerweise kann man damit ja nicht allzu viel falsch machen. Hier muss man aber sehr vorsichtig sein. Schneller als einem lieb ist löffelt man plötzlich in irgendwelchen abgedrehten Koriander- oder Karottensuppen rum (und ich hab definitiv kein Verständnis dafür Möhren zu Suppe zu verarbeiten - ich hasse den Geschmack von warmen Möhren - oder damit Brote zu belegen, was einem hier auch schnell passieren kann). Heute gab's Süßkartoffelsuppe mit Chili. Kannt' ich nicht, hab ich probiert. Wonach hat's geschmeckt? Nicht nach Chili. Nach Möhren! Und dazu auch noch diese Pappbecherkaffebrühe... Man hat's nicht leicht...

Zonen Der Tag hat schon so doof angefangen... Hab ich eigentlich schon von meinem Wecker erzählt? Mein Funkwecker von zu Hause. Hab keinen anderen, der weckt mich, also hab ich ihn mitgenommen. Hier in London angekommen hat er natürlich kein Uhrzeitsignal empfangen. War aber kein Problem; ich hab ihn einfach manuell gestellt und alles war gut. Nach einer Woche bin ich ja innerhalb Londons umgezogen, aus Fulham etwas weiter nördlich nach Notting Hill. Und, was passiert? Dieses zickige Miststück findet plötzlich ein Signal. Das Mitteleuropäische! Hat wohl Heimweh. Und schwupps bin ich ne Stunde zu früh aufgestanden, denn hier in der GMT Zone hinken wir ja etwas hinterher.

Da man das nicht umstellen kann, hab ich halt immer die MEZ vor mir (so weiß ich immer direkt, ob es schon zu spät ist Yvonne anzurufen und muss nicht erst umständlich eine Stunde von der aktuellen Uhrzeit abziehen). Und da ich der Sache nicht traue, macht mein Handy mittlerweile auch beim Wecken mit, was wenigstens in der gleichen Zeitzone wohnt wie ich.    weiter

Normalerweise düdelt mir mein Handy als erstes freundliche Geräusche ins Ohr. Den blöden Funkwecker höre ich nur, wenn ich wirklich und endlich aus dem Bett muss. Heute war das umgekehrt. Im Halbschlaf dachte ich - na, ich tat zumindest so -, dass ich meinen Handywecker gar nicht gestellt hatte und dann irgendwas darüber, dass dieser Arschlochwecker jetzt irgendeine ganz andere Zeit gefunden haben könnte, nur um mich zu ärgern. Irgendeine Uhrzeit stimmte jedenfalls - weiß nicht mehr welche. Wir kamen dann zu dem Schluss, dass ich den Funkwecker zwar gebeten habe mich zu der korrekten Uhrzeit zu wecken, jedoch leider vergessen habe, dass er in einer anderen Zeitzone lebt. Als ich mir ziemlich sicher war, dass es eine Stunde zu früh war (in welcher Zone auch immer), hab ich mich nochmal umgedreht.

Ach übrigens, man konnte die sichere Bankkartenlieferung ohne weiteres zur Arbeitsadresse beordern. Irgendwann zwischen 9 und 17 Uhr, natürlich ohne genauere Angabe. Ich war um 9:13 hier, da dieser dämliche Bus (die 70) nicht früher gekommen ist. Und, wer war schon weg? Der Postbote. Ich lass den jetzt so lange hier antanzen, biss er lernt, dass er mich auf meinem Handy anrufen kann. Wozu hab ich die Nummer denn eigentlich sonst angeben müssen? Vollpansen! Zum Glück brauch ich die Karte eigentlich gar nicht, denn ich hab ja schon eine. Zwei Tage bevor ich hier endlich mal einen vollen Monatslohn bekomme, wollte ich damit allerdings grad mal meine Einkäufe bezahlen. Obwohl noch £47 auf meinem Konto sind, konnte ich £18 nicht bezahlen. Wurde einfach mal nicht akzeptiert. Und ich hab auch kein Bargeld bekommen, obwohl man hier zwischen £10 und £40 abheben kann. Wer weiß, was das jetzt schon wieder zu bedeuten hat. Diese Blödköppe haben wohl einfach nur Spaß daran mich zu ärgern.

Hey, gestern war Mohammed der Chefhausmeister bei mir - wollte nur meinen Wasserdruck überprüfen (also den in meinem deutschen Boiler), da er irgendwas und irgendwo eingestellt hat. Er meinte, dass wir very soon wireless Internet für umsonst bekommen würden. Das wär ja was. Da bin ich aber noch seeehr gespannt... Die Kabel, die vor meiner Wohnungstür aber plötzlich aus der Wand gucken, sind ja schon recht vielversprechend. Obwohl ein Kabel ja nicht grad wireless ist, aber gut, wollen wir mal nicht mit dem Erbsenzählen anfangen...

Übrigens hatte ich mal wieder Waschtag. Ich wollte meine Wäsche mal eine Stunde länger im Trockner fahren lassen, damit ich sie hier nicht noch auf Stühle, Türgriffe und Schubladenkanten aufhängen muss. Da die ganze Aktion nach Feierabend rund 5 h dauern sollte, hab ich mir viel Mühe gegeben pünktlich zum Waschmaschinenende den Trockner zu beladen. Und, was passiert? Irgendein Mädel hat ihre Wäsche darin vergessen. Schon blöd, wenn man für ein Haus mit 23 Parteien nur eine Waschmaschine und einen Trockner hat. Tja, ich hab dann, nett wie ich bin, überall geklingelt. Aber keiner hat sich mal an die Gegensprechanlage bemüht. Ich hab die Wäsche dann in eine benachbarte Dusche verfrachtet. Den 3,5-stündigen Trockneraufenthalt meiner Wäsche hab ich genutzt, um in einem Pub Abendessen zu gehen. Als ich wieder kam, lag meine Wäsche auf zwei Fensterbänken - schien aber trockner als sonst zu sein. Ich musste sie trotzdem auf meine Stühle, Türgriffe und Schubladenkanten aufhängen, um sie ganz trocken zu kriegen.

 

Morgen kommt endlich min Frau. Und da guck ich schon ganz schön vorwärts drauf!
Nicht etwa nur, weil ich ein Hormonsapiens bin. Nein, nein. Es ist ja auch was Schönes, eine Flasche Wein nicht alleine trinken zu müssen...

Cheers, Euer CeMartin

 

                      

 

    Unvollständigkeit

Man kann es nicht unbedingt Schlaf nennen
vom einen zum anderen Pol das Ganze genauso weit entfernt
die Träume lehnen sich über den Rand
und starren in den Krater der verlorenen Gegenstände
die dort unten ruhig ihre Bahnen ziehen
sie starren unverwandt zurück
und ich frage mich: Wieviele Dinge haben sich jetzt schon wieder verselbständigt?

 

Der Koffer wurde aufgegeben
Ich hab ihn aufgegeben
und er ist irgendwo gelandet
wo ich nicht gelandet bin
sein Inhalt ist Diebesgut geworden
Prise, längst versilbert, oder besser: verpulvert

 

Ich setz mich aufrecht
es spielt keine Rolle, ob es nachmittags ist, abends oder mitten in der Nacht
das Tageslicht wird mich in den Tatsachen verwickeln, die diese Zeitzone so mit sich bringt

 

Draußen
es gibt ein draußen
Aber bin ich noch vollständig genug?
hab’ ich noch alle beisammen?
die sieben Sachen
Brille
Stift
und Block
Karten
Geld
Pass
und Schlüssel

 

Talente?

Ich hab’ das mit dem draußen erst einmal gekippt

 

sein und sein gelassen

 

Unvollständigkeit

 

Ich räuspere den Schleim nach oben, bis ich ihn zu fassen kriege.
Mit zwei Fingern ziehe ich seinen Faden aus meiner Kehle, meinem Körper.
Daran hängen wie an einem Glückskettchen:
ein Herz, meine Liebe, eine Flasche, ein Haus, eine Münze, ein Hufeisen,
eine Sechs, eine Sieben, ein Kleeblatt, ein Fisch, ein Würfel, eine 13,
eine Glocke, ein Schloss, ein Schlüssel, ein Hammer, ein Stern, der Mond, die Sonne
und ganz zum Schluss dann eine Putzbürste deren Borsten noch
die letzten Reste, ein paar Klümpchen, mit nach draußen holen.

Endlich sauber. Endlich leer.

Ich trinke ein grosses Glas Wasser und warte. Was fest und in mir mich sorgte,
hängt vor mir und trocknet wie altes Gemüse, Peperoni, Dörrobst.

Das Wasser findet seinen Weg. Ich lasse es, ein letzter Strahl.
Ein letztes Gas, ein Flatus.

 

Endlich leer.
Endlich leer.

 

Endlich: Ich

 

 

 

 

Blixa Bargeld, Einstürzende Neubauten 2007

 

 

                      

 

    Der 7. Sonntag

Ruhe Heute hat es mich nochmal nach Hampstead gezogen, denn es war ja recht nett dort oben. Die Hampstead Heath bin ich diesmal über den nördlich angrenzenden Golders Hill Park angegangen. Ein wunderbarer Park. Man fühlt dort direkt eine besondere Ruhe. Alle sind eher still und genießen das Leben. Und dabei ist es ein ausgesprochen kinderfreundlicher Park, mit großem Spielplatz, Rotwildgehege und Volière. Trotzdem diese Ruhe. Seltsam.

Direkt angrenzend gelangt man in ein kleines Wäldchen und kommt schon bald zu den Hill Gardens. Man sieht von unten zunächst nur hohe Gemäuer mit Bögen, einer sehr langen Pergola und wundert sich darüber, dass das mitten im Wald steht. Oben angekommen sieht man auch das dazugehörige Anwesen, das Inverforth House (wozu ich leider keine weiteren Infos gefunden habe). Schon schick. Aber das werd ich mir nochmal im Frühling anschauen, wenn die Pergola ordentlich bewachsen ist.

Ein wirklich sehr abwechslungs­reicher Park.

Über eine Straße geht's weiter zu dem Teil der Hampstead Heath den ich schon kenne. Ha, an einer Karte haben zwei Mädels mich gefragt, ob ich vielleicht wüsste wo man hier die tolle Aussicht über die Stadt findet. Konnte ich ihnen natürlich auf der Karte zeigen, weil ich ja schon da war. "Oh, das ist ja am ganz anderen Ende!" "Ja, ist aber gar nicht so weit." "Lohnt sich das denn?" Da haben die ja den Richtigen gefragt;-) Ich und Aussichten... " Naja, ihr könnt die Stadt sehen..." Ich mein, das wollten die doch, oder? Gibt es daran irgendetwas, was es lohnenswerter machen könnte?

Was ich richtig toll finde, ist, dass es neben den Hauptwegen sehr viele alternative Trampelpfade gibt. Und die Leute nutzen sie sogar. Ich mag sowas. Da kann spätestens Yvonne ein Liedchen von singen... "Was, da willst Du lang? Aber da ist doch gar kein richtiger Weg!" "Ja, aber der Weg ist laaangweilig!" Kommt mir hier also sehr entgegen.    weiter

Hampstead ...ist eigentlich ein kleines Dorf in der Stadt, hab ich so den Eindruck. Sehr gemütlich und nett sieht alles aus. Das finden allerdings auch die anderen 700.000 Besucher, so dass ich mich in den erst besten Bus zurück zum Lancaster Gate gesetzt habe. Vorher musste ich aber noch die 120 Leute verewigen, die in aller Seelenruhe darauf warten einen Crèpes an einem Stand zu bekommen. Das müssen wirklich überzeugende Crèpes sein, um in der Kälte mindestens eine Stunde darauf zu warten.

Hier am Hyde Park übrigens nutzen bei sonnigem Wetter dutzende Hobbykünstler den langen Zaun um ihre Werke dort aufzuhängen und zu verkaufen. Sieht nett aus. Aber meine Güte, welche Behelfskreativen dort nicht alles einen Pinsel in die Hand genommen haben...

Nach den Kilometern (oder meinetwegen auch Meilen) hatte ich mir jedenfalls ein Deuchars (oder zwei) und einen Snack im Hillgate verdient. Ich hab da nämlich kürzlich einen Salat mit frisch gegrilltem, saftigem Hähnchen, knusprigem Bacon, gegrilltem Brot und Parmesan für mich entdeckt (ne Caesars Salad Variante). Abgesehen natürlich von allen Zutaten, wirkt der Salat irgendwie beruhigend auf mein Gewissen;-) Angenehm ruhig war's dort und ich kam doch noch zu meinem Buch...

Allein unterwegs Beschäftigen kann ich mich ja. Langweilig wird mir also so schnell nicht. Aber ich merke doch, dass mir Gesellschaft fehlt.

Immer nur mit den eigenen Gedanken unterwegs zu sein und so viele neue Eindrücke zu erleben, das' schon was anderes... Ich muss schon fast aufpassen meine Gedanken nicht aus Versehen laut auszusprechen, nur um mal ne deutsche Stimme zu hören (gut, das war jetzt etwas übertrieben;-).

Tja, und meine Arbeitskollegen sind ja auch nicht gerade auf meiner Wellenlänge. Man kann ja auch nicht behaupten, dass ich ein sehr introvertierter Mensch wäre. Komisch hier alles. Mal sehen. Vielleicht lerne ich ja noch, auf englisch mit mir selbst zu sprechen...

Ich wundere mich jedenfalls immer, wenn ich hier Paare sehe, von denen mindestens einer mit einem Handy zugange ist, während sie z. B. auf einer Bank oder gemeinsam in einem Pub sitzen. Besonders aufgefallen ist mir das auch letzten Donnerstag, am tollen Valentinstag. Üblicherweise verbringt man diesen Tag ja mit seiner Liebe (jedenfalls in den Ländern, in denen man ihn feiert). Hier greift man in trauter Zweisamkeit trotzdem zum Handy – schwer romantisch. Als ob es einfacher wäre mit jemandem zu kommunizieren der nicht anwesend ist oder einfach eine Fernseheralternative braucht (hier in den Pubs ist es ja auch fast wie zu Hause, denn hier muss ja immer noch jemand Bier holen). Komisch sind's die Leut. Scheint hier ein echter Beziehungsfluch zu sein, das mobile...

                      

 

    16.2. Deer

Richmond Park Ein sonniger, schweinekalter Samstag. Klar, dass es mich mal wieder nach Draußen gezogen hat. Andy hat mir den Richmond Park ans Herz gelegt. Ein recht großer Park im londoner Süden, in dem sogar Wild leben soll. Wo Wild lebt, da gibt es auch Bäume und Ruhe dacht ich mir und bin hin.

Die Anreise gestaltete sich sehr Abwechslungsreich: erst mit der Tube, dann zu Fuß über die Themse, wieder zurück weil verlaufen und auf dem richtigen Weg zur Bushaltestelle. Zunächst fand ich den Busausblick recht nett und dachte schon, dass man dort um Putney ganz nett wohnen könnte. Ausgestiegen bin ich dann mitten in einer Plattenbausiedlung. Todschick! 15 min zu Fuß brauchte ich ungefähr, um diese schöne Aussicht hinter mir zu lassen. Dann kam ich an ein Tor namens Roehampton Gate. Ein Eingang zum Park, bzw. auch eine Einfahrt, denn der ganze naturgeschützte Richmond Park ist durchzogen von einem Straßennetz (was selbstverständlich auch fleißig benutzt wird). Der Park ist sehr offen und weitläufig. Weite Wiesen, alte Bäume, Autos und angrenzende Plattenbau­hochhäuser bestimmen das Bild. Alles in allem recht abwechslungsreich.    weiter

Na, immerhin gibt es einige Trampelpfade die einen an etwas ruhigere Stellen führen, so dass man die Autos und Menschenmassen nicht ständig im Blick zu haben braucht. Und tatsächlich gibt es dort Wild. Und zwar in Massen. Dutzende Hirsche , Rehe, was weiß denn ich (bin ja kein Gummi­stiefel­biologe), nur von befahrenen Straßen eingezäunt und direkt daneben wird Fußball gespielt. Im Hintergrund häßliche Hochhäuser. Skurrile Bilder sieht man dort...

Es ist also wieder mal kein Ort der Ruhe, aber ein bisschen nett laufen kann man dort. Raus bin ich durch das Sheen Gate und siehe da, keine Plattenbauten sondern eine todschicke Wohngegend. Sehr nette britische Häuser. Sieht toll aus dort. Endlich mal ein schönes London.

                      

 

    15.2. Eine Woche geht zu Ende...

Bürogeschichten Ich sitze hier in einem Großraumbüro mit rund 30 anderen Leuten aus aller Herren Ländern. Arsen und Julia waren so gnädig und haben ihren Papiermüll etwas zur Seite geschoben, so dass ich jetzt zwischen ihnen und ihrem allwissenden Papiermüll namens Marjorie sitze (Ach, bitte erlaubt PopUps für diese Seite, dann sollten sich beim Klick auf Marjories Foto nämlich zwei Fenster öffnen). Echte Chaoten sind das hier.

Ich versteh auch nicht, wie Arsen auf die Idee kommt einfach mal keine seiner Daten ordentlich aufzuzeichnen. Da er kein Laborjournal führt, kann einfach kein Mensch nachvollziehen was er gemacht hat (ohne Laborjournal könnte ich ja meine eigene Arbeit nach einiger Zeit nicht mehr nachvollziehen). Seltsam.

Andy ist zurzeit sehr viel daran gelegen Ergebnisse für eine Veröffentlichung zu kriegen (der gute Mann muss ja Geld beantragen). Entsprechend tritt er seinem alten Postdoc ständig auf die Füße, weil er zum Verrecken keine Ergebnisse von ihm bekommt. Und der regt sich darüber ernsthaft auf. Es wäre ja eine Unverschämtheit, dass man hier nicht genügend Freiheiten haben würde und seinem Chef ständig Rechenschaft abliefern müsse. Liefert keine Ergebnisse und ärgert sich, dass der Chef fragt was man so vor hat zu tun. Schwer nachvollziehbar, oder?

Mittwoch haben wir Zeit am heiligen konfokalen Mikroskop gebucht, nur um einige grüne Zellen zu sehen. Fast ein Sakrileg es für sowas triviales zu missbrauchen. Während ich fröhlich unsere Zellen mikroskopiert habe, fing er ernsthaft an auf seinem PDA ein Buch zu lesen. Er wollte die Zellen nicht mal mit eigenen Augen sehen (und dabei geht es immerhin um unser gemeinsames Projekt; das muss man sich mal vorstellen). Solch eine Interessenlosigkeit spricht für mich Bände. Mal sehen, wie sich das noch entwickeln wird...

Links neben mir sitzt Julia. Ich frage mich wirklich, ob ich Julias kanadisches Englisch jemals von vornherein verstehen werde. Das klingt für mich meistens nur nach einer Aneinanderreihung von "u" und "ä" und irgendwelchen sinnlosen Konsonanten dazwischen. Letztens hat sie getrocknete Mangos dabei gehabt, sehr lecker. Als sie sie mir angeboten hat, muss sie sowas wie "juicyjuicyfruitymängo" gesagt haben. Ich hab drei Anläufe gebraucht. Oder gestern hat sie uns gefragt, ob manchmal unsere Füße jucken, also irgendwas mit "itchy" und "foot". Die Frage ist schon so doof, dass mein Hirn nicht freiwillig auf den Sinn kommen wollte, abgesehen mal vom Englisch. Und egal wie oft man nachfragt, sie spricht es einfach nicht deutlicher aus... Aber damals im Pub, jeder mit drei Pint, ging es besser;-)

Sind aber beide bis jetzt sehr nette und liebe Menschen.

Verflucht Mir fällt grad erst auf, dass ein schwerer Fluch auf mir lastet:
In Düsseldorf musste ich einen Mac benutzen. Und was man als PC-Benutzer schnell hassen lernt, sind die Tatsachen, dass alte Applemäuse kein Scrollrad besitzen und ein Mac nicht so einfach dazu zu bewegen ist erwünschte Programme durch Doppelklick auf eine Datei zu öffnen (es hat mich einige Betriebssystemupdates durch Apple und immerhin 3,5 Jahre gekostet, bis ich dem Mac das umständlich beibringen konnte). Statt die Datei anzuklicken hatte ich mir bis dahin angewöhnt die Datei auf das Programmicon zu ziehen, um sie zu öffnen.

Hier in London hab ich nun einen PC. Einen ziemlich ausgelatschten und vergewaltigten Laptop mit kaputtem Bildschirm, aber immerhin einen PC. Und, was passiert? Das Mausrad ist kaputt und der Dateizugriff ist hier so langsam (braucht ca. 45 s bis eine Datei durch Doppelklick geöffnet ist, obwohl das Programm schon auf ist), dass ich die Dateien schon wieder einfach auf das offene Programmfenster ziehe. Ich bin also genau so weit wie vorher. It's a fucking curse!    weiter

Multikulturelle Großraumbüros Und ich muss hier gleich leider auf den Tisch kotzen! Der asiatischstämmige Herr hinter mir findet es höchst widerlich sich die Nase zu putzen und zieht sich den Rotz bis ins Hirn. Nicht nur ein kleines Schniefen! Man hört ordentlich flüssigen Rotz²! Widerlich! Und das geht jetzt schon seit mindestens einer Woche so. Man kennt es dort in Asien scheinbar nicht anders. Hab mal gelesen, dass man Nasehochziehen dort als eine Form der Selbstbeherrschung ansieht und es eklig findet seinen Rotz in einem Taschentuch zu entsorgen. Ich teile diese Ansicht definitiv nicht. Wenn ich mir nur vorstelle auf Unmengen meines Rotzes rumzukauen kommt's mir gleich hoch. Er spuckt's ja auch nicht aus... Angeblich soll das ja der "natürliche" Weg und daher gesünder sein. ... Und wenn mir die Nase abfällt...!

Apropos gesünder... Gestern habe ich mich endlich bei einem "GP" registriert. "Wo soll ich mich registrieren?" Ich meine mal gelesen zu haben, dass die Briten nicht viel von Abkürzungen halten. Pustekuchen! PK! Man meint damit einen General Practitioner, einen niedergelassenen Allgemeinmediziner – nen Hausarzt. Und auch wenn man gar nicht krank ist muss man sich bei einem GP registrieren, um bei der NHS mitzumachen, dem National Health Service. Dann bekommt man hier nämlich eine kostenfreie (hoffe ich) ärztliche Grundversorgung (für den Notfall findet man das als Deutscher ja beruhigend) und schon wieder eine höchst wichtige Nummer. Das war gar nicht so kompliziert. Auf der NHS website kann man sich den nächsten GP raussuchen, denn er muss in der Nähe des Wohnortes sein. Meiner wohnt in den Pembridge Villas - abgedreht. Dort bekommt man mal wieder ein paar Formulare, ne Dose zum vollpinkeln und darf sich anschließend mit einer netten Dame unterhalten: "Wieso hast Du eigentlich mit dem Rauchen aufgehört?" "... ??? ... ??? ... äh ... weil es gesünder ist?". People are strange.

UKHuman Nachdem ich ja jetzt auch meine National Insurance Number habe, bin ich dann wohl vollständig "im System" des Vereinigten Königreiches gelandet. Ich bin hier jetzt ein Mensch. Mit meiner NINO (;-) darf ich hier übrigens immer arbeiten und man kann mich anhand dieser Nummer auch noch identifizieren (dafür ist sie zwar nicht gedacht, aber man hat ja hier keine Personalausweise. Schon komisch, der Empfangsdame beim Arzt hab ich irgendeinen Brief als Nachweis meiner Adresse gezeigt – den hätte ich mir auch selbst tippen können. Ach verdammt! Ich Schaf! An diese Adresse werden ja bestimmt Rechnungen für kostenpflichtige Behandlungen geschickt...). Ja, jetzt, wo ich hier alles erledigt habe, muss ich mich hier wohl auf's Wohlfühlen konzentrieren.

Obwohl, ich muss noch herausfinden, wie das hier mit den Einschreiben funktioniert. Man wollte mir schon zweimal eine neue Bankkarte zustellen, deren Empfang ich quittieren muss. Nun, in Deutschland kann man ja mittlerweile auch abends oder sogar sonntags mit wichtiger Post rechnen. Nun ja und wenn nicht, dann geht man halt mit der orangenen Karte zur nächsten Post und feddich. Hier aber wird Kundenservice wirklich selten groß geschrieben; der Londoner ÖPNV ist da eine klare Ausnahme (abgesehen mal von der Eigenart den Wochenendverkehr durch Baustellen zu sabotieren). Hier kommt zumindest dieser Zustelldienst von Montag bis Samstag zwischen 9-17 Uhr. Von Montag bis Freitag bin ich auf der Arbeit und samstags bin ich normalerweise nicht hier. Außer die kommen wirklich um 9:00. Aber gut, man kann online ja einen Termin vereinbaren, was ich ganz praktisch fand. Und siehe da, selbstverständlich kann man keine Uhrzeit vereinbaren. Vollpansen! Soll ich hier jetzt den ganzen Samstag zu Hause rumhängen und auf meine Bankkarte warten? Die Bank ist übrigens 50 m von meiner Wohnung entfernt; ich hätte die Karte also bequem abholen können – nur, um das mal erwähnt zu haben. Ich schau mal, ob die auch zur Klinik kommen können, ansonsten werd ich mit der Bank mal ein ernstes Wörtchen reden müssen.

So, gleich ist Feierabend. Nur noch mit Verpflegung eindecken und dann wird gezockt! Beim Jochen ist nämlich mal wieder eine CS LAN Party und da muss ich mitmachen.

Mit nem durchschnittlichen Ping von 250 ms gegenüber 25 ist das Sterben nicht schwer... Blödes Modem! Aber Spass macht das wohl;-)

                      

 

    13.2. Feierabend

Heureka! Ich hab endlich eine Lösung gefunden! Ich wusste ja selbst gar nicht, dass ich eine brauchte. Bis jetzt...

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass die Buslinie 70, die hier am Notting Hill Gate hält und direkt zum Inst fährt, sicher die nervigste in ganz London ist? Man muss oft Ewigkeiten auf sie warten (letztens 25 min, wobei hier normalerweise die Busse alle 5-10 min kommen), ab und zu fährt der Busfahrer einfach vorbei, manchmal guckt er dabei sogar freundlich und immer werden nur die heruntergekommensten Busse auf dieser Linie eingesetzt (klar, ist ja die Ghettoline - wer würde da schon seinen frisch polierten Benz aus der Garage holen?). Obwohl... Heute Morgen konnte er ja gar nichts dafür: wir fuhren nämlich an einer Baustelle vorbei. Und, wie es hier so ist, haben die Bauarbeiter sich einen riesen Spaß daraus gemacht ihren Zementmischlaster auf die halbe Straße zu stellen, so dass wir davor anhalten mussten. Leider war auf der Nebenspur aber ebenfalls Stau, so dass der Busfahrer nicht ausweichen konnte. So warteten wir und warteten wir und auch nach zehn Minuten dachten die Bauarbeiter nicht im Traum daran ihren Laster mal zur Seite zu fahren. Die standen viel lieber nur drum herum und haben sich nen Wolf gefreut. Was hab ich mich amüsiert! Mir konnte die Situation ja nichts, denn ich musste wegen eines Versuches ja nur zum ersten mal pünktlich im Lab sein und ich hatte ja mein Buch dabei und ich konnt ja eh nichts dran ändern und ich bin ja schon über dreißig;-) Ich war natürlich der einzige, dessen Geduld nicht gelitten hat, was den Aufenthalt auch recht interessant machte. Nach etwa 15 Minuten rumstehen haben die Bauarbeiter noch einen anderen Trumpf gezogen: Einen Kipplaster. Der hat sich erstmal quer vor den Bus und den Zementmischlaster auf den Rest der Straße gestellt, weil er ja unbedingt sofort in unsere Gegenrichtung wollte. Ist natürlich blöd, wenn der Verkehr grade stillsteht (aber so ungeduldig ist der Verkehr hier generell; keiner wartet, alle fahr'n und zwar schnell und sofort).

Zurück zum Heureka Ich stand schon sehr häufig an der Bushaltestelle vor'm Institut und hab zwei, drei 7er ankommen sehen, während ich noch sehnsüchtig auf die 70 wartete. Vor allem auch, weil das immer ein Doppeldeckerbus war und nicht so ein laaangweiliger Normalbus. Ich hatte ne blasse Ahnung, dass die 7 irgendwo oben am Portobello Markt langfährt, also nicht allzu weit von meiner Wohnung entfernt. Heute bin ich mutig in die erstbeste 7 gestiegen, hab gleich einen Sitz oben, ganz vorn ergattert und hatte Spass. Ich liebe das ja, da oben zu sitzen. Obwohl das Montag wohl kein Geschenk war, jedenfalls nicht in der Linie 24, die wegen des Feuers in Camden umgeleitet war. Irgendein Vollblinsenbusfahrer hat den Hinweis nämlich nicht so ernst genommen die Bogenunterführung nur in der Mitte zu durchfahren. Klar, warum auch? ... "Er kommt - Der Busrider - Ein Bus, ein Computer, ein Mann. ... Busrider - Ein Mann und sein Bus kämpfen gegen das Unrecht." ... Is klar, ne...? Vollpansen!    weiter

Die 7 passte aber durch alle Unterführungen und ich stieg irgendwo am Portobello Markt aus. Die Marktleute packten gerade zusammen, überall diese netten, ausgefallenen Läden... Nett war's. Und wo ich schon mal da war, kaufte ich mir gleich noch eines dieser wundervollen Delikatessenbrote. Was hat der Typ hinter der Ladentheke für ein Gesicht aufgezogen...! Er hat sich so sehr geschämt mir zu sagen, dass er £3 von mir haben wolle... Sehr sympathisch. Dabei fällt mir ein, könnte mir irgendwer ein Fleischwurstbrötchen schicken? Immer nur dieser blöde Normalschinken, oder dieses blöde Corned Beef... Ich weiß gar nicht, wie Vegetarier das schaffen... Übrigens freu ich mich wirklich darauf nächste Woche endlich eine ordentliche Kamera zu bekommen. Dann kann ich endlich ein paar schönere Fotos als mit meinem Handy machen. Und heute hab ich sogar schöne Motive wahrgenommen;-)

Und, wie der Zufall so will, muss ich am Sun in Splendour vorbei, der Pub um die Ecke mit der netten Musik. Da hab ich wieder very british und trotzdem lecker gegessen. Es gab Sausages with Mash, irgendwelchen Crisps and Gravy,und zwar "Toulouse": Bratwurst mit Kartoffelpüree und brauner Sauce für zum Kartoffel matschen - was diese Crisps waren, konnte ich nicht herausschmecken. Bei Toulouse handelte es sich um die Bratwurstart, die ein Hybrid aus Brat- und Mettwurst darstellte. Das gibt's hier in jedem Pub, ohne Ausnahme. Öfter noch als Fish'n Chips.

Und leckere 80er Musik gab's zum Bier. Hier hört man eigentlich oft so alten Kram. Ich wundere mich ständig, dass ich hier im Radio schon 4, 5 mal irgendwelche Lieder aus dem Electric Dreams Soundtrack gehört habe (ganz großes, britisches 80er Jahre Kino, in dem ein Computer Gefühle entwickelt und... ach, guckt doch selbst!). Was sagte Gerald zu dem Radioprogramm (neben Pesto und mir der einzige auf dieser Welt der diesen Film auch kennt): "Und die behaupten sie hätten die Musik erfunden..."

 

Das ist die Lösung für meinen hässlichen Heimweg: pünktlicher und netter Bus, nette Gegend, ein kleiner Spaziergang durch's Schön, vielleicht ein Ale mit Buch und Musik at The Sun und das Feierabendleben ist gleich ein bisschen schöner.

                      

 

    11.2. Montag. Was kann die Welt einfach sein...

Ach was ist die Welt grad schön... Bei einem Delikatessenhändler hab ich mir gerade echtes Sauerteigbrot gekauft. Mit schöner brauner Kruste. Wie bei Großmuttern;-) Kommt allerdings aus Frankreich und ist schon etwas dröge. Aber, trotzdem ein echter Genuss. Jeder kleine Bissen.

 

Und das für läppische £3 für ein halbes Brot (ein knappes Pfund tipp ich - das Gewicht jetzt). Mal sehen, ob ich das hier noch irgendwo günstiger finde. Aber, man gönnt sich ja sonst nichts...

                      

 

    10.2. Ein sonniger Sonntag

Nachdem ich mich gestern fast ausschließlich im Bett aufgehalten habe, ausschließlich einer nervigen Erkältung Tribut zollend, hab ich heute mal ein bisschen die Sonne genossen. Na, immerhin konnte ich so gestern diese website launchen. Man kommt ja zu nichts, wenn man gesund ist. Immerhin hab ich heute mitgekriegt, warum es gestern abend hier so nach Rauch gerochen hat: hat ja ordentlich gebrannt in Camden Town. Auf dem Canal Market. Mal sehen, ob der nettere Lock Market verschont geblieben ist... Bei der BBC sind aber ernsthaft keine Fakten zu holen - ein Armutszeugnis für den Chefinselsender; passend zum Frühstücksfernsehen. Keine Ahnung über die Ursache des Brandes oder den genauen Bereich, stattdessen habe ich auf der website einen trivialen Satz eines Bürgermeisterkandidaten gelesen und zwei Sätze von Augenzeugen. Einer lautete in etwa "boar, hab aus dem Fenster geschaut als es brannte und im Fernsehen wurde gleichzeitig davon berichtet!" Gibt es was weniger Wichtiges? Yvonne hat in Deutschland gehört, dass niemand ernsthaft verletzt wurde - auf der BBC Homepage ist so einfach kein Wort darüber zu finden. Die Medien sind hier definitv eine größere Enttäuschung als zu Haus. Zu Haus ist Fernsehen schon bedenklich, aber hier würd ich meinem Kind lieber eine süße kleine Scheinwelt vorgaukeln - à la Weihnachtsmann: "Guck Fern... Und Sie Kommen Dich Zu Holen...! Muahahaha...!" Ich bin abgeschweift...

Die Sonne schien im Regents Park. Ein wunderbar aufgeräumter, britischer Park - nicht weit von hier. Wirklich mit viel Liebe zum Detail angelegt. Nur, wie so oft hier, alles andere als ein Ort der Ruhe. Mitten drin gibt's eine mindestens 3 m² große Rasenfläche für Fußballspieler (und es waren auch genügend davon da, um diese Fläche zu füllen). Ringsherum dürfen einige Bäume und schöne Ecken wohnen, bis sie bald an Straßen grenzen - völlig verrückt, diese Prioritäten.    weiter

Alle Ecken, die ich als angenehm ruhig und sehr schön ansehen würde, waren eingezäunt, wie übrigens immer hier in London. Tja, so hab ich keinen passenden Baum gefunden, an dem ich gernen mein Buch gelesen hätte. Schon seltsam... Vögel haben's da etwas besser im Regents Park: sie bekommen nicht nur schicke Wohnungen in netter Wohngegend (dutzende kleiner Holzhäusschen am Bachlauf), sondern genießen obendrein ihre Ruhe, da sie durch massive Eisenzäune vor dem humanoiden Mob geschützt werden. Ente müsste man sein...

Auf dem Heimweg wurde ich doch glatt von einigen Asiaten angehalten: "Wir suchen Notting Hill Gate." "Sie stehen direkt davor," und zeigte auf die entsprechende Haltestelle. "Nein, wir suchen ein 'Gate'." Putzig, oder? Es gibt hier definitiv kein Gate mehr. Nicht, dass die an der "Black Friars" Haltestelle noch einen Haufen schwarzer Mönche suchen (politisch korrekt wohl "Farbige", oder verwechsel ich da was...?) oder am "Oxford Circus" Artisten und Clowns. Hier gibt es halt einen Haufen solcher Namen für U-Bahnstationen - schaut selbst. Nuja, noch was wollten sie sehen, sie wollten nämlich in "einen" Buchladen. Nu, ich bin ja nicht von gestern und fragte direkt mal: "Der aus dem Film?", klar musste ich grinsen. Den Weg konnte ich wenigstens beschreiben, Yvonne und ich war'n ja da (Pflichtprogramm, versteht sich...).

                      

 

    Ein Freitag, das Ende der Zickenwochen (London, 4.-8.2.)

Ach Du meine Güte. Ohne Details. Ich hab ja schon viele Zickereien miterleben dürfen, aber das was in dieser Woche passiert ist, ist in einer anderen Liga zu Hause. Und wieso passiert das überhaupt? Jetzt schon, nach vier Wochen? Das macht man doch nicht...

Mit ein bisschen Erfahrung, Kreativität und einer guten Portion Abstraktion kann man sich normalerweise in die meisten Hirne hineinversetzen. Und aus der Perspektive eines solchen Hirnes, kann man "Dinge" oft nachvollziehen – wenn man kreativ ist... Meistens bleiben diese Dinge dennoch seltsam, aber man findet einen roten Motivationsfaden im fremden Hirn.

Aber das hier übersteigt meine Erfahrungen, meine Kreativität. Es gibt keinen roten Faden! Ich kann mir keine Motivationen zurechtreimen. Das kann man sich auch nicht schön trinken. Es waren nur wenige Ereignisse, aber alles maßlos irrational. Nichts passt zueinander. Nicht mal gelieferte Erklärungen. Völlig Realitätsverschoben. Und es scheint nicht nur eine Realität zu sein… Bedenklich.

Und die Reaktion… völlig unadäquat. Ein beherzter Griff ins Sozialklo. Kinder! ... Todespsycho!

 

Na, irgendwoher müssen ja auch diese ganzen Irren auf dieser Welt kommen…

                      

 

    7.2. Donnerstag

Ach schau an: Eine SMS von Marcela (der Agency Dame) mit dem Hinweis, dass heute jemand vorbei kommen würde, um zwei Handtuchhalter im Bad anzubringen. Ich weiß zwar nicht, wie irgendwer gerade jetzt auf die Idee kommt, ich könnte welche gebrauchen, aber er hatte recht.

Trotzdem sehr überraschend. Aber, man bemerke, ich wurde vorher über dieses meiner Meinung nach ungerechtfertigte Eindringen in meine Wohnung informiert; geht doch. Einen Spiegel hab ich auch bekommen. Jetzt bin ich nicht mehr darauf beschränkt mein wundervolles Spiegelbild nur im Hausflur bewundern zu dürfen.

                      

 

    Dienstag. Die Miete ist fällig

...in einer Woche jedenfalls, weswegen ich sie schon mal überweisen wollte - nur mal eben schnell in der Bankfiliale um die Ecke. "An welche Bank soll das denn gehen? Lloyds? Ach, dann haben Sie es ja nicht so weit; ist gleich die nächste Tür. Ich gebe es Ihnen bar und Sie können es dort einzahlen (ich hab natürlich keine Ahnung, ob sie mich wirklich gesiezt hätte - so ein 'you' kann ja nicht viel...)." "Wie, einzahlen? Können Sie das denn nicht überweisen (ich habe mir sehr wohl ein 'Sie' gedacht)?"

"Überweisen? Ja, aber das würde you ja £24 kosten! Lloyds ist gleich eine Tür weiter." … Ich habe also ernsthaft einen riesen Haufen Bargeld von einer Bank zur nächsten geschleppt, nur um meine Miete zu zahlen. Meine Großmutter konnte sich an das Gegenteil nicht so richtig gewöhnen: "Überweisen? Mit Karte bezahlen? Nein, das mach ich nicht!" Überraschenderweise begegnet man allerdings nicht überdurchschnittlich vielen alten Damen hier auf der Insel... Obwohl anti aging ja hier auch Thema im BBC Frühstückfernsehen ist.

                      

 

    4.2. Mal wieder Montag. Yvonne ist auf dem Weg nach Haus ... und ich bin wieder allein allein...

Noch ein Grund mehr diesen fünften Montag ein bisschen weniger zu mögen als die anderen? Ich wusste gar nicht so richtig, wie es ist sich "einsam" zu fühlen. Was ist das überhaupt? Tja, nachdem ich nun vier Wochen lang abends und wochenends alleine unterwegs war, meine Arbeitskollegen ja auch nicht gerade Stimmungskanonen sind und ich jetzt fast vier Tage lang liebste Gesellschaft hatte, die jetzt aber wieder jäh verschwunden ist, da merke ich nun tatsächlich einen sehr deutlichen Unterschied in meiner Gefühlslage.

Da fällt mir ein... ...das hat doch schon mal jemand besungen: " ... Heute ist wieder einer der verdammten Tage die ich kaum ertrage und mich ständig selber frage warum mich all diese Gefühle plagen, die ich nicht kannte oder nur vom Hören-Sagen ... " Hm, jetzt bin ich schon 32 und lern noch was über mich. Da kann ich ja erwartungsvoll in die Zukunft schauen;-)

                      

 

    30.1. Another Wednesday

Jobangebot Das war überraschend. Andy möchte gerne, dass ich länger hier bleibe – natürlich davon abhängig, dass sein neuer Antrag bewilligt wird, er also überhaupt Geld bekommt. Ansonsten muss er ab Oktober wohl wieder selbst ins Labor. Tja, noch habe ich mich nicht endgültig entschieden, aber so wie es hier ist und läuft, seh ich hier keine Zukunft für mich – schon gar nicht ohne Yvonne. Aber, wenn ich nach Hause komme, wartet dort bislang noch kein neuer Job auf mich...

Zu einem ernsterem Thema: Schon mal alleine in ner Kneipe gewesen? Ich bevor ich hierher gekommen bin noch nie. Warum sollte ich mich zu Hause auch alleine in eine Kneipe begeben? Nun, hier ist das was anderes. Ich habe immer ein Buch vor mir und, nicht zu vergessen, in einem Pub muss man nicht selbst kochen. Bisher war das Essen hier auch meistens recht gut (wer hätte gedacht, dass ich das jemals behaupten würde?) Tatsächlich scheint das Essen in den Pubs hier meistens recht gut, reichlich und vor allem meist recht günstig zu sein. Ich verstehe überhaupt nicht, wie die Leute stattdessen ständig zu Burgerking oder diesem ungemütlichen Nandos rennen können (jaja, es gibt dort extrem scharfes Hähnchen, versteh schon...). Und man bekommt ein oder zwei anständige Bier in Pubs - wenn auch schale, schaumlose. Aber, man gewöhnt sich ja an alles und traditionelle Ales scheinen hier ganz lecker zu sein (kein Wunder: wie das gute Alt oder Kölsch werden sie auch obergärig gebraut;-). Man muss aber schon genau hin schauen, um sowas zu finden, denn ottonormale Pils-, bzw. Lager-Biere scheinen die traditionellen Ales ziemlich erfolgreich zu verdrängen. Traurig. Als Alt-Trinker finde ich die meisten Lager einfach nur stinklangweilig. Öde. Genussverschwendung. Boring.    weiter

Aber, zurück zum alleine: die Blödköppe hier bedienen ja nicht. Man muss also immer zur Theke, um sich dort ein Bier abzuholen oder was zu essen zu bestellen. Mir ist es bis heute vier mal passiert, dass ich in einen Pub mit freien Tischen gekommen bin, an der Theke auf mein Bier gewartet habe und in der Zwischenzeit alle leeren Plätze von Leuten besetzt wurden, die nach mir kamen. Die hatten alle diesen kleinen Vorteil, dass eine Person auf das Hab und Gut (und natürlich den Platz) aufpassen konnte, während ein anderer Bier holen war. Gestern ist es mir erst wieder passiert. Ich hatte auf dem Weg zum Holland Park am Samstag diesen urgemütlichen Pub gefunden – mit Türen zum Kopf einziehen; sogar für mich. Samstag war allerdings nicht im Traum an eine Sitzgelegenheit zu denken, also wollte ich es in der Woche nochmal versuchen. Gestern wollte ich also dort mal das Essen antesten. Und Schwups einmal durch den Pub, hinten nichts frei, also zurück zu den freien vorderen Plätzen. Fehlanzeige, die waren mittlerweile besetzt.

Trotzdem war mir das Glück noch hold: in einem Pub bei mir um die Ecke habe ich als aller erstes mein Handtuch ausgebreitet, meine persönliche Parzelle abgesteckt und bin dann erst zur Theke marschiert. Irritierend fand ich die Schilder: "Bitte passen Sie sehr gut auf Ihre Wertsachen auf!", nun ja, die mussten jetzt auf sich selbst aufpassen. Und siehe da, es gab nicht nur leckres Essen, sondern auch leckres Ale UND gute Musik! Peter Gabriel, Simple Minds, Depeche Mode, Cure… Das war zu viel für meine Nerven. Ich hegte starke Zweifel an der Wahrnehmungsfähigkeit meiner Sinne. Das konnte nur ein Hirngespinst sein! Ich entschloss mich dem Gespinst mit einer angemessenen Anzahl Pints entgegenzutreten.

Ich bin mir nicht sicher wer gewonnen hat, aber mit meinem Buch kam ich nicht sehr weit. Hat Spass gemacht…

                      

 

    I don't like Mondays. Aber schon wieder startet eine Arbeitswoche damit...

So, mein Ruf ist wieder hergestellt. Die Hefen befinden sich in der originalen Stammkultur und haben mich nicht mal von weitem gesehen. Ich hatte Wert darauf gelegt, dass ich erst nach dem Wochenende neue Zellen von meinem Kollegen bekomme. Übers Wochenende hätten eventuelle Hefen genügend Zeit sich zu vermehren und zu offenbaren. Und siehe da... Kollege meinte zwar die Kultur sähe gut aus, aber zum Glück hat Andy ein geschultes Auge, was die Identifikation von Hefezellen anbelangt. Ich hab beim Empfinden von Schadenfreude ja fast ein schlechtes Gewissen.

 

Tja, damit ist meine Arbeit jetzt noch weiter verzögert, denn erstmal muss diese letzte Kultur "geheilt" werden. Und Andy hat nicht mehr für mich zu tun als diese eine Klonierung. Eieiei... Nicht, dass mir noch langweilig wird.

Im Heim merke ich, dass auch eine zweieinhalbstündige Trocknerfahrt meiner Wäsche nicht zum trocknen reicht. Aber diese ungemütlichen Linoleumverbrechen vor der Küchenzeile und im "Bad" habe ich nun endlich mit günstigen Teppichen bedeckt. Jaja, so günstig gibt's die halt nur bei den Schweden;-) Genauso wie Füllmaterial für die Besucherritze: zwei Decken für je £1,50. Ich fahr auch nie wieder hin.

                      

 

    27.1. Schon der vierte Sonntag, jetzt bin ich drei Wochen hier...

Seltsam: wieso regnet es denn gar nicht?

Was zum Henker war das schon wieder für ein Tag? Auf der Suche nach einem kleinen bisschen Grün und Ruhe, war der Spaziergang durch den Holland Park gestern eigentlich schon gar nicht so schlecht, auch wenn er etwas klein geraten ist, der Park, und weit und breit keine Windmühlen oder Tulpen zu sehen sind. Immerhin ist er bei mir um die Ecke.

Heute standen die Hampstead Heath auf dem Programm (da wo der Hugh der Julia beim Dreh zuhört;-). Mein Reiseführer meint: "Die Hampstead Heath mit ihren hügeligen Wäldern und Wiesen scheint Welten entfernt vom Londoner Stadtzentrum...". Na, wenn sich das nicht vielversprechend anhört, oder? Irgendwo im Norden gelegen, hinter dem Regents Park und Camden Town - ne knappe Stunde mit zwei Bussen. Leider hat sich die Aussicht während der Fahrt gar nicht gelohnt. Vielleicht sollten Londons Stadtplaner und ersehnenswerte Ästhetikbeauftragte mal weniger mit der Underground Tube fahren und öfter aus Busfenstern schauen. However.

Die Hampstead Heath sind eine Mischung aus großen Rasenflächen, waldartigen Fragmenten und einigen Badetümpeln - oft sieht man die umgebenden Häuser im Weg rumstehen. Alles ist durchzogen von betonierten Wegen, oder völlig verschlammten Trampelpfaden. Eigentlich ganz nett, wenigstens streckenweise. Natürlich voller Menschen. Völlig verwirrt hat mich eine Menschenansammlung on top eines dieser raren Hügel. Tanzen die? Oh, vielleicht findet dort ein Wettbewerb im Drachensteigen statt... Oben angekommen, seh ich, dass die alle irgendwas fotografieren. Nur was? Ich konnte nichts Sehenswertes finden. Nun ja, dann dümpelte es mir langsam: es schien ein echtes Highlight für die Londoner zu sein die Bauten ihrer Stadt von oben zu sehen. Aussicht nennt man das wohl. Nu ja, ich habe von diesem Konzept gehört, bin aber der falsche Ansprechpartner. Ich habe noch nie großen Reiz bei Fernsichten verspürt... Nach einigen Minuten in etwas bewachseneren Terrains bin ich einer Treppe gefolgt. Oben angekommen führten nur noch Trampelpfade weiter und ich war inmitten eines kleinen Wäldchens. Etwas weiter gab es eine Lichtung. Da wohnten ein Haufen Eichhörnchen, wie übrigens auf jedem Baum hier in London, und es gab tatsächlich eine freie Bank und niemanden um mich herum, außer der Sonne, die direkt vor mir war. Zeit für ein Buch.

Das Nandos Experiment Back in Notting Hill wollte ich mein Abendessen in einem gemütlich aussehenden Pub versuchen. Die Speisekarte las sich ganz ansprechend und die Küche war sonntags durchgehend bis 9 pm geöffnet. Drinnen gab es einige freie Plätze und Deuchars, das Bier, welches ich schon aus dem Hill Gate kannte. Als ich was zu essen bestellen wollte sagte die freundliche Dame an der Theke: "Oh, I'm not sure if you can get something to eat."    weiter

Drei Minuten später war sie sich sicher: Die Küche war geschlossen (Vielleicht plötzlich, sicher jedenfalls einfach so. However). Tja, da stand ich nun mit meinem Bier; die letzten Sitzplätze waren zwischenzeitlich alle besetzt worden. Ich hab dann ein rather ungemütliches Thekenpint hinter mich gebracht und hatte immer noch Hunger. Ich entschied mich endlich mal Nandos auszuprobieren.

Diese südafrikanisch/portugiesische Restaurant­kette, deren Chicken Piri Piri mir so sehr ans Herz gelegt wurde - ein Laden ist direkt bei mir um die Ecke. Sieht sehr ungemütlich aus, aber das ist hier in London keine Besonderheit. Ich also rein und hab mir erstmal erklären lassen, wie es dort zugeht. Man wählt einen Platz, bestellt unter Angabe seiner Tischnummer an der Theke, lässt währenddessen all seine Sachen unbewacht rumliegen, das Essen bekommt man gebracht, man müsse sich aber selbst um Besteck kümmern. Da dort genügend Personal ständig im Laden rumwuselt, könnten sie den Service genauso gut komplettieren, die Vollpansen. Nun gut. Ich setze mich also an einen freien Tisch und studiere die Karte. Fünf Minuten später wird ein gemütlicherer Tisch frei - etwas weiter hinten - und ich setze mich dort hin. Ausgesucht hab ich mir das einzige hähnchenlose Gericht. Gab's natürlich nicht. Also musste ich mich spontan für irgendwas anderes entscheiden. Zurück am Tisch packte ich mein Buch aus und bekam schon bald Gesellschaft von verwirrt dreinblickenden Kunden und einer Mitarbeiterin, die alle der Ansicht waren, dass ich dort gar nicht wirklich sitzen durfte. Wie sich herausstellt, gab es nämlich keine freie Platzwahl. Freie Tische sind nämlich, unter Umständen die ich nicht kenne, gar nicht frei sondern besetzt, wenn sich eine grüne Gockelfigur auf dem Tisch befindet. Das hatte ich nicht geahnt und wurde mir ja auch bei meiner Einführung nicht mitgeteilt. Auf dem Platz 30 cm neben mir war kein Gockel, also setzte ich mich halt dorthin. Klar hätten sich ja auch die anderen dorthin setzen können, aber das wäre weniger umständlich gewesen. Jedenfalls bekamen die dann ihr Essen. Und etwas später kam ein weiteres Gericht für sie, was sie aber nicht bestellt hatten und daher zweifellos für mich sein musste - nicht verwunderlich, da ich bei der Bestellung ja deren Platz angegeben hatte. War ganz lecker, doch auf halbem Weg wunderte ich mich etwas über das halbe Hähnchen - so etwas hätte ich doch nie bestellt, oder vielleicht aus Versehen? Nein, hätt ich nicht. Den Maiskolben hatte ich allerdings bestellt (übrigens ohne Festhaltemöglichkeit, wie z. B. Zahstocher - Besteck kann man getrost vergessen). Mein Essen kam dann noch. Ich weiß zwar nicht wessen Essen ich mittlerweile angefangen hatte, aber irgendwie passt es ja auch wieder zu der ständig wiederkehrenden Unorganisiertheit. Nu ja, lecker war's, wenn auch etwas zu teuer, im Vergleich zum leckeren Essen im Hill Gate und sicher war das Huhn kein glückliches Huhn...

                      

 

    25.1. Der dritte Freitag. Endlich kann ich mich mal unter ein paar Leute mischen...

Einige Arbeitskollegen wollten zu einem Konzert, bzw. Gig im Half Moon Pub: Tymon Dogg & The Quikening + Gertrude + Mr Irvine + Planetzim. Also Tymin Dogg als Hauptband mit drei supporting acts. Sollte so ne Art Folk-Punk für wenig Geld werden. Aus meiner Arbeitsgruppe war nur Julia dabei. Komischerweise waren wir aber alle nur Ausländer. Eine Mischung aus Italien, Brasilien, China, Kanada, dem Iran und dem Niederrhein. Die Einheimischen wären lieber unter sich, hieß es dann (Ob überhaupt jemand irgendwen gefragt hat?). Ich hab ne schöne Wegbeschreibung im Netz gefunden. Leider nicht notiert, denn ich dachte ja, dass die organisierende Person Bescheid wüsste. Ne. Das war falsch. Es hat ca. ne halbe Stunde Fußmarsch, inkl. anständigem Umherirren gekostet. Kann mich ja nicht belasten. Drinnen angekommen haben Julia und ich erstmal ein Bier getrunken ("Adnams" für mich, auch bitter - schmeckt wie alle anderen bitteren Biere hier bisher). Die anderen haben sich woanders erstmal was zu essen geholt und das anschließend im Pub, inkl. der mitgebrachten Limodosen, am Tisch verzehrt. Keiner kam auch nur auf die Idee im Pub was zu bestellen. Noch kurioser: Ständig hat irgendwer versucht für den Auftritt einen Preisnachlass für uns auszuhandeln (Klar, ist ja auch so ne Art Basar, so ein Pub. Na, was soll man bei der Menschenmischung auch erwarten?). Die ersten beiden Supportacts hörten wir von draußen. Waren definitiv für jedermanns Ohren scheiße. Nun ja, Julia und ich waren mittlerweile bei unserem zweiten Pint, als alle anderen aufstanden und nach Hause gehen wollten. Die haben überhaupt nicht im Traum daran gedacht der Hauptband mal eine Chance zu geben.    weiter

Tja, wir beide sind dann geblieben und es war wirklich klasse! Die Vorband Gertrude fast noch besser als Tymon Dogg (www.gertruderock.com, bzw. www.tymondogg.net).

Diese Welt hier funktioniert komisch. Kein Wunder, dass hier sogar die Kühe verrückt werden...

Leider hab ich meine heilige und frischaufgeladene Oystercart im Pub verloren (eine wunderbare Erfindung des londoner ÖPNV, bzw. dem TfL - Transport for London: man kann Bargeld und/oder Wochentickets für Bus oder U-Bahn drauf laden, muss diese Magnetkarte vor der Fahrt einfach nur an einen gelben Sensor halten und kann so viel günstiger durch London hetzen). Aber, siehe da, weil ich die Karte aus irgendeinem Grund registriert habe, konnte ich sie sofort online sperren lassen und fast das ganze Guthaben auf eine neue Karte transferieren lassen, welche ich demnächst zugeschickt bekommen soll. Und wie sich herausstellen wird, schon am Montag - na, das funktioniert ja mal. Beim Londoner ÖPNV scheint wirklich vieles sehr einfach und recht organisiert zu sein. Obwohl ich mich häufig frage, wieso die mit irgendwelchen Wartungsarbeiten ständig am Wochenende den Betrieb still legen müssen und nicht in der Nacht, wenn die Bahn nicht fährt - aber gut… Immerhin kommt man so in den spannenden Genuss wochenends mal wieder mit der Tube unterwegs zu sein und irgendwelche undurchsichtigen Durchsagen auf den Bahnhöfen zu hören… "…station Irgendwoimnichtsundkennichehnicht … bla … no service … bla … bla … bla …

                      

 

    Donnerstag. Endlich im Heim.

Natürlich war ich mal wieder einkaufen, denn irgendwas braucht man ja immer. Der Vorteil der Shops um die Ecke... Und - hey - ich konnte zum ersten mal meine neue Debit Bankkarte benutzen. Und sie hat sogar funktioniert - nicht, dass ich wirklich skeptisch gewesen wäre... Aber man sollte hier auf alles gefasst sein.

Ich packe gemütlich meine Einkäufe aus und bemerke nur langsam, dass irgendwas anders zu sein scheint. Mein liebevoll ans Fenster geklebte Gardinenimitat hat das Rumgehänge satt gehabt. Ach guck an... Was macht denn Bryan da neben der Mikrowelle? Scheinbar hat er auf dem Weg dorthin mein Geschirr umgestellt. Ach, da ist ja ein Griff am Küchenfenster.

Da war doch tatsächlich jemand in meiner Abwesenheit hier und hat Teile seiner Arbeit zu Ende gebracht, sprich endlich diesen dämlichen Griff angebracht. Ich hätte mich ja tatsächlich gefreut, wenn ich wenigstens darüber informiert worden wäre - nur ne kurze SMS. Ich bin auch der Meinung, dass jemand der so schlampig arbeitet und einen Fenstergriff vergisst anzubringen (neben den anderen Kleinigkeiten) ruhig mal auf die Anwesenheit des Mieters warten kann. Nu ja, so scheint diese kleine Inselwelt hier wohl nicht zu funktionieren. Who cares but me...?

                      

 

    23.1. Der dritte Mittwoch. Ein langer Tag, aber große Erfolge in meinem kleinen Königreich...

Zehn von zehn Minis korrekt. Wahnsinn. Jemand der kloniert, freut sich über solche Dinge. Und zwar sehr und erst recht, wenn es sich um die erste Klonierung in einem neuen Labor handelt. Nach der "Hefe-Angelegenheit" ein kleiner Schritt in die Wiederherstellung meiner Reputation.

Und tatsächlich fällt Andy am nächsten Tag in einen wahren Freudentaumel - endlich ginge es weiter; ich bin mir sicher, wenn er keine Ohren hätte, würde er im Kreis grinsen. Tut gut.

Aber, es hat noch kein Ende: Ich bin nun offiziell bei der UKGEZ registriert. Jetzt darf ich endlich die fünf unansprechendsten TV-Programme sehen die sich ein Barbara Salesch Seher wahrscheinlich vorstellen kann, wenn er denn könnte. Dafür hab ich mir erstmal ne Fernsehzeitung gekauft, denn beim ziellosen Zappen bleibt man ja bekanntlich dumm. Gut, ich bleib dann bis mindestens Samstag dumm oder lass die Kiste aus, denn diese Scheißzeitung ist natürlich erst ab Samstag gültig und warum sollt ich hier auch TV glotzen...

                      

 

    Montag. Meine dritte Arbeitswoche

So eine Scheiße! Ich hab tatsächlich eine Hefe-Kontamination in meiner Zellkultur - der SuperGAU für anspruchsvolle und verwöhnte Biologen! Diese Biester stammen nie und nimmer von mir! Das glaubt hier natürlich keiner, denn der Neue ist es ja immer. Würd ich auch denken. Ich hab die Zellen erst letzte Woche Donnerstag bekommen und bin Kontaminationen überhaupt nicht gewöhnt. In Düsseldorf wäre jetzt das Zellkulturlabor unter Quarantäne gestellt worden, alle hätten Angst und viele würden Putzen. Hier hat Andy in beeindruckenden fünf Minuten ein Fungizid aus dem Gefrierschrank gezaubert. Ich bin mir sicher, dass ich früher erstmal eines hätte bestellen müssen.

Wie werde ich diesen Ruf nur wieder los? Hoffentlich stammen sie nicht doch von mir... Shit happens in kingdoms, too...

 

Mustafa Ha, the housekeeping Mustafa war da und hat mir den heiligen Trick mit dem Boiler gezeigt: "Sagst Du nich meinem Boss! Ja? Must Du nur Wasserzufuhr unterbrechen und kriegst Du Druck." Gut, war natürlich broken english… "Du from Germany? Ah, is YOUR Boiler! Is Vaillant, is German! The very best in the whole UK! Like Mercedes! Or BieEmDabbleju! Das ist DEIN Boiler, denn Du bist German!" Großartig! Hab ich gelacht! Aber… der Trick funktioniert.

                      

 

    20.1. Das zweite Wochenende mit dem dritten Sonntag

Jetzt wohne ich schon eine Woche hier in Notting Hill. Gestern hab ich mir selbstverständlich das Pflichtprogramm gegeben: ein Spaziergang über den ach so berühmten Portobello Market (der aus dem Film) - ist ja schließlich direkt um die Ecke. Ach jo, sach ich… ganz putzig. Jedenfalls der erste Teil, auf dem es eine Unzahl von Antiquitäten gibt: Von der Ritterrüstung bis zur Teetasse. Recht gemütlich. Dann folgt ein Gemüsemarkt. Nun, er ist halt ein Gemüsemarkt. Und dafür, dass er an so einem famosen Platz stattfindet, könnten die Marktleute sich ruhig mal etwas mehr Mühe bei der Darstellung ihrer Waren geben. Also Obst und Gemüse aus undurchsichtigen, hässlichen Plastikschüsseln lädt nicht wirklich zum reinbeißen ein. Gut, es gibt Wichtigeres. Aber, das Auge isst ja mit, woll? Danach wird's sehr underground­flohmarktartig. Erinnert mich an spanische Wochenmärkte. Nicht sehr einladend. Insgesamt schafft es dieser Markt aber trotzdem ein besonderes Flair zu verbreiten...

Hey, aber einen tollen Pub hab ich gefunden: das Hill Gate. Erstmal haben die dort leckeres Bier ("Deuchars", ein leckeres, bitteres Ale) und tatsächlich auch noch einen guten Koch (scheint mir etwas italienisch angehaucht zu sein). Aber was ganz Besonderes war, dass ich dort am Samstagabend noch einen Platz gefunden habe. Hier ist wochenends nämlich echt die Hölle los! ... Schon seltsam, dass ich dieses halbabgestandene, schaumlose "Bier" tatsächlich jetzt schon als lecker bezeichne. Bin ich schon assimiliert oder habe ich nur meine Ansprüche runter geschraubt? Ich bin mir ganz ehrlich nicht sicher... Aber etwas Schaum würde denen hier wirklich mal gut tun. Die füllen das Bierglas hier wohl nur bis weit über den Rand, damit man auch eine anständige Lache auf dem Tisch produzieren kann (komisch, dass bei uns sowas durch Bierdeckel verhindert werden will) oder doch nur um dieses alberne Pint vollzukriegen (nicht die Pinte selbst, sondern die angeblichen 568,26 ml - OK, der ist flacher als das Land hier; ich hör auf damit. Moment... "Geht ein Mann in' Wald..." ;-).

                      

 

    15.1. Eine Wohnung ist eine Wohnung...

...ist eine Wohnung Auch wenn ich sowas wie ein Dach über dem Kopf hatte, war doch jeder Gang ins Badezimmer eine echte Überwindung. Am Dienstag konnte man das Fenster nicht mehr schließen, was seltsamerweise plötzlich sperrangelweit aufstand. Eigentlich sollte man es nur kippen können und eine komplette Öffnung durch ein Schloss unterbunden sein - man könnte ja genügend Gründe gefunden haben sich das Leben zu nehmen - I see. An diesem Tag ging es komplett auf statt zu, aber lies sich gar nicht mehr schließen. Immerhin gab es damit einen Grund die verantwortliche Chefunterkunfts­ansprechpartnerin­mitwichtigemtelefon mal aus dem Bett zu klingeln und nebenbei zu fragen, wieso eigentlich meine Wohnung beim Einzug nicht gesäubert war. Ich war etwas überrascht und empfand eine angenehme Genugtuung, als ich ihren Ekel immer deutlicher auf ihrem Gesicht sah. "Das hätte so nicht sein dürfen! Donnerstag kommt jemand!" Auch wenn ich das bezweifelte, ging doch wenigstens mein Fenster wieder zu. Übrigens kam Donnerstag zweifellos niemand.

Am nächsten Tag habe ich mich online dann mal nach einer neuen Wohnung umgesehen. Auf www.gumtree.com findet man einen Haufen Privatangebote und davon viele mit Fotos. Über irgendwelche Agencies hab ich nämlich hier nur Horrorgeschichten gehört: teuer, unzuverlässig, noch teurer, noch unzuverlässiger, etc... Ich wollt's daher mal privat versuchen - wie zu Hause halt. Da Jenny für ihre Zweizimmerwohnung in einer nicht ganz überzeugenden Wohngegend soviel bezahlt wie ich für meine Einzimmer Studentenbutze, nämlich rund £1000 pro Monat inkl. allen unangenehmen Nebenkosten, hab ich mir das mal als annehmbar schöngetrunken (was die Nebenkosten angeht, gibt es hier auf der Insel nämlich eine seltsame "Wohnsteuer" namens "Council Tax", die, je nach Wohngegend ruhig mal viele bunte Hundert betragen kann. Je besser die Gegend, desto niedriger diese Steuer. Wer in einer scheiß Gegend wohnt, darf dafür auch noch mehr bezahlen, weil die Stadt ja mehr für Stadtsachen ausgeben muss - Feuerwehr, "Verbrechensbekämpfung", Müll, etc... Immerhin werden so die Armen ein bisschen geschröpft). Seltsamerweise findet man in britischen Wohnungsangeboten niemals Angaben über die Wohnfläche, weswegen ich mich darauf beschränkt habe nach Angeboten für ein Einzimmer Studio zu suchen, die von Fotos begleitet waren und deren Adressen sich entweder gut anhörten oder Andys Empfehlungen entsprachen. Unglaublich, wie oft man tolle Fotos sieht und irgendwo den Zusatz findet, dass die Fotos nicht dem Original entsprechen, sondern nur identische Verhältnisse widerspiegeln. Abzocker halt. Es war jedenfalls erstaunlich wie viele neue Angebote an diesem Abend online gestellt wurden oder auch ganz schnell wieder von der Seite verschwunden waren. Immer wenn ich die Seite aktualisiert hatte waren ein paar neue Anzeigen online. Rund 250 an diesem Abend; alle meinem Profil entsprechend und nur in Nordlondon. Aufmerksam wurde ich auf eine Wohnung in Notting Hill. Zum einen wegen des attraktiv klingenden Stadtteils (in dem Film sah's ja gar nicht mal so schlecht aus;-) zum anderen wegen schicker Fotos von neurenovierten und neumöblierten Zimmern. Das alles für £15 mehr pro Woche als in dieser scheiß Studentenbutze, alles inklusive, nur online wäre ich dort nicht. Es war aber nichts von Kurzzeitverträgen zu lesen, denn das sollte hier in London ein großes Problem darstellen, hab ich mir sagen lassen. Ich habe mir also ein Herz gefasst und angerufen. Ein Herz, weil ich es gar nicht einfach finde mit Muttersprachlern zu telefonieren. Na, zum Glück kam die Dame am anderen Ende der Leitung aus der Slowakei. Sechs Monate wären kein Problem, sie könnte mir aber erst morgen sagen, ob die Wohnung noch verfügbar wäre. Sie war es. Und ich konnte sie mir noch am gleichen Abend ansehen.

The viewing Vor der Tür waren wir sechs bis zehn Interessenten, darunter einige Paare - komisch so was. Meine Chancen auf die Wohnung wuchsen allerdings deutlich, als sich herausstellt, dass gleich vier Wohnungen frei waren. Die aus dem Internet sah echt nett aus: schön verwinkelt, dadurch recht gemütlich, das Bett auf einer Empore, durch eine enge Leiter zu erreichen. Da unten nur ein kleiner Esstisch stand, würde sich neben dem Schlafen wohl auch das Lesen und Surfen oben, jenseits der Leiter, abspielen, während das Bierholen und Pinkeln unten stattfinden würde. Na, herzlichen Glückwunsch. In der langweiligeren, aber deutlich praktischer gestalteten Wohnung im dritten Stock wollte sonst keiner wohnen, also hab ich direkt zugesagt. Die derzeitige Bewohnerin hatte sich nämlich in die neurenovierte Wohnung im vierten Stock verliebt und wollte am nächsten Tag umziehen. Wie sich allerdings herausstellte, hat sie es sich zwischenzeitlich anders überlegt (sie kommt zwar aus der Schweiz, findet es im vierten Stock aber zu hoch. Wahrscheinlich ist sie deshalb auch in ein flacheres Land gezogen;-), so dass ich nun gerne in dieser frisch renovierten Wohnung Nr. 20 wohne - verrückt! Völlig neues Mobiliar, alles sauber und angenehm ruhig, was mir hier in dieser scheißlauten Stadt sehr wichtig ist. Seltsamerweise versteckte ich nun doch eine Agency hinter dem Angebot. Die scheinen ihre Sache aber recht nett und zuverlässig zu gestalten und wollen einen Witz von £25 als Vermittlungsgebühr von mir haben. Am Sonntag konnte ich einziehen und Andy war schon wieder so nett und hat mir mit seinem Autochen beim Umzug geholfen - großartig. So habe ich also nur eine Woche in dieser Ekelhütte verbracht und bekomme den Rest der im Voraus bezahlten Miete angeblich noch zurück.

Cash Etwas schwierig gestaltete sich am Vortag allerdings die Bezahlung der Kaution. In Höhe einer Monatsmiete in Bar, eine Monatsmiete im Voraus durfte überwiesen werden. Nun ja, da ich Karten von zwei Banken dabei hatte, sah ich kein Problem das Bargeld an Automaten zu bekommen.    weiter

Leider wusste ich da noch nicht, dass man pro Tag hier auf dieser verkackten Insel nur £200 bekommt. Das ist ja nicht mal in der Nähe von den üblichen 500€. Zum Glück hatte ich früh genug angefangen Geld zu ziehen. Seltsames Gefühl allerdings, wenn direkt neben den Automaten Schilder hängen, die darauf hinweisen, dass hier schon sehr oft Leute überfallen wurden. Und dabei sah die Gegend schon so aus, als ob hier genügend Council Tax zusammen kommen würde... Übrigens hat meine neue Bank nicht im Traum daran gedacht mir die Miete vorzustrecken. Obwohl sie ja bescheinigterweise wussten, wie viel Lohn zehn Tage später auf meinem Konto eintreffen würde...

Inselinternet. Ganz was Ausgefallenes ...aber onlinekommen ist hier gar nicht so einfach, denn ich hab keine BT-Line. Denk ich jedenfalls, denn ich habe trotz ausgiebiger Recherche noch nirgends gelesen was das ist. Ich tippe einfach mal auf eine stinknormale Telefonleitung der British Telekom. Tja, und die Installation einer solchen kostet hier schlappe £124, nicht £125. Für sechs Monate find ich das etwas happig. Zumal ich keinen britischen Festnetzanschluss brauche, man dafür auch noch £11 monatlich berappen muss und man noch so einiges mehr zahlen darf, um endlich online zu kommen. Einen Kabelanbieter gibt es, der keine BT-Line benötigt. Allerdings einen Kabelanschluss. Den gibt es bei mir aber auch nicht.

Man kann hier aber USB-Modems mit SIM-Karten von Mobilfunkanbietern bekommen. Man soll damit bis zu 3 Mbit schnell downloaden können, was ja immerhin dreimal so schnell ist, wie ein rudimentärer DSL-Zugang. Tja, aber bei Anbietern wie der deutschen T-Online oder O2 bekommt man keinen Vertrag unter 12 Monaten. Und da dieses blöde Modem, wie jedes Handy, auch im Ausland funktioniert, kommt man natürlich auch nicht aus dem Vertrag, wenn man die Insel verlässt (und bei rund £30 pro Monat fänd ich das schon wichtig). Wenigstens ein Anbieter, "Three", bietet eine Möglichkeit ohne Vertrag an, für die ich mich jetzt auch entschieden habe. Ich durfte für nur £99 das Modem kaufen und kann jeden Monat selbst bestimmen, wie viel ich runterladen will (z.B. 3 Gb für £15, übrigens braucht man rund 20 Mb/h für Skype und rund 30 Mb/h für Counter Strike;-). Tatsächlich ist es so, dass man maximal 1 Mbit schnell ist, was mir ausreichen würde. Die Verbindung schwankt allerdings sehr stark. Abends und fast am ganzen Wochenende ist die Verbindung meist so schlecht, dass man nicht mal in Ruhe übers Netz telefonieren kann. Fazit: diese Scheiße geht mir ganz gehörig auf den Sack! So viel Geld für so einen Mist! Meine Beschwerdemail hat selbstverständlich auch gar nichts gebracht!

Und schon wieder Schweden Ja, ja;-) Die haben hier halt sonntags auf. Und ich brauchte doch ne Klobürste. Und durch mein Miniküchenfenster kann ich beim nackt Tee kochen beobachtet werden. Also musste ich mir irgendwas Vorhangartiges besorgen. Da 15 x 70 cm ein ungewöhnliches Format für ein Fenster ist, hab ich mir nen Stück Stoff gekauft, mit meiner neuen Bastelschere zurechtgeschnitten, die Ränder umgeschlagen und mit Tesafilm verklebt, damit sie nicht aufribbeln. Jaja, das hat wirklich nur von 12 bis Mittag gehalten und ich musste dann doch Nadel und Faden bemühen. Was sollt' ich denn machen?!-) Ach, wenn jemand eine neue Wohnung bezieht schenkt man doch häufig Pflanzen... Das hab ich gleich mal für meine eigene Einweihungsparty mit mir selbst übernommen: bei mir wohnt jetzt Bryan, ein kleiner, very british zurechtgestutzter Ficus aus Edmonton, London. Ein etwas zurückhaltender Zeitgenosse, aber ich bin nicht allein. Gemütliches Licht fehlte noch... Doch mit meiner neuen Leselampe erstrahlt diese kleine Welt gleich in einem viel gemütlicheren Licht und lässt einen doch glatt vergessen die Hektik des lauten Alltags, das Getöse dieser furchtbaren Welt, bla bla bla... Jetzt fehlen eigentlich nur noch ein paar Bilder an den Wänden, aber das ist hier nicht so einfach. Der Vermieter möchte nämlich gerne vorher ein Photo seines Wunschbildes begutachten. Und wenn er einverstanden ist, dann kommen Leute von der Agency und hängen es auf (da hat doch nicht etwas jemand schlechte Erfahrungen gemacht...?).

Und so sah ich meiner ersten Nacht in einer schönen Wohnung entgegen. In sauberen, gemütlichen und "ordentlichen" Betten (Ordentlich? Gut... Zwei permanent voneinander wegdriftende Einzelbetten mit endloser Besucherritze zwischen den rund 25 cm hohen puddingweichen Matratzen - und ich meine unseren Pudding, keinen Eierkuchenteig oder Blutwurst), gemütlichem Licht, mit Strom für Musik...

Ich habe toll geschlafen. Richtig gut und fest. Nur die Dusche war nach dem Frühstück eine echte Herausforderung. Das Wasser war nämlich eiskalt! Seeehr klein kalt! Aber, man ist ja Mann... Vorher zumindest und danach, wenn man es hinter sich gebracht hat. Ein zweites Mal musste ich noch, dann war the housekeeping Mustafa da und hat in meiner Abwesenheit Zwiesprache mit meinem Boiler gehalten. Ich frag mich sowieso was für eine Art von "Handwerker" hier am Werk war? Wär das mein Stift… So was Schludriges! Mein Klorollenhalter war nicht fertig festgeschraubt (hat ihn wohl die Lust verlassen), meinem Badezimmertürbeschlag fehlt eine von vier Schrauben, der elektrische Türöffner für die Haustür funktioniert nicht, der Rauchmelder ist nur zur Hälfte angebracht, mir fehlt ein Fenstergriff für mein viel zu klein geratenes Küchenfenster. Ich vermute, hier ist irgendwer nicht von seiner Mittagspause zurückgekommen. Seltsam.

                      

 

    Der erste Montag. Mein Arbeitsplatz...

Ach herrje. Ich kriege mein Kopfschütteln nicht mehr unter Kontrolle. Sollten meine Augenbrauen nicht direkt über den Augen sein? ... Sprachlos. Fassung passt noch, da ich versuche darüber zu lächeln.

Architektonisches Zwielicht Der erste Eindruck. ...fing mit dem Gebäudekomplex an. Angefangen hat hier irgendwann einmal alles mit einem schönen alten Krankenhaus. Dann dachte man wohl, dass man weitere Gebäude gebrauchen könnte und hat sie irgendwo daneben und dahinter gestellt und dazwischen dann irgendwelche anderen. Bisher nicht viel einzuwenden. Aber, wenn ich hier gerade aus dem Fenster schaue, sehe ich Gebäude mit drei unterschiedlichen Fassaden: Beton, gelbe Ziegel und braunrote Ziegel. Dazu noch eine prächtige Anhäufung von Rohren und mehrere dutzend Meter hohe Schornsteine. Niemand schien je auch nur einen Gedanken an eine Gebäudeintegration in das schöne Krankenhaus verschwendet zu haben. Zwischen allen Gebäuden ist ein wenig Platz, der aber sehr sorgsam vollgemüllt wurde. Überall steht irgendwas rum. Hier passt ja noch ein Gebäude, ein Fass, eine Mülltonne oder ein Rohr hin. Völlig chaotisch und leider auch sehr dreckig - niemand denkt hier ans Fegen. Ich hab mal in einem Chemiewerk gearbeitet (Dea, jetzt Sasol in Moers); dort sieht es ähnlich aus - nur nicht so vollgemüllt.

Das ist sowieso eines der auffälligsten Dinge hier in London: the view, the wonderful Aussicht. Schöne viktorianische Häuser werden hier ständig mit hässlichen Geschäften in ihrem Erdgeschoss penetriert. Man sollte hier eigentlich immer nach oben schauen, wobei einem dabei die Aussicht aus einem Doppeldeckerbus helfen kann (so hatte ich kürzlich einen exklusiven Blick auf eine ausgeklügelte Vordachabfallentsorgung; Beuys hätte Müllsäcke nicht besser platzieren können).

Doppeldeckerbusse sind sowieso aufregend. Ein echter Kirmesersatz. Ich glaube hier nur selten, dass die Ecke oder das Schild stehen bleiben werden oder der Fahrradfahrer neben mir überleben wird - toll!-) Irgendwann setze ich mich mit meinem Wochenticket, einem Kasten schalen Bier und ein bisschen Spaß in einen Doppeldeckerbus, nach ganz vorne, und schließe mit mir selbst Wetten ab (ach verdammt, hier darf man ja in der Öffentlichkeit nicht trinken. Deshalb würde ich hier wohl am meisten ein sommerliches Bier im Park vermissen, falls ich mich entschiede länger zu bleiben... Gut, man macht es wohl trotzdem...).

Innen Scheinbar haben verwinkelte Burgen und Labyrinthe einen prägenden Einfluss auf die Innenarchitekten gehabt... Ich arbeite im vierten Stock. Als ich mit Andy einen Kaffee trinken war, gingen wir zum Treppenhaus (kein großes - eher eine Art Notausgang: nur Beton, wieder mit Rohren überall, scheißekalt und zugig) und bewegten uns zwei Stockwerke weiter nach unten. Dann ging es mit der Securitycard durch eine Tür, nach rechts, durch zwei weitere Türen, in den zweiten Stock der Empfangshalle, ein Stock tiefer und ab in die Kantine. Dort gibt es schlechten Kaffee in Pappbechern. Meine Siegburger Kollegin Jenny (macht hier ihre Doktorarbeit, ist mit 23 viel zu Jung und backt ihr eigenes Brot - tatsächlich beides;-) wusste allerdings wo man günstigeren Kaffe in echten Tassen bekommt, der auch noch besser schmeckt. Dafür legt man zunächst den gleichen Weg zurück. Wenn man in diesem erstes Stock angekommen ist, geht man durch eine andere Tür, folgt dem Gang um eine Ecke, kommt mit seiner Securitycard durch noch eine Tür, nimmt den Aufzug bis zur fünften Etage, geht durch eine Tür in einen Gang, dort zweimal um die Ecke, durch eine nächste Tür in ein Treppenhaus und findet so im sechsten Stock, nach zwei weiteren Türen den leckeren Kaffee. Lohnt sich. Sowieso kann man hier ständig lange Wege zurück legen. Mit Jenny und meinem Kollegen Arsen (aus Russland, trinkt aber nicht, ebenfalls Postdoc) bin ich fast bis nach Timbuktu gelaufen (in den verbotenen Stadtteil East-Acton, wovor ich in meiner Belehrung gewarnt wurde) um dort in einem zugegebenerweise recht anständigen portugiesischen Imbiss zu Mittag zu essen. Macht er ständig, weil die Kantine so schlecht sei - gibt schlimmeres Essen, finde ich... Wo ich hier grad schon zu den Leuten abgeschweift bin: ich wurde hier sehr nett aufgenommen. Auch die anderen Arbeitskollegen (Julia, Doktorandin aus Kanada und Hitoschi, Arzt aus Japan) stellen sich als sehr nett heraus.

Zurück zum Innen. Im Labor sah es so aus wie draußen: alles zugemüllt und dreckig. Gut, jeder der schon mal mit mir gearbeitet hat, wird solche Worte von mir erwarten - jaja, ich bin manchmal etwas pingelig;-) Aber hier... Hier schmeißen die Leute einfach alles irgendwo hin. Kartons, Tubes (Reaktionsgefäße), Pipettenspitzenkästen, Bestellzettel, einfach alles was man sich in einem Labor vorstellen kann, was üblicherweise in mehreren Räumen untergebracht ist, statt auf einem einzigen Arbeitsplatz oder unter EINEM Abzug. Überall Chemikalien: auf Regalen, auf Arbeitsplätzen, UNTER Schränken, manche auf Regalen, viele davon auf und neben der Waage - unglaublich. Nirgendwo ist eine saubere Fläche zu finden. Ernsthaft: überall Dreck! Ich hab überhaupt keine Ahnung, wie man so ordentliche Laborarbeit machen können soll (leider war ich so perplex, dass ich nicht daran gedacht habe ein paar Fotos zu machen). Ich hab mir erstmal einen Arbeitsplatz gesucht, entrümpelt und geschrubbt (ist ja hier in UK schon fast meine Lieblingsbeschäftigung). Ich hab auch versucht die uralten Lösungen und Puffer auf meinem Arbeitsplatz zu entsorgen, wurde allerdings von Arsen aufgehalten: "4 M Kochsalz? 1997? Das ist doch noch gut!" ...und hat es sich erstmal unter den Nagel gerissen (neben vielen weiteren Puffern die von Leuten stammen, die hier schon lange nicht mehr arbeiten). Ich hab dann erstmal das pH-Meter in Betrieb genommen und einige Puffer frisch angesetzt. Damit war ich der erste mit self-made Lösungen seit langem. Die Doktoranden hier haben noch nie Lösungen selbst angesetzt. Ach herrje... Ich bereue es so sehr keine Fotos von The Mess gemacht zu haben. Daraus hätte man, jetzt, nach meiner deutschen Putz und Aufräumaktion, eine wunderbare Vorher- und Nachher-Story schrauben können (Ach... "The Mess" kann man übrigens hier nachschlagen: dict.leo.org). Ich ...musste mich auch selbst um Pipetten kümmern, also um mein Handwerkzeug (in Punkto Arbeitsplatz war hier also niemand sehr zuvorkommend). Ich hab einige völlig verdreckte in einem Schrank gefunden, viele davon erstmal gründlich von Innen und Außen gereinigt und ausgewogen, um einen Überblick über ihre Genauigkeit zu bekommen (in vielen deutschen Instituten wären sie schon längst für eine grundlegende Wartung zum Hersteller geschickt worden). Jetzt hab ich zumindest zwei genaue Pipetten und eine hinreichend genaue.    weiter

Das selbe Bild in den anderen Räumen. Es gibt einen Lagerraum für alle vier Arbeitsgruppen hier im Institut, in dem ein Haufen Kartons mit Verbrauchsmaterialien gelagert werden. Natürlich haben die Gruppen keine definierten Regale oder Plätze. Ich habe letztens 20 Minuten damit verbracht 50 ml Tubes meiner Arbeitsgruppe zu finden (so was sollte man im Bedarfsfall mal eben schnell holen können). Ich war also nur auf der Suche nach einem entsprechenden Karton der mit "GT" (gene targeting) beschriftet ist. Keine Chance. Ich wusste am Ende immer noch nicht, ob ich den richtigen Karton nicht vielleicht nur übersehen habe. Wenn ich an alle dran kommen würde, also der Weg nicht durch Kartons versperrt wäre, dann könnte ich demnächst einfach einen Strich auf jede von mir begutachtete Kiste machen - quasi als Merkzettel - und alles wäre nach einiger Zeit auch noch hübsch bunt. Genauso ist es im Kühlraum (4 Grad - ich find hier auf der Tastatur kein Gradzeichen), wo ich eigentlich arbeiten können soll. Das ist hier nur ein Lagerraum für vergessene Bakterienkulturen, für absichtlich dort gelagerte Bakterienabfälle, für Pilzzüchtungen, für durchweichte Kartons, usw. Arsen wollte vor einiger Zeit eines meiner alten Düsseldorfer Protokolle nachkochen (für Immunpräzipitationen). Er hat's nur einmal versucht, hat seine Proteine einfach bei Raumtemperatur gehandhabt (weil ihm im Kühlraum immer so kalt ist), kein ordentliches Ergebnis bekommen und alles auf's Protokoll geschoben. Na, das hab ich ja gern.

Keine Ahnung, wie ICH das hier machen soll. In dem Raum arbeiten? Da riecht's schon ungesund... Und die Ausstattung... Wie, zum Henker, soll ich ohne Fluoreszenzmikroskop mal eben schnell grün leuchtende Zellen begutachten? Ich freu mich schon darauf mit meinen frischen Transfektionen zum (unbeheizten) Lasermikroskop in irgendeinem anderen Gebäude zu wandern. Eigentlich sollte man solch ein Mikroskop nicht für solche Routinearbeit missbrauchen müssen. Und nochmal: Ach herrje...

Verwaltungsangelegenheiten. Von Arbeitsverträgen und Zeugnissen... Wirklich seltsam. Ich musste/durfte schon meiner Bewerbung keine Zeugnisse oder Urkunden beifügen. Und hier angekommen wollen sie auch niemand sehen. Nun ja, da ich einigen Aufwand betrieben habe meine letzten Zeugnisse/Urkunden übersetzt zu bekommen, habe ich keine Kosten und Mühen gescheut eine nette Verwaltungsdame zu finden, die sich sehr gefreut hat wenigstens eine Kopie meiner Promotionsurkunde ad acta zu legen. Ich frage mich, ob ich hier auch ohne anständigen Abschluss hätte anfangen können. Oder, vielleicht hätte ich mit einem zusätzlichen Dr. med. und/oder Dr. phil. noch etwas mehr Gehalt raushandeln können... Was verdient man eigentlich als Atomphysiker? Naja, hier hat man ja auch keine Probleme als "besserer" technischer Assistent oder auch mit nur zwei, drei Jahren Grund-"Ausbildung" eine Doktorarbeit zu bekommen. Die Welt ist schräg...

Noch ein paar Inselfakten: in meinem Vertrag steht, dass ich nur mindestens 35 h arbeiten muss, oder mehr, falls nötig. Man darf hier sieben Tage in Folge wegen Krankheit fehlen ohne ein Attest vorzulegen (da die Hausärzte hier durchweg einen schlechten Ruf genießen, will da aber sowieso keiner hin). Und man hat hier 25 Urlaubstage plus rund 15 weitere "Bankholiday-Tage", an denen hier alles geschlossen ist (inklusive Ostern und Weihnachten - über Ostern hat man hier seltsamerweise von Donnerstag bis Mittwoch frei; eine tolle Gelegenheit mit nur zwei Urlaubstagen für anderthalb Wochen nach Hause zu fliegen - see you).

Wer hätte gedacht, dass deutsche Banken angenehme Institutionen sind? Ohne ein britisches Bankkonto geht hier gar nichts. Das Imperial College, also mein Arbeitgeber, sieht sich tatsächlich unfähig mein Gehalt auf ein deutsches Konto zu überweisen. Das habe ich nicht erwartet. In Anbetracht der horrenden Gebühren die diese abzockenden Euroverweigerer hier anberaumen würden ist das vielleicht auch besser so. Einen Scheck haben die mir angeboten. Tja, aber den muss man ja auch irgendwo hinbringen. Leider kann man hier nicht einfach in eine Bank spazieren, gewappnet mit seinem Personalausweis und einem Arbeitsvertrag und ein Konto eröffnen. Hier gibt's nämlich keine Personalausweise. Also sind die hier auch scheinbar nichts wert. Wertvoller ist tatsächlich ne Stromrechnung. Wer spinnt nun? Die Römer? Na, zum Glück hat das Imperial College ein Abkommen mit einer Bankfiliale auf dem Campus, bei der man mit einem Brief vom Arbeitgeber gewappnet trotzdem ein Konto eröffnen kann.

Ich freu mich auch schon auf die Bankkarte, da meine drei deutschen Karten hier seltener funktionieren als ich gedacht hätte. Übrigens ist die heilige PIN-Nummer, die man in Deutschland ja unter keinen Umständen irgendwem verraten darf, erst recht nicht den Bankangestellten, hier gar nicht so heilig. Hier kann man sich am Schalter ne einfacherer PIN aussuchen und alles wird gut. Ach herrje mal wieder. Beim online-banking gibt's übrigens auch keine TAN-Nummern. Und noch ein ach herrje. Und, überraschenderweise kann man hier online scheinbar keine Auslandsüberweisungen tätigen. Das heißt, wenn ich wieder zu Hause bin und noch Lohn oder sonst irgendwas bekomme, dann muss ich das am Automaten abholen und kann das Konto eigentlich für nichts mehr gebrauchen (auch wegen der Gebühren). Und dabei hab ich doch schon kurz mit den sicheren 5,5% geliebäugelt, die man hier angeblich auf ein normales Konto bekommt, sobald man eine National Insurance Number hat, das britische Äquivalent einer höchst wichtigen Sozialversicherungsnummer. Da muss ich mich nochmal schlauer machen... (Sowas ist ja eh immer eine gute Idee). Tja, immerhin hab ich jetzt ein Scheckheft und weiß nichts damit anzufangen. Schon recht überholt...

Den Schweden sei Dank ...bekam ich am selben Tag noch billige Hauspuschen, drei billige Gummibadematten, günstiges Besteck, zwei Tassen, zwei Teller und ein Bettlaken. Nur für ein Netzwerkkabel wollte ich in einer seltsamen Ladenkette namens Currys keine £45 ausgeben. Das erschien mir doch etwas übertrieben. Das erstand ich am nächsten Tag für £10/15m bei einem der zahlreichen Internetcafe-Mobile-Wesellcabels-Everythingelseyoucannotimagine-TanteEmmaInder. Deshalb fahr ich nämlich lieber mit dem Bus: man sieht Sachen, so wie diesen Shop, kann spontan aussteigen, noch mehr Sachen sehen und wieder einsteigen, wenn man genug gesehen hat. Na, immerhin bekam ich tatsächlich meine Bettwäsche geliefert, so dass ich mit doppeltem Bettlaken und der Bettwäsche (mit unflexibler Kunststoff-Füllung - nachdem man es krumm gelegen hat bleibt es bretthart in der Form und muss sich nie wieder über's Ausschütteln Gedanken machen) etwas komfortabler schlafen konnte...

                      

 

    Sonntag, der 6. Januar des Jahres 2008. Die Insel ruft

Ob ich mich jemals an umlautlose Tastaturen gewoehnen werde? Bei denen übrigens nicht nur y und z vertauscht sind, sondern auch alle Satz- und Sonderzeichen durcheinander sind. Als Deutscher ist es wirklich unmoeglich einen laengeren, durch ae, oe, ue und ss krummgetippten, Text zu lesen. Daher werde ich versuchen den Grossteil dieser Vergewaltigungen im Nachhinein zu korrigieren und demnächst zu umgehen. Kommt davon, wenn man auf der Arbeit schon alles erledigt hat und zum Zeitvertreib britische Tastaturen nutzt...
Welchen Zeichen und Interpunktionsabenteuern man hier auch immer begegnen mag ... es geht los...

 

Ach, was fällt Abschied schwer...
British Airways in Düsseldorf war mein erster britischer Kontakt an diesem Tag. Und nur um mich zu ärgern und vielleicht, um mich auch auf meine weitere Zeit vorzubereiten, musste ich wegen 1,5 Kilo doch tatsächlich einen Ordner und ein Buch aus meinem Koffer verbannen. Es ist allerdings kein Problem sie stattdessen als Handgepäck mitzunehmen.

Sicher gelandet stand ich schon fast in der Schlange für die Passkontrolle (Schengen ist schon was Schönes) als mir auffiel, dass ich vielleicht nochmal zurück zum Flieger sollte, um meinen Handgepäckordner zu holen. Andy, mein neuer Chef (wie übrigens hier nur Köche genannt werden), hat mich netterweise abgeholt. Zum Glück. Das ganze Gepäck hätte ich nie und nimmer durch die Tube schleifen wollen. So hatte ich meine erste Reise in einem englischen Auto vor mir, wenn man von Bussen mal absieht. Als ordentlicher Beifahrer wollte ich auch prompt auf der rechten Seite einsteigen, doch leider hat irgendein Vollpansen dort ein Lenkrad eingebaut. Andy war mit diesem Fehler bereits einigermaßen vertraut, ist ja schließlich sein Auto, weswegen er glücklicherweise das Fahren übernommen hat. Und, auch wenn das doch eines ist was ich hier in England mal machen will, nämlich ein falschkonstruiertes Fahrzeug auf der falschen Seite fahren, war ich doch froh, dass ich erstmal chauffiert wurde.

Yorkshire Pudding Wir waren zwischenzeitlich in einem kleinen Pub etwas essen. Sehr spannend: es gab very britishes Roastbeef mit Kartoffeln, irgendeinem Gemüse und Yorkshire Pudding. Das ist einfacher Eierkuchenteig, irgendwie völlig verrückt und sieht so aus: de.wikipedia.org/wiki/Yorkshire-Pudding. Britischer Pudding ist übrigens alles andere als klar definiert und selten wie deutscher Pudding. Wir würden Blutwurst niemals Pudding nennen und niemand würde Blutwurstpudding essen. Aber alles war recht lecker, was mir höchst suspekt war. Und bitteres, dunkles Bier gibt es hier. Für alle Alt-Trinker eine echte Erleichterung, auch wenn es meistens schmeckt wie Alt das zwei Tage offen rum stand.

Student Accommodation Auf der Suche nach meiner Unterkunft war mein neuer A-Z Stadtplan ganz praktisch, den ich mir vorher extra bei Amazon bestellt hatte – in London ein Muss. In Andys 20 Jahre alter Version fehlten nämlich ein paar Straßen. Den Imperial Wharf Gebäudekomplex mit seinem £4 Hochsicherheits Parkhaus haben wir recht schnell gefunden. Dort sollte sich meine Studentenunterkunft befinden. Ich bin zwar kein Student mehr, das Imperial College (mein Arbeitgeber) bietet hier aber einige "günstige" Unterkünfte (günstiger als Bed and Breakfast oder Hotels), so dass ich froh war erstmal irgendwo untergekommen zu sein. Ich war auch schon vorsichtig beeindruckt, da alles ganz neu war, habe allerdings angesichts der £230 pro Woche (zurzeit rund 1350€), auch auf etwas Ähnliches gehofft. Ich wohnte natürlich woanders - außerhalb dieses Komplexes.    weiter

Ein Zimmer, nicht gereinigt (nicht mal staubgesaugt), eine kleine Küche (überall Fettspritzer und überhaupt klebte alles in der "Wohnung"), aber immerhin mit einem Bad "en suite" (...übrigens, wenn Ihr den Mauszeiger über die Fotos bewegt, wird Euch eine kurze Beschreibung angezeigt...). Für ein eigenes Bad kann man hier immer schick blechen, denn ein Bad auf dem Flur ist hier immer noch Standard. Dieses Bad en suite, im weiteren Nasszelle genannt, bestand aus einem unbedeckeltem Klo, einem Waschbecken, einer Dusche - allerdings ohne Duschtasse (wofür es hier übrigens kein reguläres Wort zu geben scheint; englisch erscheint mir sowieso zunehmend eine sehr langweilige Sprache zu sein) und ca. 1.000.000 schwarzer Schamhaare meines Vormieters. Nach dem Duschen stand der komplette Raum unter Wasser, den man allerdings mit einem bereitgestellten Wischmopp wieder trocknen können sollte. Praktischerweise war dieser auch mit diesen Haaren befüllt, so dass man gründlich weggespülte Haare hervorragend wieder durch neue auffüllen konnte (gut nur, dass ich meine Badelatschen zu Hause vergessen habe. Das hat mich wirklich sehr glücklich gemacht! Aber, um die Fahne hoch zu halten, hab ich mir erstmal echte deutsche Adiletten besorgt;-). Als Ablage für sämtliche Badutensilien und meinem Handtuch diente mir ein irgendwo abgebrochenes Sperrholzbrett.

Über 300€ die Woche... Ich fass es immer noch nicht.

Immerhin haben hier sonntags die Geschäfte auf, normalerweise bis 17/18 Uhr, sorry, 5/6 pm (außer kleinere Läden von freundlichen Indern, für die diese Regel nicht zu gelten scheint - die haben immer auf). So konnte ich mich mit etwas zum Frühstück und Putzmittel eindecken und erstmal alle Oberflächen schrubben - ein toller Start. Viel Musik hören konnte ich dabei auch nicht, da der Akku meines Laptops leider schon am Limit war (die Briten müssen ja unbedingt andere Steckdosen haben. Und, die Tatsache, dass sich neben jeder Steckdose ein An- und Ausschalter für diese Steckdose befindet, sollte mir nicht nur einmal zum Verhängnis werden: ein Kühlschrank funktionierte nicht, ein Magnetrührer im Labor war definitiv kaputt...;-) Immerhin hätte ich schnell online gehen können, wenn ich eines meiner 87 Netzwerkkabel von zu Hause mitgebracht hätte. Irgendwo hatte ich was von wireless LAN gelesen... Na, mit dem Handy, was ja jetzt "mobile" heißt, konnte ich den Laptop wenigstens kurz ins Netz bringen und nach meiner Busverbindung zur Arbeit schauen (läppische 8€ pro Megabyte – das geht bei dem heutigen Seitendesign verdammt schnell!). Und so sah ich meiner ersten Nacht entgegen. Da ich noch kein Bettzeug hatte (sollte mir zusammen mit Steckdosenadaptern von einem Online-Shop erst am nächsten Tag geliefert werden – man hat’s nicht leicht…), habe ich mich in meinen Schlafsack gequetscht und versucht bloß die Matratze nicht zu berühren - man weiß ja nie. Irgendwann bin ich eingeschlafen, aber regelmäßig bibbernd aufgewacht. Es war scheißekalt in der Butze. Die staubblasende Elektroheizung funktionierte scheinbar nicht mehr.

           

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